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Müssen Mitarbeiter beim Gerüstaufbau an einer Produktionshalle persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz tragen?

KomNet Dialog 5835

Stand:

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Baustellen > Gerüste, Absturzsicherungen

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Frage:

Müssen Mitarbeiter beim Gerüstaufbau an einer Produktionshalle persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz tragen?

Antwort:

Ja; alle Mitarbeiter, die während ihrer Arbeit einer Absturzgefährdung ausgesetzt sind, die nicht durch technische und organisatorische Maßnahmen oder kollektive Absturzsicherungen, wie Geländer, Netze, o.ä. verhindert werden kann, müssen sich durch geeignete Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz sichern. Das ist die Grundpflicht des Arbeitgebers gemäß Arbeitsschutzgesetz und gilt für alle Gefahren am Arbeitsplatz.

In der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)werden diese Regelungen im Anhang unter der Nr. 2.1aufgeführt. Konkretisierende Anforderungen zum Schutz gegen Absturz werden in der Unfallverhütungsvorschrift BGV C 22 - Bauarbeiten- (§ 12 ff.) erläutert. Absturzsicherungsmaßnahmen sind daher zwingend erforderlich.

Gerüste dürfen nur unter Aufsicht einer befähigten Person und von fachlich geeigneten Beschäftigten auf-, ab- oder umgebaut werden, die speziell für diese Arbeiten eine angemessene Unterweisung gemäß § 9 Betriebssicherheitsverordnung erhalten haben, ....." (Ziffer 5.2.6 Anhang 2 Betriebssicherheitsverordnung).

Hinweis: Technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen (Umwehrungen, Abschrankungen, Zutrittsbeschränkungen) haben in jedem Fall Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen (Rettungsgeschirr) und auch vor arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen.

Erhöhte Absturzgefahr, die eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz für arbeitsmedizinische Untersuchnungen G 41 "Arbeiten mit Absturzgefahr" begründen, ist insbesondere für die nachstehend genannten oder mit ihnen vergleichbaren Betriebsarten, Arbeitsplätze oder Tätigkeiten anzunehmen:
- Freileitungen und Fahrleitungen, Antennenanlagen
- Brücken, Masten, Türme, Schornsteine, Signalhochbauten
- Flutlichtanlagen
- Auf- und Abbau freitragender Konstruktionen (z.B. Montage im Stahlbau, Stahlbetonfertigteilbau, Holzbau)
- Schächte und Blindschächte im Bergbau
- Gerüstbauarbeiten
Dies ist insbesondere dann anzunehmen, wenn sie bei Standortwechsel kurze Zeit nicht durch Sicherheitsgeschirre gegen Absturz geschützt sind.
Auch bei kurzzeitigen oder gelegentlichen Arbeiten mit erhöhter Absturzgefahr kann auf arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nicht verzichtet werden.

"Eine erhöhte Absturzgefahr ist an den oben genannten Arbeitsplätzen nicht anzunehmen, wenn Versicherte durch technische Maßnahmen (Geländer, Seitenschutz, Wände usw.) oder Sicherheitsgeschirre ständig gesichert sind" (BGI 504-41).