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KomNet-Wissensdatenbank

Wie kann man einem Mobbingopfer anonym helfen?

KomNet Dialog 3875

Stand: 21.01.2015

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Psychische Belastungen und Beanspruchungen > Mobbing

Dialog
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Frage:

Ein Bekannter von mir arbeitet in einem Großunternehmen. Er wird von Vorgesetzten und seitens der Personalabteilung gemobbt. Es gibt im Betrieb niemanden, dem er sich anvertrauen kann. Der Betriebsrat ist mit sich selbst beschäftigt, Vertrauensleute der Schwerbehinderten sind meistens nicht erreichbar und tun nichts. Es gab im vergangenen Jahr eine Besprechung zwischen Betriebsrat, Vorgesetzten und ihm wegen der Mobbinggeschichte. Nur das hat nichts gebracht, sondern alles nur noch schlimmer gemacht. Auf die körperlichen Einschränkungen (Schwerbehinderungsgrad 50%), wurde am Arbeitsplatz keine Rüchsicht genommen. Es wurde gesagt, er stelle zu hohe Ansprüche. Es wurde schon mal mit Kündigung gedroht, auch wenn ihm in dem Moment nicht gut geht! Er wurde von der Personalabteilung gedrängt, zu verschiedenen Ärzten zu gehen, um eine Kur zu kommen! ... Die suchen nur einen Grund, um ihn zu entlassen. Er ist mit dem Nerven am Ende. Wie kann man ihm anonym aus Ihrer Sicht helfen ?

Antwort:

Es ist schön, dass Sie Ihrem Bekannten helfen möchten. Für Mobbingbetroffene ist es wichtig, ernst genommen zu werden und eine Vertrauensperson zu haben, insbesondere dann, wenn der Betrieb sich der vorgetragenen Angelegenheit nicht ausreichend annimmt.

Allerdings ist eine Unterstützung bei Mobbing in erster Linie als eine Hilfe zur Selbsthilfe zu sehen. Sie wirkt am besten, wenn der Betroffene die Unterstützung von sich aus sucht und bereit ist, sich selbst in die Lösung des Konflikts einzubinden. So können in jedem Fall bessere Ergebnisse erzielt werden als rein durch anonyme Hilfe von außen.

Der Betroffene ist Teil des Konflikts und kann seine eigenen Möglichkeiten und die Grenzen seiner Belastbarkeit selbst am Besten erkennen und umsetzen. Wenn er nicht aktiv mitwirkt, um das Problem zu lösen, wird es schwierig sein, Ergebnisse zu finden, die für ihn wirklich akzeptabel sind.

Es ist empfehlenswert, Ihrem Bekannten zu signalisieren, dass Sie auf seiner Seite sind und ihm zu raten, sich selbst an jemanden zu wenden, der mit der Beratung bei Mobbing oder bei Konflikten am Arbeitsplatz vertraut ist.

Hinsichtlich der Rücksichtnahme auf die Einschränkungen durch seine Schwerbehinderung sind der Betriebsrat bzw. die Vertrauensleute erste Anlaufstelle. Vielleicht lohnt es sich, beharrlich zu sein oder das Anliegen schriftlich zu verfassen. Er kann sich auch an die Gewerkschaft wenden, um seine Rechte zu erfahren.

Es ist kein `Gesichtsverlust, sich kompetente Unterstützung von außen zu holen.

Wer von ständigen Konflikten am Arbeitsplatz betroffen ist, meint zum Teil, das Problem selbst lösen zu müssen und berücksichtigt nicht, dass die ständige Auseinandersetzung mit der Sache immense Kraft kostet und gleichzeitig die Gegenseite stärkt. Das ist sehr nerven- und kraftaufreibend.

Dabei kann, wenn man den Arbeitsplatz beibehalten möchte, die Lösung meistens nur im Einvernehmen mit allen Beteiligten gefunden werden.

Es kann auch sinnvoll sein, einen kompetenten Vermittler einzuschalten. Vielleicht könnten Sie gemeinsam mit Ihrem Bekannten überlegen, wer das sein könnte.

Was spricht für Ihren Bekannten für oder gegen eine Kur? Sie kann geeignet sein, um die Tanks wieder aufzufüllen und Abstand von den Problemen zu gewinnen.

Helfen können Außenstehende Ihrem Bekannten u.E. nach am Besten, wenn Sie ihn ernst nehmen und sich für seine Probleme interessieren. Je mehr Verständnis ein Mobbingbetroffener wahrnimmt und je mehr Vertraute er hat, umso besser hilft es ihm meistens, mit seinem Konflikt umzugehen.