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KomNet-Wissensdatenbank

Sind Schlüsselkästen auch neben Notausstiegen verboten?

KomNet Dialog 28704

Stand: 02.03.2017

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Notausgänge, Türen und Tore im Verlauf von Fluchtwegen

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Frage:

Schlüsselkästen neben Notausgängen sind verboten. Das gilt aus meiner Sicht auch für Notausstiege. Das Fenster (Notausstieg) muss im Gefahrenfall über den Fenstergriff zu öffnen sein, ohne dabei noch eine Verriegelung im Fenstergriff mit einem Schlüssel zu öffnen. Ist dem so?

Antwort:

Wir schließen uns Ihrer Auffassung an, dass die Regelung, dass Schlüsselkästen neben Notausgangstüren verboten sind, auch für Notausstiege gilt.

Nach § 4 Absatz 4 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Verkehrswege, Fluchtwege und Notausgänge ständig freigehalten werden, damit sie jederzeit benutzbar sind. Der Arbeitgeber hat Vorkehrungen so zu treffen, dass die Beschäftigten bei Gefahr sich unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können.

Konkretisiert werden die Anforderungen der ArbStättV in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR), hier insbesondere die ASR A2.3 "Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan". Dort ist unter dem Punkt 6 u. a. folgendes nachzulesen:

"(3) Türen im Verlauf von Fluchtwegen und Notausstiege müssen sich leicht und ohne besondere Hilfsmittel öffnen lassen, solange Personen im Gefahrenfall auf die Nutzung des entsprechenden Fluchtweges angewiesen sind.
Leicht zu öffnen bedeutet, dass die Öffnungseinrichtung gut erkennbar und an zugänglicher Stelle angebracht (insbesondere Entriegelungshebel bzw. -knöpfe zur Handbetätigung von automatischen Türen), sowie dass die Betätigungsart leicht verständlich und das Öffnen mit nur geringer Kraft möglich ist.

Ohne besondere Hilfsmittel bedeutet, dass die Tür im Gefahrenfall unmittelbar von jeder Person geöffnet werden kann."

Ist noch ein zusätzlicher Schlüssel zu verwenden, entspricht das nicht den Anforderungen der ArbStättV und der ASR A2.3. Im Fall eines Notfalles kann Panik entstehen und dadurch besteht die Gefahr, dass die Beschäftigten sich nicht unverzüglich in Sicherheit bringen können.