Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Besteht für den Umgang mit einem Cyanoacrylatklebstoffgemisch ein Beschäftigungsverbot für werdende Mütter?

KomNet Dialog 23123

Stand: 17.02.2015

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
Favorit

Frage:

Ein Cyanoacrylatklebstoffgemisch ist "nur" als Umweltgefährlich (H412 - Chronische aquatische Toxizität Kategorie 3) eingestuft. Allerdings enthält er bis zu 0,1% des Stoffes Hydrochinon, welcher unter anderem als karzinogen Cat. 2 (H351) und keimzellmutagen Cat. 2 (H341) eingestuft ist. Besteht nun aufgrund des krebserzeugenden Inhaltsstoffes ein Beschäftigungsverbot für werdende Mütter nach § 5 der MuSchRiV?

Antwort:

Im § 5 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArbV) sind besondere Beschäftigungsbeschränkungen aufgeführt. Danach ist u.a. die Beschäftigung mit krebserzeugenden Gefahrstoffen verboten. Dieses Verbot gilt allerdings nicht, "wenn die werdenden Mütter bei bestimmungsgemäßem Umgang den Gefahrstoffen nicht ausgesetzt sind."

Krebserzeugend (kanzerogen) ist ein Stoff oder eine Zubereitung, "wenn sie bei Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut Krebs hervorrufen oder die Krebshäufigkeit erhöhen können." (§ 3 Nr.12 Gefahrstoffverordnung - GefStoffV)

Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine Zubereitung (Cyanoacrylatklebstoffgemisch), die einen krebserzeugenden Stoff enthält. Wann eine solche Zubereitung als krebserzeugend gilt, ist im § 2 Abs.3 GefStoffV definiert. So muss die Konzentration eines krebserregenden Stoffes in einer Zubereitung die Konzentrationsgrenze als krebserzeugend übersteigen. Dies scheint hier nicht der Fall zu sein, da die Zubereitung "nur" als umweltgefährlich eingestuft ist.

Ob im vorliegenden Fall eine Gefährdung der werdenden Mutter durch das Cyanoacrylatklebstoffgemisch vorliegt, muss der Arbeitgeber im Rahmen der durchzuführenden Beurteilung der Arbeitsbedingungen (§ 1 MuSchArbV) eigenverantwortlich entscheiden. Dabei hat er sowohl die Arbeitsbedingungen als auch Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung zu berücksichtigen. Unterstützt wird er dabei von der Sicherheitsfachkraft und dem Betriebsarzt. Bei Zweifeln in Bezug auf eine Gefährdung werdender Mütter beim Umgang mit dem Cyanoacrylatklebstoffgemisch sollten Sie beim Hersteller / Lieferanten rückfragen.