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Welches Gefälle/Steigung ist auf Verkehrswegen innerhalb von Gebäuden tolerabel? Ist eine Kennzeichnung vorgeschrieben?

KomNet Dialog 15196

Stand: 21.12.2011

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verkehrswege

Dialog
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Frage:

Die fünf Etagen eines Büro-Altbaus sind mit den fünf Etagen eines Büro-Neubau mittels einer Gebäudekonstruktion miteinander verbunden worden. Die Höhen der jeweiligen Stockwerke zwischen Alt- und Neubau differieren zueinander, so dass in den ersten beiden unteren Stockwerken ein Übergang von Alt in Neu kaum merkbar, doch schon ab dem 2. Stockwerk das Gefälle von Alt- in Neubau deutlich zu merken ist und mit jedem Stockwerk ansteigt. Auf Grund des verwendeten Bodenbelags fällt das merkbare Gefälle kaum auf. Es ist hausintern nun eine Diskussion entbrannt, ob diese Stellen zu kennzeichnen oder anders zu sichern sind oder nicht? Und wenn doch, in welcher Art und Weise? Wie ist die Rechtslage?

Antwort:

Maßgebliche arbeitsschutzrechtliche Vorschrift zur Gestaltung von Verkehrswegen ist die Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV, sowie die dazu erlassenen Arbeitsstättenregeln bzw. die übergangsweise noch geltenden Arbeitsstättenrichtlinien (siehe auch www.baua.de/ASR/ bzw. www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16486/ ).

Die ArbStättV fordert im Anhang unter Ziffer 1.8, dass Verkehrswege, einschließlich Treppen, fest angebrachte Steigleitern und Laderampen so angelegt und bemessen sein müssen, dass sie je nach ihrem Bestimmungszweck leicht und sicher begangen oder befahren werden können und in der Nähe Beschäftigte nicht gefährdet werden. 

Diese Forderung wird in der ASR 17/1,2 - Verkehrswege konkretisiert. Unter Ziffer 3.2 der ASR 17/1,2 wird zur Neigung von Rampen folgendes ausgeführt:
3.2 Rampen
Für Breite und Höhe gilt Abschnitt 2.4.
3.2.1 Die Neigungen von Rampen für den Fahrverkehr richten sich nach den verschiedenen Fahrzeugarten und deren Einsatz. Im Regelfall beträgt die Neigung 1 :12.5 (8%); eine Neigung von 1: 8 (12,5%) sollte nicht überschritten werden.
3.2.2 Bei Rampen für den Gehverkehr gelten auch die Werte des Abschnittes 3.2.1.

Für Fluchtwege und Notausgänge gilt die ASR A2.3 (www.baua.de/ASR/). Nach Punkt 6 (7) der ASR dürfen Fluchtwege keine Ausgleichsstufen haben. Geringe Höhenunterschiede sind durch Schrägrampen mi einer maximalen Neigung von 6% auszugleichen.

Bei einer geneigten Rampe muss grundsätzlich mittels Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der Gesamtumstände entschieden werden, ob die Rampe für die vorgesehenen Transportzwecke geeignet ist.
Die BGI 869 "Betriebliches Transportieren und Lagern" ist zwar aufgehoben, in die Gefährdungsbeurteilung kann sie gleichwohl als Erkenntnisquelle noch mit einbezogen werden. Nach der BGI 869 sollte für den Einsatz von handbetätigten Transportmitteln  eine Neigung von 5 % eingehalten werden. Weiterhin wird ausgeführt, dass für die Gefahrenermittlung auf geneigten Rampen  zu berücksichtigen sind: Art des Transportmittels, Lastgewicht, Häufigkeit des Transports, Länge des Verkehrsweges, Bodenbeschaffenheit und körperliche Voraussetzungen.

Eine spezielle Kennzeichnung von Verkehrswegen mit Gefälle/Steigung sieht die ASR A1.3 - Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung nicht vor.