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KomNet-Wissensdatenbank

Flächenbedarf für einen Bildschirmarbeitsplatz im Gruppenbüro

KomNet Dialog 1460

Stand: 24.04.2015

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Bildschirmarbeitsplätze > Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen

Dialog
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Frage:

Ich bin auf der Suche nach Bestimmungen, die in einem Gruppenbüro mit Bildschirmarbeitsplatz gelten. Es wäre für mich wichtig zu wissen, wie der vorgeschriebene Flächenbedarf für einen Bildschirmarbeitsplatz im Gruppenbüro ist. Vor allem, was dabei eine Kann- und eine Muss-Bestimmung ist. Derzeit plant mein Arbeitgeber auf 254 qm 22 Leute zu setzen. Geht das? Können sie mir da weiterhelfen oder mir mitteilen, an wen ich mich wenden muss?

Antwort:

Rechtliche Anforderungen an die Gestaltung von Arbeitsplätzen ergeben sich aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)  und den zugehörigen Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR). Für die Arbeit an Bildschirmgeräten gilt zusätzlich die Bildschirmarbeitsplatzverordnung (BildscharbV).

Im berufsgenossenschaftliche Leitfaden für die Gestaltung von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen (DGUV Information 215-410; bisher BGI 650)  werden die sich hieraus ergebenden Anforderungen zusammengefasst und (teilweise) konkretisiert.  Bei Beachtung der im Leitfaden wiedergegebenen Informationen kann der Arbeitgeber davon ausgehen, das die einschlägigen gesetzlichen Anforderungen und Schutzziele eingehalten beziehungsweise erreicht werden.

Unter Ziff. 7.4.1 der DGUV Information 215-410 wird auf den Platzbedarf eingegangen:  
"Bei der Planung von Arbeitsplätzen im Sinne dieser Informationen kann davon ausgegangen werden, dass die Fläche je Arbeitsplatz einschließlich allgemein üblicher Möblierung und anteiliger Verkehrsflächen im Mittel nicht weniger als 8 m² bis 10 m2 betragen wird. In Großraumbüros ist angesichts des höheren Verkehrsflächenbedarfs und der größeren Störwirkungen im Mittel von nicht weniger als 12 bis 15 m2 auszugehen.
Aus funktionalen Gründen ergibt sich für Großraumbüros eine Fläche von mindestens 400 m2
."

Aufgrund von Sondervorschriften, insbesondere auch im Hinblick auf behindertengerechte Gestaltung, können größere Flächen und Verkehrswegbreiten erforderlich werden.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Arbeitsbedingungen hinsichtlich möglicher Gefahren zu beurteilen und ggf. erforderliche Maßnahmen zu ergreifen. Im Rahmen dieser Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitgeber klären müssen, ob der für Bildschirmarbeitsplätze zur Verfügung stehende Raum ausreichend ist.

Fazit:
Teilt man die von Ihnen genannte Raumgröße durch die Anzahl der Arbeitnehmer, kommt man auf einen Wert knapp unter 12 m³, der für Großraumbüros für erforderlich gehalten wird. Allerdings wird für Großraumbüros auch eine Fläche von mindestens 400m2 für erforderlich gehalten. Somit ist die von Ihrem Arbeitgeber angestrebte Besetzung des Büros insgesamt zwar knapp, kann aber rechtlich ohne nähere Gründe nicht beanstandet werden

Wir schlagen vor, für die Besetzung des Büros eine Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz durchzuführen. Dabei können dann Gründe gefunden werden, die für eine Belegung des Büros mit einer geringeren Personenzahl sprechen.

Ein geeignetes Forum, Probleme des Arbeitsschutzes anzusprechen, ist der Arbeitsschutzausschuss. Die Arbeitnehmer können gegenüber den Mitgliedern des Arbeitsschutzauschusses (Arbeitgebervertreter, Betriebsrat, Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsbeaufragte) anregen, das Thema im Arbeitsschutzausschuss zu erörtern und das Ergebnis nachfragen. 

Die Zuständigkeit für die Einhaltung der Arbeitsstättenverordnung und der Bildschirmarbeitsplatzverordnung liegt bei der Arbeitsschutzverwaltung, deren Dienststellen Sie bundesweit über diesen Link finden.