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Ist es zulässig, dass eine einzelne Pflegekraft einen gelähmten Patienten mittels eines Rutschbrettes vom Bett in einen Rollstuhl befördert?

KomNet Dialog 29188

Stand: 03.05.2017

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Ergonomie > Heben, Tragen, Schieben, Ziehen, Stehen

Dialog
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Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich arbeite im ambulanten Pflegedienst und habe diesbezüglich eine Frage. Bei einem Patienten (94 kg), der ab der Brust gelähmt ist, soll der Transfer mit Hilfe eines Rutschbrettes erfolgen. Der Rollstuhl ist niedrig und mit Schutzblechen versehen. Diese sind nicht schwenkbar, die Fußstützen sind ebenfalls nicht beweglich. Es steht zudem nur eine Pflegekraft zur Verfügung. Nun meine Frage: ist dies zulässig?

Antwort:

Die von Ihnen beschriebene Tätigkeit fällt unter die Lastenhandhabungsverordnung. Diese Vorschrift enthält keine Grenzwerte, mit denen ein Verbot des Hebens und Tragens gekoppelt ist. Sie schreibt vielmehr dem Arbeitgeber vor:
1. eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und geeignete Maßnahmen daraus abzuleiten;
2. bei der Übertragung von Aufgaben die körperliche Eignung der Beschäftigten zu berücksichtigen.

Sie sollten daher im ersten Schritt Ihren Arbeitgeber auf die verpflichtende Durchführung der Gefährdungsbeurteilung unter der Beteiligung der Fachkraft für Arbeitssicherheit und des Betriebsarztes ansprechen. Methodisch geeignet ist hierfür die sogenannte Leitmerkmalmethode (LMM). Bei deren Anwendung dürfte man in  Ihrem Fall in den Risikobereich 3 oder 4 kommen, womit entsprechende Gestaltungsmaßnahmen angezeigt sind bzw. erforderlich werden. Solche Maßnahmen können technischer (z.B. Hilfsmittel) oder organisatorischer (z.B.  eine zusätzliche Hilfskraft) sein.

Sind Sie nach diesem Schritt der Auffassung, dass die Arbeitsschutzmaßnahmen Ihres Arbeitgebers nicht ausreichen und dass der Arbeitgeber Ihren Beschwerden nicht abhilft, können Sie sich nachteillos an die zuständige staatliche Arbeitsschutzverwaltung wenden (s. § 17 Abs.2 Arbeitsschutzgesetz).