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Muss für eine schwangere Podologin ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden?

KomNet Dialog 9985

Stand: 12.09.2014

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Meine Mitarbeiterin hat mir mitgeteilt, dass sie schwanger ist. Muss ich nun ein Beschäftigungsverbot aussprechen? Sie arbeitet in Vollzeit als Podologin bei mir in der Praxis. Eine Änderung der Beschäftigungsart ist nicht möglich.

Antwort:

Bei einer Beschäftigung einer werdenden Mutter muss der Arbeitgeber von sich aus die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes - MuSchG und der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz - MuSchArbV einhalten und die erforderlichen Maßnahmen treffen. Insbesondere ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, sofort nach Bekanntwerden der Schwangerschaft die zuständige Aufsichtsbehörde zu informieren (in Nordrhein-Westfalen sind die Dezernate 56 der Bezirksregierungen die zuständigen Aufsichtsbehörden) sowie den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen einer werdenden oder stillenden Mutter so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind durch die berufliche Tätigkeit nicht gefährdet werden.

Das bedeutet, dass der Arbeitgeber sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft eine sorgfältige Beurteilung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen durchführen muss (MuSchG i.V.m. § 1 MuschArbV). Die Beurteilung erstreckt sich auf jede Tätigkeit, die die werdende Mutter durchführt und beinhaltet Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung.

Falls die Arbeitsplatzbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:
1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Entgeltes gemäß § 11 MuSchG.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende Mutter über das Ergebnis der o. g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.


Im Rahmen der Arbeitsplatzbeurteilung (Gefährdungsbeurteilung) sind für eine Podologin folgende Faktoren besonders zu berücksichtigen:

Heben und Tragen
Nach § 4 Abs. 1 und 2 sowie § 6 Abs. 3 MuSchG dürfen werdende und stillende Mütter nicht mit schweren körperlichen Arbeiten und insbesondere nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, bei denen regelmäßig (d. h. mehr als zwei- bis dreimal pro Stunde) Lasten von mehr als 5 kg Gewicht oder gelegentlich (weniger als zweimal pro Stunde) Lasten von mehr als 10 kg Gewicht ohne mechanische Hilfsmittel von Hand unter ergonomisch günstiger Haltung gehoben, bewegt oder befördert werden.

Biostoffe/Gefahrstoffe
Mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2 bis 4 dürfen werdende Mütter nicht arbeiten soweit bekannt ist, dass diese Arbeitsstoffe oder durch sie im Krankheitsfall bedingte therapeutische Maßnahmen die Gesundheit der schwangeren Arbeitnehmerin und des ungeborenen Kindes gefährden (MuSchArbV, Anl. 1 Abs. A Nr. 2).

Deshalb dürfen werdende oder stillende Mütter mit Stoffen, Zubereitungen oder Erzeugnissen, die erfahrungsgemäß Krankheitserreger übertragen können, nicht beschäftigt werden, wenn sie den Krankheitserregern ausgesetzt sind (§ 5 Abs. 1 Nr. 2 MuSchArbV):

  • Eiter von Aknepusteln enthält in der Regel nur Mikroorganismen der Risikogruppe 1 (Propionibacterium acnis), kann aber z. B. bei Antibiotikabehandlung der Akne oder bei gramnegativen Follikulitiden im Perinasalbereich auch Mikroorganismen der Risikogruppe 2 (z. B. Staphylokokken, gramnegative Stäbchen) enthalten.
  • Hautpilze gehören ebenfalls der Risikogruppe 2 an (z. B. Trichophyton species).
  • Blut enthält nicht selten Mikroorganismen, die den biologischen Risikogruppen 2 und 3 (Hepatitis B, C, D, HIV) zuzuordnen sind.

Wird mit schneidenden oder stechenden Gegenständen umgegangen wie z. B. Skalpellen oder Injektionsnadeln, die mit Blut oder Eiter kontaminiert sind, reichen Handschuhe als Schutzmaßnahme nicht aus, weil ein Verletzungsrisiko weiterhin besteht.

Unzulässig ist somit die Beschäftigung werdender oder stillender Mütter z. B. mit
- dem Anstechen und Ausdrücken von Pusteln
- dem Entfernen von Hühneraugen.

Weitere Informationen bitten wir Sie dem Merkblatt "Werdende Mütter als Kosmetikerinnen und Fußpflegerinnen", www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16404/ zu entnehmen. 

Auf die Informationen des Arbeitsschutzportals NRW zum Mutterschutz weisen wir hin:
http://www.arbeitsschutz.nrw.de/themenfelder/mutterschutz/index.php