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Inwieweit ist ein Arbeitsplatz in einem mit Ex-Zone 1 gekennzeichneten Arbeitsbereich gestattet?

KomNet Dialog 9881

Stand: 19.12.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.4.4)

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Frage:

Inwieweit ist ein Arbeitsplatz in einem mit Ex-Zone 1 gekennzeichneten Arbeitsbereich gestattet? Hier liegt m.E. eine Kollision von Arbeitsschutz (Arbeitsplatzkonzentrationen) und Anlagenschutz (Ex-Definition) wegen der evtl. Überschreitung von z.B. gesundheitsschädlichen Lösungsmittelkonzentrationen vor.

Antwort:

Gemäß § 5 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV, unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung, muss der Arbeitgeber die ermittelten explosionsgefährdeten Bereiche in Zonen entsprechend Anhang 3 BetrSichV einteilen. Dies wird dann im Explosionsschutzdokument (§ 6 BetrSichV) und im Ex-Zonenplan dokumentiert.
Hieraus wird deutlich, dass die Festlegung der Ex-Zonen das alleinige Ergebnis der Ermittlung und Beurteilung der Brand- und Explosionsgefahren im Betrieb wiederspiegelt. Ein Ex-Zonenplan ist eine Beschreibung von Wahrscheinlichkeiten, da die Zonenfestlegung eine normierte Bezugsgröße zu der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre darstellt. Üblicherweise durch die Zeitintervalle – häufig, ständig, lange, gelegentlich, selten, kurzzeitig, normalerweise nicht, etc. – beschrieben.

Das die Festlegung der Ex-Zonen streng an den örtlichen Gegebenheiten angepasst und auf die kleinst mögliche Einheit beschränkt bleiben muss, lässt sich auch auf die Substitutionspflicht nach den §§ 9 und 12 Gefahrstoffverordnung - GefStoffV zurückführen. In Verbindung mit Anhang III Nr. 1 GefStoffV wird der Arbeitgeber verpflichtet bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen die Verhinderung der Bildung gefährlicher explosionsfähiger Gemische als erste Priorität durchzuführen. Dies kann üblicherweise
- durch Substitution der Stoffe, die die gefährlich explosionsfähige Atmosphäre hervorrufen, oder
- der Einschränkung der Bildung dieser Stoffe durch technische Lüftung oder Inertisierung, oder
- durch die Beseitigung (z.b. Absaugen) der Stoffe erreicht werden.
Die Tätigkeit von Personen in explosionsgefährdeten Bereichen ist gem. der durchgeführten Gefährdungsbeurteilung zulässig. Die BetrSichV bzw. die GefStoffV sehen u.a. folgende organisatorischen Schutzmaßnahmen (Schutzmittel für Arbeitnehmer) vor:
- Unterweisung der Beschäftigten
- Schriftliche Arbeitsanweisungen
- Arbeitsfreigabesystem für Tätigkeiten
- Evtl. angemessene Aufsicht stellen
- Wenn erforderlich geeignete Persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen
- Überprüfung der Explosionssicherheit durch befähigte Personen
- Ggf. Warneinrichtungen vor Erreichung der Explosionsbedingungen
- Kennzeichnung der explosionsgefährdeten Bereiche
(Vergleiche Anhang 4 BetrSichV und Anhang III Nr.1 GefStoffV)

Festlegungen in technischen Regeln, z.B. Technische Regel für brennbare Flüssigkeiten – TRbF 20 "Läger" gelten auch weiterhin als beispielhafte Lösung zur Einhaltung des Standes der Technik und sind heranzuziehen.
Beispielhaft sind hier die Regelungen der Ziffer 16.2 zur TRbF 20 für Arbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen auszugsweise aufgeführt:

"(3) Arbeiten in Zone 0 sind zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, dürfen die Arbeiten nur von besonders eingewiesenen Personen und nur mit Betriebsmitteln, Werkzeugen und persönlichen Schutzausrüstungen, die für Zone 0 zulässig sind, durchgeführt werden.
(4) Zu den Arbeiten, die in Zone 0 nicht vermieden werden können, gehören z.B.
1 . Abschöpfen brennbarer Flüssigkeiten aus dem Sumpf von Behältern,
2. das Reinigen der Böden und Wände zwecks Aufhebung der Explosionsgefahr,
3. kurzfristige Inspektionsarbeiten in nicht völlig entleerten oder ungereinigten Behältern zur Lagerung brennbarer Flüssigkeiten,
4. das Überprüfen von Reinigungsarbeiten.
(5) Sollen innerhalb oder oberhalb von explosionsgefährdeten Bereichen Arbeiten zur Reinigung, Instandhaltung und Instandsetzung vorgenommen werden, so hat der Betreiber der Anlage oder sein Beauftragter die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen anzuordnen und ihre Durchführung sicherzustellen."

Hiervon unberührt ist die Ermittlungspflicht gem. GefStoffV zur Einhaltung von Arbeitsplatzgrenzwerten (AGW-Werte) im Arbeitsbereich. Werden diese Grenzwerte überschritten muss der Arbeitgeber unverzüglich weitere Schutzmaßnahmen zur Arbeitsplatz- und Prozeßgestaltung, sowie technische und organisatorische Maßnahmen vornehmen. D.h. Beschäftigte müssen unabhängig von Tätigkeiten in explosionsgefährdeten Bereichen vor unzulässigen Konzentrationen gefährlicher Stoffe geschützt werden.

Auf die Informationen und Hilfestellungen unter www.exinfo.de/webcom/show_merkblatt.php/_c-1278/i.html weisen wir hin.