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Ist für die Einstufung eines Reinigers als reizend oder ätzend neben dem Gehalt an NaOH auch der pH-Wert ausschlaggebend?

KomNet Dialog 9420

Stand: 22.12.2009

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Einstufung, Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblatt > Einstufung

Dialog
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Frage:

Ein Reinigungsmittel enthält lt. Hersteller <2% Natronlauge und wird nach EU-Recht daher nur mit "reizend" gekennzeichnet. Gleichzeitig hat das Mittel einen pH Wert von 13,6 und die Haut wird bei Kontakt schmierig, d.h. die Haut wird angegriffen. Warum wird das Mittel nicht als "ätzend" bezeichnet? Der Hersteller behauptet nach EU-Recht ist hier nur der geringe Gehalt an NaOH ausschlaggebend für die Einstufung, nicht der pH-Wert des Produktes. Was ist hier nun richtig?

Antwort:

Der Hersteller oder Einführer hat Zubereitungen gemäß § 5 Abs. 2 der Gefahrstoffverordnung nach der Richtlinie 1999/45/EG einzustufen. Ätzende oder reizende Zubereitungen können nach Anhang II, Teil B, Nr. 4 dieser Richtlinie nach der konventionellen Methode (Berechnungsverfahren) eingestuft werden. Die Anwendung dieser Methode ist jedoch mit folgendem Hinweis verbunden:
„Die Anwendung der konventionellen Methode bei Zubereitungen, die als ätzend oder reizend eingestufte Stoffe enthalten, kann zu einer Unter- oder Überbewertung der Gefährdung führen, wenn andere relevante Faktoren (etwa der pH-Wert der Zubereitung) nicht berücksichtigt werden. Daher ist bei der Einstufung der ätzenden Wirkung der Hinweis in Ziffer 3.2.5 des Anhangs VI zur Richtlinie 67/548/EWG und in Artikel 6 Absatz 3 (zweiter und dritter Gedankenstrich) dieser Richtlinie zu beachten.“
Dort heißt es:
„Ein Stoff oder eine Zubereitung ist ferner als ätzend zu betrachten, wenn dieses Ergebnis vorausgesagt werden kann, beispielsweise bei starken sauren Reaktionen mit einem pH ≤ 2 oder bei starken alkalischen Reaktionen mit einem pH ≥ 11,5. Erfolgt die Einstufung jedoch aufgrund extremer pH-Werte, ist auch eine saure/alkalische Reserve zu berücksichtigen. Wird der Stoff oder die Zubereitung aufgrund der sauren/alkalischen Reserve für nicht ätzend gehalten, so ist diese Feststellung durch weitere Prüfungen zu bestätigen, wenn möglich durch eine validierte In-vitro-Prüfung. Stoffe und Zubereitungen sollten nicht ausschließlich aufgrund der sauren/alkalischen Reserve von der Einstufung als ätzend befreit werden.“
Aussagen zur Einbeziehung einer ggf. vorhandenen sauren/alkalischen Reserve oder weiterer Prüfungen sind auf der Basis der vorliegenden Informationen nicht möglich.

Gefahrstoffrechtliche EU-Rechtstexte erhalten sie unter http://www.reach-clp-helpdesk.de/de/Rechtstexte/Kompendium/Kompendium.html  zum Download.

Stand: Oktober 2009