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KomNet-Wissensdatenbank

Gelten für Räucherräume, die nur etwa alle 2 Tage betreten werden, die Höchstentfernungsgrenzwerte bzgl. der Flucht- und Rettungswege?

KomNet Dialog 917

Stand: 20.12.2012

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verlauf, Abmessung und Anzahl von Fluchtwegen

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Frage:

Sind Räucherräume, die etwa alle 2 Tage mit Räucherwagen be- und entladen werden (Dauer: ca. 10 min.), gemäß der Arbeitsstättenverordnung als Arbeitsplätze anzusehen, für die die Höchstentfernungsgrenzwerte bezüglich der Flucht- und Rettungswege gelten?

Antwort:

Grundlegende Definitionen zu Arbeitsstätten werden in der  Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) getroffen.

In Ziffer 2.3 des Anhangs zur ArbStättV werden keine Festlegungen zur Rettungsweglänge innerhalb der Arbeitsstätte getroffen. Es wird lediglich – wie auch im Bauordnungsrecht (z. B. § 37 Abs. 2 Satz 2 BauO NW) - festgestellt, dass der Rettungsweg "möglichst kurz" sein muss, um bei Gefahr ein möglichst schnelles Verlassen der Räume durch die Beschäftigten bzw. eine schnelle Rettung von außen sicherstellen zu können.

Anforderungen an Fluchtwege werden in der Technischen Regel für Arbeitsstätten - ASR A2.3 - Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan konkretisiert, siehe Ziffer 5.

Darüber hinaus ergibt sich die Rettungsweglänge auch aus dem Bauordnungsrecht. Dort wird gefordert, dass von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes sowie eines Kellergeschosses der Treppenraum einer notwendigen Treppe oder ein Ausgang ins Freie in höchstens 35 m Entfernung erreichbar sein muss (z. B. § 37 Abs. 2 Satz 1 BauO MW [13100.10]; § 33 Abs. 2 BauO SN [13100.13]). Die Durchführungsverordnung zur Bauordnung BW lässt allerdings eine Entfernung von höchstens 40 m zu (§ 9 Abs. 1 [13200.1]).

Eine besondere Rolle in Bezug auf Rettungswege in Arbeitsstätten spielt die Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau (Muster-Industriebaurichtlinie - MindBauRL). Sie wurde im Jahr 2000 von der Fachkommission Bauaufsicht der ARGEBAU überarbeitet und den Ländern zur Einführung als Technische Baubestimmung empfohlen. In der überarbeiteten Richtlinie werden die baurechtlich zulässigen Rettungsweglängen in Industriebauten für hohe Räume und für Räume mit Alarmierungsanlagen in Verbindung mit Brandfrüherken nungseinrichtungen gegenüber der alten Fassung (max. 35 Meter) auf maximal 70 m (in der Luftlinie gemessen) erhöht.

Zusammenfassend ist anzumerken, dass auch für gelegentlich genutzte Räume die Anforderungen des Bauordnungs- und Arbeitsstättenrechts zu beachten sind. Demzufolge sind die vorgegebenen maximalen Rettungsweglängen einzuhalten.
Es sollte zusätzlich geprüft werden, ob der Räucherraum als brandgefährdeter Raum eingestuft ist (z.B. Nachfrage bei dem Präventionsberater der zuständigen Feuerwehr). In diesem Fall wären dann kürzere Rettungsweglängen vorgeschrieben.