Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Worauf beziehen sich die 2 Stunden Leiterarbeit gem. § 7 Abs. 5 BGV C 22 "Bauarbeiten" ?

KomNet Dialog 9144

Stand: 28.10.2009

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (8.5) > Berufsgenossenschaftliche Vorschriften

Dialog
Favorit

Frage:

Worauf beziehen sich die 2 Stunden Leiterarbeit gem. § 7.5 BGV C 22 ? Auf die Nutzungsdauer während einer Schicht (8 Std.) oder auf die Nutzung für eine bestimmte Tätigkeit (z.B. für die Wandschalung wärend der gesamten Bauzeit)?

Antwort:

Nach § 7 Abs. 4 der UVV BGV C 22 gilt, dass Anlegeleitern nicht als Arbeitsplatz bei Bauarbeiten verwendet
werden dürfen. 
In Absatz 5 steht "Abweichungen von Absatz 4 sind zulässig, wenn
– der Standplatz auf der Leiter nicht höher als 7,00 m über der Aufstellfläche liegt,
– bei einem Standplatz von mehr als 2,00 m Höhe die von der Leiter auszuführenden Arbeiten nicht mehr als 2 Stunden umfassen,
– das Gewicht des mitzuführenden Werkzeuges und Materials 10 kg nicht überschreitet,
– keine Gegenstände mit einer Windangriffsfläche über 1 m2 mitgeführt werden,
– keine Stoffe oder Geräte benutzt werden, von denen für den Beschäftigten zusätzliche Gefahren ausgehen,
– Arbeiten ausgeführt werden, die keinen größeren Kraftaufwand erfordern, als den, der zum Kippen der Leiter ausreicht und
– der Beschäftigte mit beiden Füßen auf einer Sprosse steht."
In der Durchführungsanweisung zu § 7 wird ausgeführt, dass diese Voraussetzungen z. B. bei kurzzeitigen Tätigkeiten
geringen Umfanges
gegeben sind. Beispielhaft werden dann 21 kurzzeitige Arbeiten aufgelistet.

Nach der  Betriebssicherheitsverordnung (Anhang 2, Nr. 5.1.4) gilt:
"Die Benutzung einer Leiter als hochgelegener Arbeitsplatz ist auf Umstände zu beschränken, unter denen die Benutzung anderer, sichererer Arbeitsmittel wegen der geringen Gefährdung und wegen der geringen Dauer der Benutzung oder der vorhandenen baulichen Gegebenheiten, die der Arbeitgeber nicht ändern kann, nicht gerechtfertigt ist."

D.h. bei der Beurteilung, ob es sich um kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs und mit geringer Gefährdung handelt, ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung neben der Dauer und dem Schwierigkeitsgrad der Arbeit sowie dem einzusetzenden körperlichen Aufwand auch der Umfang des auf der Leiter mitzuführenden Werkzeugs und Materials zu berücksichtigen.
Bezogen auf die zeitliche Vorgabe in der UVV BGV C 22 interpretieren wir diese so, dass sie auf eine Arbeitsschicht zu beziehen ist, da hierbei die individuelle Belastung des Beschäftigten und damit seine Gefährdung am besten berücksichitigt wird.
Für eine verbindliche Auskunft zur Auslegung von Unfallverhütungsvorschriften müssen sie sich bitte an ihren zuständigen Unfallversicherungsträger oder an den Fachausschuss Bauliche Einrichtungen - Leitern , Tritte und ortsfeste Arbeitsbühnen, www.bge.de/fabe/asp/dms.asp?url=/ak_1/main.htm wenden.

Stand: September 2009