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Müssen selbstgefertigte Abzugshauben für Lösemitteldämpfe sicherheitstechnisch überprüft werden? Sind wir als Hersteller besonderen Pflichten für die Herstellung unterworfen?

KomNet Dialog 9134

Stand: 16.11.2009

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Für Arbeitsplätze, an denen Kunststoffteile mit Lösemitteln verklebt werden, sind lokale Absaugungen eingerichtet worden, in einer Form, dass für den jeweiligen Arbeitsplatz durch unsere Firma selber Abdeckhauben aus Glas für den Hand-/Armbereich angefertigt worden sind, die vorne einen freien Eingriff mit den Händen ermöglichen. Die Abdeckhauben haben an der rückwärtigen Wandung einen Anschluss an eine dauerhafte Absaugung. Nach Angaben der Mitarbeiter erfüllen sie ihren Zweck, da Gerüche von Lösemitteln im Arbeitsraum nun nicht mehr feststellbar sind. Meine Fragen dazu sind: 1. Müssen diese lokalen Absaugungen als solche regelmäßig sicherheitstechnisch überprüft werden, ähnlich wie Abzüge? Welche Sollluftwechsel sind hier relevant, gibt es dazu entsprechende Vorgaben von Seiten des Arbeitsschutzes? 2. Müssen wir als Hersteller der Absaughauben ein Konformitätsbewertungsverfahren für diese sicherheitstechnische Einrichtung durchführen und ggf. ein CE anbringen, wie z.B. wenn wir Hersteller von PSA wären? Nach welchen Vorgaben haben wir dabei vorzugehen?

Antwort:

zu 1.
die Prüfung der Abdeckhauben / Absaugung ist nach Betriebssicherheitsverordnung notwendig und sollte sich an der Prüfung von Laborabzügen orientieren.
Bei ihrer Konstruktion ist besonders der Explosionsschutz zu beachten. Die lösemittelhaltigen Dämpfe in den Abdeckhauben könnten Konzentrationen erreichen, die eine explosionsfähige Atmosphäre bilden. Hier sollten Sie durch eine sicherheitstechnische Beurteilung ermitteln, ob dies Eintreten kann und beschreiben, welche technischen Maßnahmen getroffen wurden, z.B. welche Luftwechselrate notwendig ist, so dass keine entsprechende Atmosphäre entstehen kann. Die Funktion der Absaugung sollte auch überwacht werden, z.B. durch eine Signallampe. Arbeiten ohne Absaugung sind zu verbieten. Die Auswahl des Haubenmatrials (Glas), der Verrohrung (elektrostatische Aufladung) bzw. des Abluftmotors (Funkenbildung) ist hinsichtlich des Explosionsschutzes ebensfalls zu beachten. Siehe die FAQ´S der BG-Chemie zum Explosionsschutz (http://www.bgrci.de/exinfode/start/).


zu 2.
Die Hauben (Erfassungseinrichtungen) unterliegen unseres Erachtens nach nicht der Maschinenrichtlinie und benötigen daher keine CE-Kennzeichnung.
Nach Nr. 3.5.3.7 der BGI 121 "Arbeitsplatzlüftung" müssen 
1) Erfassungseinrichtung so beschaffen sein, dass deren Erfassungselemente den örtlichen Gegebenheiten angepasst und unter Berücksichtigung entstehender Luftverunreinigungen bemessen sind.
2) Die Erfassungselemente müssen
a) den zu erwartenden Beanspruchungen standhalten (zu erwartende Beanspruchungen können z.B. abrasiv oder korrosiv sein) und
b) gegebenenfalls den brandschutztechnischen Anforderungen genügen.
3) Erfassungselemente müssen mit Einrichtungen ausgerüstet sein, die ein Einströmen ansaugbarer Teile in die Luftleitungen verhindern.
4) Erfassungselemente sind so auszubilden, dass sie die Luftverunreinigungen an der Entstehungs- oder Austrittsstelle möglichst vollständig erfassen.
5) Erfassungselemente sind so anzuordnen, dass
- Luftverunreinigungen nicht durch den Atembereich der Versicherten geführt werden und 
-  eine bestehende Raumlüftung in ihrer Wirksamkeit nicht nachteilig beeinflusst wird.
6) Lufttechnische Anlagen sind unmittelbar hinter der Erfassungseinrichtung mit einem Vorabscheider auszurüsten, wenn Luftverunreinigungen sich innerhalb der Anlage ablagern und zu Bränden führen können.
Luftverunreinigungen sind z.B. Fette oder Öle in Form von Dämpfen und Nebeln.
7) An Erfassungseinrichtungen geschlossener Bauart muss ein Austreten von Luftverunreinigungen verhindert sein.
Dies wird z.B. erreicht, wenn 
-  verfahrensbedingte Öffnungen möglichst klein sind und 
- im Erfassungselement ein Unterdruck vorhanden ist.
8) Ist bei Erfassungseinrichtungen geschlossener Bauart ein Austritt von Luftverunreinigungen nicht zu verhindern, sind an den Austrittsstellen zusätzliche Maßnahmen, z.B. in Form einer Absaugung erforderlich.
9) Erfassungselemente halboffener Bauart müssen so gestaltet sein, dass Erfassungsgeschwindigkeiten im Öffnungsquerschnitt der Einrichtung entsprechend dem Ausbreitungsverhalten der Luftverunreinigungen bemessen sind (siehe Abschnitt 3.5.2.3).
10) Erfassungselemente offener Bauart müssen
- möglichst nahe an deren Entstehungsstelle angeordnet sein und 
-  hinsichtlich der Erfassungsgeschwindigkeit unter Berücksichtigung vorhandener Querluftströmungen ausgelegt sein.
11) Bewegliche Erfassungseinrichtungen müssen leicht handhabbar sein und eine ortsfeste Positionierung ermöglichen. Eine zwangsläufige Nachführung der beweglichen Erfassungseinrichtung ist anzustreben.

Siehe auch den Schutzleitfaden 200 "Örtliche Absaugung (Punktabsaugung)" unter http://www.bgrci.de/fileadmin/BGRCI/Downloads/DL_Praevention/Fachwissen/Gefahrstoffe/Schutzleitfäden/LF_200_2005-06-17.pdf.