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Wie muss der Durchmesser des Gaspendelanschlusses bei einem Harztank bei der Befüllung gemäß der TRbF 20 dimensioniert werden?

KomNet Dialog 8884

Stand: 17.08.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Entzündliche Flüssigkeiten > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.2.2)

Dialog
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Frage:

Unsere 5 m3 Harztanks werden mittels Gaspendelverfahren aus Tankfahrzeugen befüllt. In der TRbF 20 Läger wird in Kapitel 9.1.3 beispielhaft auf die Gaspendeldurchmesser eingegangen. Demnach soll bei einem Gaspendelstutzen von 50 mm die Gaspendelleitung min. 40 mm betragen (Prüfdruck Tank min. 2 bar und max. Fördermenge 1200 l/min). 1. Gilt die Forderung als erfüllt wenn wenn der Gaspendelstutzten 50 mm hat und die Gaspendelleitung 1,5" (also 38,1 mm) - bei einer Befüllleitung von 3" (Prüfdruck Tank min. 2 bar und max. Fördermenge 1200 l/min)? Kap. 9.1.3 bezieht sich auf mm und nicht auf Zoll. 2. Gilt die Forderung als erfüllt wenn der Gaspendelstutzten 50 mm hat und die daran angeschlossene Gaspendelleitung 1 1/4" (also 31,8 mm) - bei einer Befüllleitung von 3" (Prüfdruck Tank min. 2 bar und max. Fördermenge 1200 l/min)? 3. Gilt die Forderung als erfüllt wenn der Gaspendelstutzten 50 mm hat und die daran angeschlossene Gaspendelleitung 1 1/4" (also 31,8 mm) - bei einer Befüllleitung von 3" (Prüfdruck Tank min. 2 bar und max. Fördermenge 600 l/min)? 4. Kapitel 9. bezieht sich auf Tanks. Wie sieht es auf Seite der Tankfahrzeuge aus? Welche Gaspendeldurchmesser werden da benötigt und wo sind diese geregelt? Gibt es noch andere Reglungen für Gaspendelung bei Tanks? 5. Dürfen grundsätzlich Gaspendelleitungen wenn nicht entladen wird -auch zum Be- und Entlüften von Tanks verwendet werden? z.B. durch ständiges Offenhalten.

Antwort:

Grundsätzlich ist vom Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung gemäß § 3 Betriebssicherheitsverordnung -BetrSichV (Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes) durchzuführen ist. 

Die Technische Regel für brennbare Flüssigkeiten TRbF 20 „Läger“ enthält spezifische Anforderungen, bei deren Einhaltung davon ausgegangen werden kann, dass die Anlage sicher montiert, installiert und betrieben wird. Die Besonderheiten im Einzelfall kann die Technische Regel nicht abdecken. Des Weiteren kann von der Technischen Regel abgewichen werden, wenn die Sicherheit der Anlage auf andere Art und Weise gewährleistet wird. Die Gewährleistung der Sicherheit muss in diesem Fall nachgewiesen werden, beispielsweise durch die Bestätigung einer Fachfirma oder durch eine Zugelassenen Überwachungsstelle.

Ihre Fragen zielen auf die Dimensionierung der Gaspendelleitung beim Befüllen von Lagerbehälter ab. Zunächst möchten wir darauf hinweisen, dass das Ziel der Anforderung aus der TRbF ist, dass die Lagerbehälter vor einem unzulässigen Überdruck beim Befüllen geschützt und die Dämpfe gefahrlos abgeleitet werden sollen (vergl. Nr. 9.1.1 TRbF 20).
Daher möchtne wir zunächst die Frage 5 beantworten:
Gaspendelleitungen dürfen unter Einhaltung der Anforderungen aus der Nr. 9.1.3 TRbF 20 auch als Be- und Entlüftungsleitung genutzt werden.

Zur Erläuterung der Fragen 1 bis 3 verweisen wir auf die Absätze 3 bis 5 der Nr. 9.1.3  TRbF 20. Hier heißt es:
"(3)Bei der Anwendung des Gaspendelverfahrens müssen die Gaspendelleitungen und ihre Anschlüsse so bemessen sein, dass unzulässige Über- und Unterdrücke in den Tanks nicht auftreten können.
(4) Die Anforderungen nach Absatz 3 sind beispielhaft als erfüllt anzusehen, wenn bei Tanks, die mit einem Volumenstrom von höchstens 1200 L/min aus Transportbehältern befüllt werden, die Nennweite des Gaspendelanschlusses 50 mm und die lichte Weite der Gaspendelleitung
• bei Tanks mit einem Prüfüberdruck von mindestens 2 bar mindestens 40 mm und
• bei Tanks mit einem Prüfüberdruck von weniger als 2 bar und mehr als 0,3 bar mindestens 50 mm
betragen.
(5) Sind die höchstmöglichen Über- und Unterdrücke nicht mit genügender Sicherheit bestimmbar, sind die Gaspendeleinrichtungen zur Einhaltung der zulässigen Drücke mit einer Sicherheitseinrichtung gegen Drucküber- bzw. Druckunterschreitung auszurüsten."

Wichtig hierbei ist, dass unzulässige Über- und Unterdrücke in den Tanks nicht auftreten dürfen (Absatz 3).

Im Absatz 4 wird beispielhaft aufgeführt, wann die Anforderung ohne weitere Maßnahmen als erfüllt angesehen werden kann. Bezugsgröße ist die lichte Weite der Leitung in mm, da die Zoll-Angabe in der Regel nur den Außendurchmesser des Rohres festlegt, und je nach Material des Rohres der Innendurchmesser, die lichte Weite, unterschiedlich sein kann. Inwieweit die von Ihnen genannten Abweichungen von der Nr. 9.1.3 TRbF 20 die Sicherheit der Anlage beeinflussen, kann von hier aus nicht beurteilt werden. Hierzu sollten Sie eine Fachfirma/ZÜS befragen, bzw. die Anforderung aus dem Absatz 5 der Nr. 9.1.3 TRbF 20 erfüllen.

Zu Frage Nr. 4:  Die Anforderungen für die Ausrüstung von Straßentankfahrzeuge sind in der
"GGVSE - Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn (Verordnung über die innerstaatliche und grenzüberschreitende Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße und mit Eisenbahnen)"
in Verbindung mit den
"Anlagen A und B des Europäischen Übereinkommens vom 30.09.1957 über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR):Allgemeine Vorschriften und Vorschriften für gefährliche Stoffe und Gegenstände
und Ordnung für die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter (RID)"
geregelt.

Die genannten Vorschriften können beispielsweise über die Seiten der Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg eingesehen werden.

Stand: Juli 2009