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Muss beim Arbeiten an betriebsmäßig heißen Anlagenteilen in Kraftwerken die Temperatur grundsätzlich bis auf kleiner 60°C gebracht werden?

KomNet Dialog 8422

Stand: 12.08.2009

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (9.1.11)

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Frage:

Muss beim Abisolieren von (oder allgem. bei Arbeiten an) betriebsmäßig heißen Anlagenteilen (z. B. Dampfleitungen) in Kraftwerken die Temperatur grundsätzlich bis auf kleiner 60°C gebracht werden? Oder darf die Gefährdungsbeurteilung, wegen der tlw. sehr langen Abkühlzeiten aufgrund der Dickwandigkeit der Bauteile, auch persönliche Schutzausrüstung gegen Verbrennungen zum Ergebnis haben?

Antwort:

Thermische Gefährdungen mit der Folge von Verletzungen entstehen durch den Kontakt mit Gegenständen oder Werkstoffen sehr hoher oder niedriger Temperatur und auch durch die Strahlung von Wärmequellen. Deshalb muss der Arbeitgeber in seiner Gefährdungsbeurteilung die Tätigkeiten und Gefahren ermitteln und bewerten. Dabei müssen Fragen geklärt werden, wie
- welche heiße Oberflächen (Ort und Dimensionen) sind zugänglich?
- welche Kontaktdauer ist notwendig?
- wie hoch sind die Temperaturen der zugänglichen Oberflächen?
- aus welchem Material bestehen die Oberflächen?

Danach kann anhand relevanter Normangaben eine Beurteilung der Verbrennungswahrscheinlichkeit vorgenommen werden. In Abhängigkeit der fortschreitenden Kontaktdauer liegt die Verbrennungsschwelle für unbeschichtete Metalle bei ca. 65°C bis 55°C. Bei Überschreiten der Temperatur in Verbindung mit der Kontaktdauer (von 1 sek. bis zu 10 sek.) ist mit einer Verbrennung zu rechnen (http://www.dguv.de/bgia/de/pub/bai/pdf/info1200.pdf).

Je nach Einzelfall können Schutzmaßnahmen gewählt werden, wie Herabsetzen der Oberflächentemperatur, Isolierung der heißen Oberfläche, Absperrung, Warnhinweise inkl. Betriebsanweisungen oder Anwendung von geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Bei der Anwendung von PSA mus gewährleistet sein, dass diese für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet ist und den ergonomischen Anforderungen und den gesundheitlichen Erfordernissen der Beschäftigten entspricht.

Zur Beurteilung kann u.a. folgende Norm verwendet werden:
DIN EN ISO 13732-1 "Ergonomie der thermischen Umgebung - Bewertungsverfahren für menschliche Reaktionen bei Kontakt mit Oberflächen - Teil 1: Heiße Oberflächen" (ISO 13732-1:2006); Deutsche Fassung EN ISO 13732-1:2008 (www.beuth.de).

Auf § 45 der UVV BGV C 14 "Wärmekraftwerke und Heizwerke" weisen wir hin (http://publikationen.dguv.de).