Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Müssen Metalllegierungen, die in Pulverform oder als Granulat vorliegen, gefahrstoffrechtlich eingestuft und gekennzeichnet werden?

KomNet Dialog 8112

Stand: 10.07.2009

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Einstufung, Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblatt > Einstufung

Dialog
Favorit

Frage:

Metalllegierungen in kompakter Form müssen nicht gekennzeichnet werden. Wie sieht es mit einer Metalllegierung aus, die in Pulverform oder als Granulat vorliegt. Gelten Legierungen in Form von Pulver oder Granulat auch als kompakte Form? Ist der Begriff „kompakte Form“ definiert? Wenn ein Legierung in kompakter Form eine wesentliche Menge Cobalt enthält, muss diese gemäß Legaldefinition als Xn – Gesundheitsschädlich eingestuft werden – aber nicht gekennzeichnet werden. Wenn die Legierung (als Granulat) gleichzeitig aber auch aufgrund der Einstufung das Gefahrenmerkmal“R11 – Leichtentzündlich“ aufweist, muss dann die Legierung - nicht gekennzeichnet werden, - nur mit dem Gefahrenhinweis „Leichtentzündlich“ oder - mit den Gefahrenhinweisen „Gesundheitsschädlich“ und „Leichtentzündlich“?

Antwort:

Grundsätzlich gilt: Wenn von den Metallen eine Gefährdung ausgeht, sind diese einzustufen, zu kennzeichnen und mit einem Sicherheitsdatenblatt zu liefern. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn die Metalle besonders reaktiv sind (Natrium) oder in Pulverform (Magnesiumpulver) vorliegen. Die Einstufung und Kennzeichnung für die genannten Beispiele ergibt sich aus Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG bzw. Anhang VI der GHS-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008.
Hinweis: Die Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Zubereitungen erfolgt nach den EU- Richtlinien 67/548/EWG (Stoffrichtlinie) und 1999/45/EG (Zubereitungsrichtlinie). Die EU hat kürzlich eine neue GHS-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 zur Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen verabschiedet. Sie ist bereits in Kraft getreten und ersetzt die bisherige Stoff- und Zubereitungsrichtlinie. Informationen und Rechtsvorschriften zur "alten und neuen" Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen finden sie unter www.baua.de.
Nach den Regelungen des Anhangs I der GHS-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (Ziffer 1.3.4 "Metalle in kompakter Form, Legierungen, polymerhaltige Gemische, elastomerhaltige Gemische") gilt: "1.3.4.1 Metalle in kompakter Form, Legierungen, polymerhaltige Gemische und elastomerhaltige Gemische erfordern - obwohl sie nach den Kriterien dieses Anhangs als gefährlich eingestuft wurden - kein Kennzeichnungsetikett nach diesem Anhang, wenn mit ihnen in der Form, in der sie in Verkehr gebracht werden, keine Gefahr für die menschliche Gesundheit bei Einatmen, Verschlucken oder Hautkontakt und keine Gewässergefährdung verbunden ist.
1.3.4.2. Vielmehr muss der Lieferant den nachgeschalteten Anwendern oder Händlern die Informationen im
Sicherheitsdatenblatt bekanntgeben."
Üblicherweise werden bei Metallhändlern die Metalle in "kompakter" Form oder in Legierungen verwendet. Da bei dieser Verwendungsform von einer geringeren Gefährdung ausgegangen wird, als dies bei den "Grundsubstanzen" der Fall ist, kann auf eine Kennzeichnung der Metalle verzichtet werden. Die Pflicht, Sicherheitsdatenblätter zu erstellen, bleibt (Bei Legierungen sind dem berufsmäßigen Nutzer die Informationen inhaltlich analog wie im Sicherheitsdatenblatt mitzuteilen).
Der Hersteller/Importeur hat also bei Metallen und Legierungen zu prüfen, ob von diesen in der vorliegenden Form eine Gefährdung ausgeht und dementsprechend darauf hinzuweisen (einzustufen). Diese Informationen sind dann (in Sicherheitsdatenblättern) vom Hersteller/Importeur an den gewerblichen Kunden weiterzugeben.
Sofern in Ihrem Betrieb die Metalle aufgearbeitet werden, gilt dies als Herstellen mit den genannten Pflichten für den Hersteller.
Beispiele:
Magnesiumbarren - keine Kennzeichnung aber Magnesiumspäne – Kennzeichnung nach Anhang I Stoffrichtlinie
Nickelhaltige Legierungen – Sensibilisierend bei Hautkontakt, wenn eine bestimmte Freisetzungsrate überschritten wird (siehe Anhang I, Anmerkung 7 der Stoffrichtlinie)
Bei Cobalt und cobalthaltigen Legierungen sind zudem die Angaben der TRGS 905, auch abweichend zur Legaleinstufung, relevant. Dort wird "Cobalt-Metall (bioverfügbar, in Form atembarer Stäube/Aerosole) mit Ausnahme von Hartmetallen, Cobalt-haltigen Spinellen und organischen Cobalt-Sikkativen (CAS Nr. 7440-48-4)" als Krebserzeugend der Kategorie 3 eingestuft und mit Xn (Gesundheitsschädlich) gekennzeichnet.

Siehe dazu auch die Begründung zur Einstufung von Cobalt-Metall und Cobalt-Verbindungen (-> http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/Begruendungen-905-906.html).

Sofern in der vorliegenden Verwendungsform auch das Gefahrenmerkmal leichtenzündlich zutrifft; z.B. dann, wenn ein Feststoff sich bei kurzzeitiger Einwirkung einer Zündquelle leicht entzünden kann und nach deren Entfernung weiterbrennen oder -glimmen kann, muss der Stoff / die Legierung zusätzlich als Leichtentzündlich gekennzeichnet werden.

Stand: Mai 2009

Ergänzung wg. Bewertung: Eine Definition oder Abgrenzung der kompakten Form gegenüber anderen Formen für Metalle, Metallgranulate, Metallpulver oder Metallstäube ist uns nicht bekannt. Vermutlich wird jeder Einzelfall zu prüfen sein.