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KomNet-Wissensdatenbank

Kann es sein, dass ein Kleber mit zwei giftigen Inhaltsstoffen insgesamt nicht als giftig eingestuft wird und auch keine Grenzwerte im Sicherheitsdatenblatt genannt sind?

KomNet Dialog 8067

Stand: 01.03.2013

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Einstufung, Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblatt > Einstufung

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Frage:

In einem UV-härtenden Klebstoff sind zwei giftige Inhaltsstoffe enthalten und für alle fünf Inhaltsstoffe des Klebers sind im SDB keine AGW angegeben. Gilt dieses Produkt dann nicht mehr als giftig? Wie ist dieses Produkt in der Gefährdungsbeurteilung für Gefahrstoffe zu behandeln, z. B. bei der Festlegung der erforderlichen Schutzmaßnahmen?

Antwort:

In dem Sicherheitsdatenblatt eines UV härtenden Klebstoffs sind als Inhaltsstoffe fünf Gefahrstoffe angegeben. Zwei davon sind als giftig eingestuft. Im Punkt "Zusammensetzung/ Angaben zu den Bestandteilen" im Sicherheitsdatenblatt sind auch die ungefähren Anteile der einzelnen Gefahrstoffe im Produkt [Gemisch; (Zubereitung)] in Prozent aufgelistet. Abhängig von den Anteilen der einzelnen Gefahrstoffe im Gemisch und deren stoffbezogenen Einstufungen erfolgt die Gesamteinstufung des Gemisches. Es ist durchaus möglich, dass ein Gemisch (hier Kleber) giftige Inhaltsstoffe enthält, aber das Gemisch insgesamt nicht mit giftig zu kennzeichnen ist.

Die Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Gemischen erfolgt(e) nach den EU- Richtlinien 67/548/EWG (Stoffrichtlinie) und 1999/45/EG (Zubereitungsrichtlinie) unter Berücksichtigung der Übergangsbestimmungen der CLP-Verordnung (vgl. auch Seite 21 ff. in den Einführenden Leitlinien zur CLP-Verordnung).

Wenn Arbeitsplatzgrenzwerte für die Inhaltsstoffe eines Gemisches vorhanden sind, sind diese selbstverständlich im Sicherheitsdatenblatt anzugeben (Liste AGWs siehe TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte"). Diese beziehen sich dann aber auf die Inhaltsstoffe und nicht auf das Gemisch.

Der Arbeitgeber hat im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, ob die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten sind. Dies kann durch Arbeitsplatzmessungen oder durch andere gleichwertige Beurteilungsverfahren erfolgen. Werden Tätigkeiten entsprechend eines vom Ausschuss für Gefahrstoffe ermittelten und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlichten verfahrens- und stoffspezifischen Kriteriums durchgeführt, kann der Arbeitgeber von einer Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte ausgehen (siehe hierzu auch TRGS 420).

Bei der Überschreitung eines Arbeitsplatzgrenzwerts muss der Arbeitgeber unverzüglich die Gefährdungsbeurteilung erneut durchführen und entsprechende Schutzmaßnahmen nach § 9 "Zusätzliche Schutzmaßnahmen" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) treffen, um den Arbeitsplatzgrenzwert einzuhalten. Wird trotz der durchgeführten technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen der Arbeitsplatzgrenzwert nicht eingehalten oder besteht bei hautresorptiven, reizenden, ätzenden oder hautsensibilisierenden Gefahrstoffen oder Gefahrstoffen, welche die Gesundheit der Beschäftigten irreversibel schädigen können, eine Gefährdung durch Hautkontakt, hat der Arbeitgeber unverzüglich zusätzliche Schutzmaßnahmen durchzuführen, insbesondere persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen.