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KomNet-Wissensdatenbank

Nach welchen Kriterien ist die Absaugung beim Wolframinertgasschweißen zu gestalten?

KomNet Dialog 7883

Stand: 25.04.2016

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch Rauche und Motoremissionen

Dialog
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Frage:

Bei allgemeinen Schweißtätigkeit (MIG, MAG) ist der Arbeitgeber verpflichtet, alle Maßnahmen zu treffen, um die Rauchemission auf ein Minimum zu reduzieren. Die Absaugung - örtliche Absaugung bzw. mobile Absauggeräte (meist Rüssel mit Trichter) - soll sofern möglich dort eingesetzt werden, wo die Schadstoffe entstehen. Atemschutz: Filterstufe P2 erforderlich. Beim WIG Wolframinertgasschweißen für hochlegierte Stähle (INOX) werden die Schadstoffe in geringem Maße an die Umgebung abgegeben und somit auch an den Schweißer selbst. Deshalb ist eine direkte Absaugung (wie schwenkbare Absaugarme) nicht sinnvoll, da sie den "Schutzmantel" schwächen und somit die Qualität der Schweißnaht beeinträchtigen würde. In diesem Falle wäre eine zentrale Absaugung ausreichend. Atemschutz: Filterstufe P3 erforderlich (Dämpfe mit krebshaltigem Potential (Nickel und Chrom VI). Gibt es bezüglich der Aussage zum WIG-Schweißen Unterlagen (keine unmittelbare Absaugung), die diese Behauptung bestätigen?

Antwort:

Bei Verfahren der Schweißtechnik, bei denen mit hohen Schadstoffkonzentrationen und/oder mit kritischen Stoffen in der Luft am Arbeitsplatz gerechnet werden muss, ist der Einsatz von Absaugeinrichtungen zum direkten örtlichen Erfassen der entstehenden Schadstoffe die wirksamste Schutzmaßnahme. Das WIG-Schweißverfahren ist im Vergleich zu anderen Schweißverfahren das schadstoffärmste Verfahren. Schutzmaßnahmen müssen aber auch hier im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach dem Gefahrstoffrecht ausgewählt werden. Als Hilfestellung können berufsgenossenschaftliche Regeln und Informationen herangezogen werden.

In Abhängigkeit des ermittelten Gefahrenpotenzials bei WIG-Schweißen ergeben sich je nach Schweißzusatzwerkstoff nach der DGUV Information 209-016 - Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (bisher BGI 593) und der TRGS 528 - Schweißtechnische Arbeiten folgende Empfehlungen:

Für unlegierten und niedriglegierten Stahl und Aluminium-Werkstoffe und mit Einschränkungen für hochlegierte Stähle und NE-Werkstoffe (außer Aluminium) können im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung Systeme der technischen Raum-Lüftung für das WIG-Schweißen mit thoriumoxidfreien Wolframelektroden gewählt werden.
Hinweis: als technische (maschinelle) Lüftung wird der Luftaustausch zwischen Raumluft und Außenluft durch Strömungsmaschinen (z. B. Ventilatoren oder Gebläse) bezeichnet.
Werden thoriumoxidhaltigen Wolframelektroden verwendet ist im Regelfall eine Absaugeinrichtung im Entstehungsbereich der Schadstoffe zu verwenden.

Vergleiche auch die DGUV Information 213-712 -BG/BGIA-Empfehlung für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverodnung: Wolfram-Inertgas-Schweißen (WIG-Schweißen);  bisher BGI 790-012)"