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Wie bemisst sich die Länge eines Fluchtweges einer Löschbrücke in einem Überseehafen?

KomNet Dialog 7878

Stand: 15.06.2009

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplätze im Freien

Dialog
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Frage:

Wie bemisst sich die Länge eines Fluchtweges einer Löschbrücke in einem Überseehafen? Diese ist nicht allseitig umschlossen und liegt im Freien - gilt trotzdem die ASR A2.3? Oder kann im Falle des umgebenden Wassers von einem allseitig umschlossenen Raum ausgegangen werden?

Antwort:

Löschbrücken sind Anlegestellen für Schiffe, die beliebig weit in Hafenbecken hineinreichen können. Die Löschbrücken verfügen i.d.R. nur über einen definierten Zugang (Land zur Brücke).
Die Schiffe sind i.d.R von der Löschbrücke aus über Gangways zu erreichen; kleinere Einheiten z.T. über die Kaileitern an der Löschbrücke.
Die ASR A2.3"Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" ist für Löschbrücken nicht einschlägig. Aus der Nummer 2 "Anwendungsbereich" ergibt sich unter anderem, dass Löschbrücken nicht unter den Anwendungsbereich der ASR fallen. Löschbrücken liegen im Freien und sind im Regelfall nicht allseitig umschlossen.
Löschbrücken verfügen durch den Landanschluss über einen Fluchtweg und durch den Wasseranschluss über einen Rettungsweg. Der Rettungsweg macht es erforderlich, dass ein Boot anlegt, um Personen abzubergen.
Vorhandene Löschbrücken haben i.d.R. Bestandsschutz. Über die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes sind die Firmen gehalten, die Arbeitsbedingungen der Belegschaft sicher zu gestalten.
Es ist denkbar, dass die Arbeitsbedingungen es erforderlich machen, dass bei Arbeiten auf der Löschbrücke an einer geeigneten Stelle ein einsatzbereites Boot liegt, mit dem Personen den Gefahrenbereich verlassen können.
Die Länge des Fluchtweges lässt sich also nicht als feststehender Wert angeben.
Über Löschbrücken werden meistens pumpfähige Güter gelöscht, die häufig brennbar sind. Je nach Flammpunkt der Flüssigkeit sind umfangreiche Explosionsschutzmaßnahmen zu treffen.
Da Löschbrücken im Freien liegen, ist - wie oben dargestellt - die ASR A2.3 auch hier nicht einschlägig. Andere technische Regeln, die Angaben zu Fluchtweglängen bei Explosionsgefahr im Freien machen, gibt es nicht. (Die zulässige Länge des Fluchtweges bei Räumen mit Explosionsgefahr beträgt - unabhängig von der Zone! - immer 20 m (s. ASR A 2.3, § 5 Abs. 2 Ziffer e), also selbst bei Zone 2 bzw. 22.)

Anwendbar ist jedoch § 2.3 des Anhangs zur Arbeitsstättenverordnung. Hiernach muss der Fluchtweg "auf möglichst kurzem Weg ... in einen gesicherten Bereich führen". Der Arbeitgeber muss den Fluchtweg und dessen Länge deshalb im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung selber festlegen.
Dabei sind z.B. die Explosionskenngrößen des Gases oder Staubes zu berücksichtigen, weil der gesicherte bereich außerhalb der Druck- und Flammenfront liegen muß, oder auch die genauen örtlichen Verhältnisse.
In jedem Fall muss auch bei Arbeiten im Freien, so auch an Löschbrücken, gewährleistet sein, dass sich die Arbeitnehmer gefahrlos und ungehindert selber in Sicherheit bringen können.

Stand: April 2009