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Was ist bei der Instandsetzung einer mechanisch wirkenden Gleitringdichtung einer ATEX-Pumpe zu beachten? Welche Qualifikation ist dafür notwendig?

KomNet Dialog 7863

Stand: 23.03.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Wir sind Lieferant und Reparaturbetrieb u.a. für mechanisch wirkende Gleitringdichtungen und Pumpen. Seitens unserer Kunden werden wir im Hinblick auf die ATEX immer wieder gefragt, wie mit Pumpen, die eine ATEX Zulassung besitzen, im Hinblick auf Reparaturen zu verfahren ist. Uns ist bekannt, das flüssigkeitsgeschmierte Gleitringdichtungen keine Maschinenkomponenten im Sinne der ATEX sind, es sei denn, der Maschinenhersteller kennzeichnet sie ausdrücklich als solche. So wird es von den führenden Gleitringdichtungsherstellern kommuniziert. Wir haben folgende Fragen: 1) Welche Qualifikation über die anerkannte Ausbildung als Meister/Techniker und einschlägige Berufserfahrung in den Bereichen Dichtungstechnik und Pumpenreparatur hinaus werden benötigt oder vorausgesetzt, um ATEX zertifizierte Pumpen ausschließlich im nicht elektrischen Maschinenteil instandzusetzen? 2) Bewirken Aufarbeitungen z.B. von Wellen durch Aufspritzen einen Verlust der ATEX Zulassung der Maschine? 3) Müssen Verschleißteile wie Kugellager, Gleitringdichtungen oder Wellenschonhülsen ausschließlich Herstellerteile sein oder können diese durch herstellerfremde Ersatzteile bei gleichen Werkstoffkenndaten/Abmessungen/ Materialkombinationen ersetzt werden?

Antwort:

Antwort zur 2. Frage: Bewirken Aufarbeitungen z.B. von Wellen durch Aufspritzen einen Verlust der ATEX Zulassung der Maschine?
In dem Entwurf zur neuen TRBS 1201 Teil 3 Nr. 2.4 ist die Instandsetzung eines ATEX-zertifizierten Gerätes als Wiederherstellung des „Sollzustandes“ im Sinne der ATEX-Richtlinie 94/9/EG definiert. Der „Sollzustand“ sind demnach die vom Hersteller im Rahmen des Konformitätsbewertungsverfahrens festgelegten Beschaffenheitsvarianten. Bei der Aufarbeitung von Wellen oder Pumpenläufern, z. B. durch Aufspritzen von Metall, sind die vom Hersteller angegebenen Werkstoffe, Maße und Maßtoleranzen zwingend einzuhalten und von der befähigten Person zu kontrollieren. Eine Abweichung von den Herstellervorgaben kann zu einer wesentlichen Veränderung des ATEX-Gerätes und somit auch zum Verlust der ATEX-Zulassung führen. In Zweifelsfällen ist es ratsam, beim Hersteller des jeweiligen ATEX-Gerätes nachzufragen.

Antwort zur 3. Frage: Müssen Verschleißteile wie Kugellager, Gleitringdichtungen oder Wellenschonhülsen ausschließlich Herstellerteile sein oder können diese durch herstellerfremde Ersatzteile bei gleichen Werkstoffkenndaten/Abmessungen/ Materialkombinationen ersetzt werden?
Die Verwendung von Ersatzteilen, auch wenn es sich um Verschleißteile handelt, die nicht vom Hersteller zugelassen sind oder die Nichteinhaltung von Maßen oder Maßtoleranzen stellt eine Veränderung des Gerätes dar, die möglicherweise die Anforderungen der Konformitätsbewertung des Gerätes durch den Hersteller nicht mehr erfüllt und somit zum Verlust der Herstellergarantie und den damit verbundenen Haftungsansprüchen führen kann. Der instandsetzende Betrieb wird somit möglicherweise unfreiwillig zum Inverkehrbringer eines - im Sinne des § 4 des Geräte- und Produktsicherheits-Gesetzes - GPSG - nicht mehr zertifizierten Gerätes, von dem der Ex-Schutz abhängt. Auch hier droht der Verlust der ATEX-Zulassung.

Antwort zur 1. Frage: Welche Qualifikation über die anerkannte Ausbildung als Meister/Techniker und einschlägige Berufserfahrung in den Bereichen Dichtungstechnik und Pumpenreparatur hinaus werden benötigt oder vorausgesetzt, um ATEX zertifizierte Pumpen ausschließlich im nicht elektrischen Maschinenteil instandzusetzen?
Neben einer technischen Berufsausbildung und der einschlägigen Berufserfahrung (mindestens 1 Jahr), ist eine zeitnahe berufliche Tätigkeit im Umfeld der beabsichtigten Instandsetzungstätigkeit auch im Bereich der nicht elektrischen Maschinenteile und Sicherheitseinrichtungen erforderlich. Die mit der Instandsetzung der ATEX-Geräte betrauten Personen müssen über die für ihre Tätigkeit notwendigen Wekzeuge, Mess- und Prüfeinrichtungen und die notwendigen technischen Herstellerunterlagen wie Ersatzteillisten und Zeichnungen verfügen. Sofern der Instandsetzungsbetrieb über eine anerkannte befähigte Person gemäß § 14 Absatz 6 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verfügt, sind die v.g. fachlichen Voraussetzungen für die mit den Instandsetzungsarbeiten befassten Personen ausreichend.

Grundlage für die Qualifikation des Instandsetzers ist neben § 8 auch Nr. 2.5 des Anhangs 2 der BetrSichV. Unter Nr. 2.5 des Anhangs 2 der BetrSichV ist u.a. festgelegt, dass die Benutzung (Gebrauch, Instandsetzung, Wartung,.....) der Arbeitsmittel dazu geeigneten, unterwiesenen oder beauftragten Beschäftigten vorbehalten bleibt.

Der Arbeitgeber muss sich vergewissern, dass die Beschäftigten befähigt und geeignet sind die übertragenen Tätigkeiten sicherheitsgerecht ausführen zu können (vergl. § 7 Arbeitsschutzgesetz).

Hinweis: § 14 Absatz 6 der BetrSichV verlangt nach einer Instandsetzung eine Prüfung durch eine zugelassene Überwachungsstelle oder durch eine behördlich anerkannte befähigte Person des Unternehmens. Eine Ausnahme besteht hier für den Fall, dass der Hersteller des Gerätes nach Instandsetzung dieses prüft und bestätigt, dass sich das Gerät in den für den Explosionsschutz wesentlichen Merkmalen den Anforderungen der BetrSichV genügt. Die Prüfung nach Instandsetzung darf sich nicht nur auf sicherheitstechnische Teilaspekte beziehen, sondern muss umfassend sein.

Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter http://www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php  oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.