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Ist es ausreichend, wenn der "Arbeitsplatzgrenzwert" für Blei von 0,15 mg/m³ gemäß Anhang 1 Richtlinie 98/24/EG eingehalten wird?

KomNet Dialog 7715

Stand: 09.06.2009

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

Dialog
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Frage:

In der TRGS 900 Ausgabe 01/2006 ist kein Arbeitsplatzgrenzwert für Blei und seine Verbindungen aufgeführt. Ist es ausreichend, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert von 0,15 mg/m³ gemäß Anhang 1 Richtlinie98/24/EG eingehalten wird?

Antwort:

Bis zum Inkrafttreten der neuen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) im Jahre 2005 war für Blei und seine Verbindungen, außer für Bleiarsenat, Bleichromat und Alkylbleiverbindungen, in der alten TRGS 900 ein gesetzlich verbindlicher Grenzwert von 0,1 mg/m³ im einatembaren Staub (E) als Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK) festgelegt. Dieser MAK-Wert ist seitdem ausgesetzt, und ein neuer gesetzlich verbindlicher Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) wurde bisher nicht bestimmt. Allerdings ist nach der TRGS 903 ein Biologischer Grenzwert von 400 µg/l im Blut und für Frauen unter 45 Jahren ein Biologischer Grenzwert von 300 µg/l im Blut einzuhalten.
Nach Art. 3 der EU Richtlinie 98/24/EG (Agenzienrichtlinie) werden für die Europäische Gemeinschaft verbindliche Arbeitsplatzgrenzwerte und Biologische Grenzwerte festgelegt. In Anhang I dieser Richtlinie ist für Blei ein Arbeitsplatzgrenzwert von 0,15 mg/m³ und in Anhang II ein Biologischer Grenzwert von 70 µg/100 ml Blut (700 µg/l) festgelegt. Weitere gemeinschaftliche Grenzwerte, die dort definierten Arbeitsplatz-Richtgrenzwerte, sind in Anhang der EU Richtlinie 2000/39/EG aufgeführt.
Die gemeinschaftlichen Arbeitsplatzgrenzwerte und Arbeitsplatz-Richtgrenzwerte werden vom Wissenschaftlichen Komitee für Arbeitsplatzgrenzwerte (SCOEL: Scientific Committee for Occupational Exposure Limits) der EU Kommission nach wissenschaftlicher Auswertung von arbeitsmedizinisch-toxikologischen Daten aufgestellt und sind daher ebenso gut wie gesetzlich festgelegte Grenzwerte als Kriterium für die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen geeignet. Allerdings sind die gemeinschaftlichen Grenzwerte nur für die EU Mitgliedstaaten, nicht aber für die einzelnen Unternehmen als gesetzlich einzuhaltender Grenzwert verbindlich, und dienen als Mindestanforderung für die Festlegung nationaler gesetzlicher Grenzwerte.
Solange daher in Deutschland kein nationaler gesetzlicher Arbeitsplatzgrenzwert für Blei festgelegt ist, kann die Einhaltung des gemeinschaftlichen Arbeitsplatzgrenzwertes für Blei als Wirksamkeitskriterium herangezogen werden. In diesem Fall ist jedoch, insbesondere wenn weitere Aufnahmepfade für Blei und seine Verbindungen bestehen, auch der gesetzlich festgelegte Biologische Grenzwert als Wirksamkeitskriterium heranzuziehen.

Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter www.arbeitsschutz.nrw.de/bp/legislation/index.html (--> Rechtsvorschriften Arbeitsschutz) oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.

Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS): http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/TRGS.html 

Stand: April 2009