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Verunreinigung eines stillgelegten Bereiches mit Taubenkadavern/-kot. Schutzmaßnahmen bei der Entsorgung?

KomNet Dialog 74

Stand:

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (6.)

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Frage:

Ein stillgelegter Fabrikationsbereich eines Herstellers für Folien- und Lackiermaschinen soll wieder produktiv werden. Der Anfrager hat diesen Bereich besichtigt und dabei festgestellt, dass die Halle mit Taubenkadavern und Taubenkot verunreinigt ist. Hiervon geht eine erhebliche Geruchsbelästigung aus. Er möchte nun genau wissen, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, damit die Mitarbeiter bei der Entsorgung der Verunreinigungen im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Halle geschützt werden.

Antwort:

Beim Umgang (Entsorgung) von Taubenkadavern und Taubenkot besteht grundsätzlich die Gefahr der Infektion oder Sensibilisierung durch biologische Arbeitsstoffe (Mikroorganismen). Insbesondere sind hier Pilze (Schimmelpilze) und Fäulnisbakterien zu nennen.
Des weiteren besteht eine besondere Infektionsgefahr durch Chalmydia psittaci. Chlamydia psittaci ist der Erreger der Ornithose (Psittakose). Die Ornithose kommt bei Vögeln weltweit vor. Die übliche Infektionsquelle für den Menschen ist mit Vogelkot kontaminierter Staub, der inhaliert wird. Auch mit infektiösen Aerosolen oder durch Umgang mit infektiösen Organen kann die Krankheit übertragen werden. Die Erreger gelangen in den tiefen Respirationstrakt und dringen dort in die Epithelzellen der Bronchien ein. Die Krankheit äußert sich durch Fieber, Kopfschmerzen und eine
atypische Pneumonie.
Gemäß der ”Gemeinschaftlichen Einstufung von Bakterien entsprechend Anhang III der Richtlinie 90/679/EWG” sind aviäre Stämme von Chlamydia psittaci in die Risikogruppe 3 eingestuft. Entsprechend Paragraph 7 „Gefährdungsbeurteilung bei nicht gezielten Tätigkeiten" der Biostoffverordnung (Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen) vom 29.01.1999 (zuletzt geändert am 23.12.2004) sind für biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppe 3 neben den allgemeinen Hygienemaßnahmen (siehe TRBA 500 ”Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen” – Ausgabe Juni 1999) zusätzlich die Sicherheitsmaßnahmen der Schutzstufe 3 nach Anhang II oder III der Biostoffverordnung festzulegen.
 
Entsprechend der Forderungen der Biostoffverordnung hat der Unternehmer nachfolgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung vor Aufnahme der Tätigkeit (Paragraph 8 BioStoffV) – (nach o.g. ist vom Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 3 auszugehen),
- Treffen der Schutzmaßnahmen entsprechend dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung (Paragraph 10 BioStoffV),
- Treffen von Hygienemaßnahmen und zur Verfügung stellen persönlicher Schutzausrüstung (hier für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 3),
- Erstellen einer Arbeitsbereichs- und stoffbezogenen Betriebsanweisung entsprechend Paragraph 12 der BioStoffV sowie Unterweisung der Beschäftigten,
- Arbeitsmedizinische Vorsorge gemäß der Paragraphen 15/15a BioStoffV.

Die TRBA 500 kann auf der Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (www.baua.de) heruntergeladen werden.