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KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen Dieselabgase auch mit kurzen Schläuchen ohne Anschluss an eine Absauganlage direkt ins Freie geführt werden?

KomNet Dialog 7364

Stand: 14.05.2009

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Ich habe mehrfach Gerüchte gehört, dass in Kraftfahrzeugwerkstätten, in denen die Diesel-AU nur selten durchgeführt werden, entgegen den Aussagen in der BGR 157 5.20.1 Dieselabgase auch mit kurzen Schläuchen ohne Anschluss an eine Absauganlage ins Freie geführt werden dürfen. Ist diese Aussage korrekt, und wenn ja gibt es Einschränkungen bezüglich der Höchstanzahl der durchgeführten Diesel-AU pro Woche?

Antwort:

Beim Umgang mit Gefahrstoffen gilt grundsätzlich das Minimierungsgebot der Gefahrstoffverordnung. Dazu fordert § 9 GeffStoffV, dass der Arbeitgeber bei unvermeidbarer Verwendung eines Gefahrstoffes (keine Substitution möglich) durch Gestaltung geeigneter Verfahren und technischer Steuerungseinrichtungen sowie Verwendung geeigneter Arbeitsmittel und Materialien nach dem Stand der Technik, eine Gefährdung zu minimieren ist.
In der Technischen Regel für Gefahrstoffe - TRGS 554 "Abgase von Dieselmotoren" werden die grundsätzlichen Anforderungen der Gefahrstoffverordnung in Bezug auf Dieselmotoremissionen konkretisiert. In der Anlage 4 TRGS 554 werden unter Ziffer 7 konkret Anforderungen an Abgasuntersuchungen (AU) beschrieben:
"(1) Die Abgase der Dieselmotoren sind bei AU vollständig am Auspuff zu erfassen und aus dem Arbeitsbereich zu entfernen. Das Erfassungselement muss der Auspuffanlage angemessen sein. Der Erfassungstrichter ist so zum Endrohr des Auspuffs anzuordnen, dass die Abgase möglichst geradlinig in die Ansaugöffnung hineinströmen. Das Endrohr ist zentriert im Erfassungstrichter anzuordnen, wobei es möglichst weit in diesen eintauchen sollte. Um den Fremdluftanteil gering zu halten,sollte der Öffnungswinkel des Trichters 20° bis 25 ° betragen. Auf die im Bild 1 dargestellten Positionierungsbeispiele wird verwiesen.

(2) Es dürfen am Prüfplatz nur die Fahrzeuge mit Dieselmotor geprüft werden, für die der Volumenstrom der vorhandenen Abgasabsaugung ausreichend ist. Für die Berechnung des Volumenstromes ist die folgende Gleichung zu verwenden: V = VH x n x 0,0363 x S
V - erforderlicher Absaugvolumenstrom [m3/h]
VH - Hubraum des zu prüfenden Fahrzeugs [l]
n - Abregeldrehzahl des zu prüfenden Fahrzeugs [min-1]
S - Sicherheitsfaktor für Nebenluft, S = 1,2
0,0363 - physikalischer Umrechnungsfaktor
Der erforderliche Absaugvolumenstrom kann auch, abhängig von Hubraum und Abregeldrehzahl des Motors, dem Diagramm (Anlage) entnommen werden.Mindestens ist aber ein Abgasabsaugvolumenstrom VA von 600 m3/h für Pkw und Transporter und von 1200 m³/h für Lkw zu gewährleisten.
(3)
Der Beschäftigte, der AU durchführt, ist nach § 14 GefStoffV am Prüfplatz zu unterweisen, wobei insbesondere auf die richtige Positionierung des Erfassungstrichters, auf den Abgasvolumenstrom des Motors und den erforderlichen Mindest-Absaugvolumenstrom einzugehen ist."

Ein Schlauch ohne Anschluss an eine Absauganlage ist daher nicht zulässig ist.