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Müssen die Beschäftigten von Gerüstbaufirmen seit 2008 PSA gegen Absturz tragen?

KomNet Dialog 7298

Stand: 26.03.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Benutzung von PSA

Dialog
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Frage:

In einem Fachartikel lese ich, dass Firmen, die Gerüste aufstellen, seit 2008 PSA gegen Absturz tragen müssen. Stimmt das?

Antwort:

Rechtgrundlage für die Forderung nach persönlicher Schutzausrüstung (PSA) beim Gerüstaufbau ist neben dem Arbeitsschutzgesetz die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Ein Gerüst stellt ein Arbeitsmittel gemäß Betriebssicherheitsverordnung dar. Im Anhang 2 Nr. 5 der BetrSichV finden sich die Mindestanforderungen für die Benutzung von Arbeitsmitteln, die für zeitweilige Arbeiten an hoch gelegenen Arbeitsplätzen gedacht sind. Gemeint sind hiermit unter anderem Gerüste. Nach Nr. 5.1.2 sind beim Aufbau und bei der Benutzung von Gerüsten sichere Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Bei den erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes, ist dem kollektiven Gefahrenschutz Vorrang vor dem individuellen Gefahrenschutz zu geben.

Dies bedeutet, dass beispielsweise beim Aufbau eines Fassadengerüstes nicht etwa grundsätzlich PSA gegen Absturz zu tragen ist, sondern vielmehr eine kollektive Maßnahme in Form eines Montageschutzgeländers (MSG; vorauseilender Seitenschutz) zu wählen ist. Gemäß der Rangfolge der Schutzmaßnahmen ist den technischen Maßnahmen immer Vorrang vor organisatorischen bzw. persönlichen Schutzmaßnahmen zu gewähren. Siehe hierzu TRBS 2121 als Konkretisierung der BetrSichV.

Die Hersteller der Systemgerüste bieten das sog. Montageschutzgeländer seit einiger Zeit an, da ohne dieses Gerüstbauteil keine bauaufsichtlich Zulassung für den entsprechenden Gerüsttypen mehr erteilt wird. Leider wird das Montageschutzgeländer (MSG) durch die Gerüstbauer kaum genutzt bzw. abgerufen. Dennoch ist die Regelung der BetrSichV gültig und anzuwenden.

Sollte es sich bei dem zu erstellenden Gerüst um eine Sonderkonstruktion bzw. Sondergerüst handeln, ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung abzuschätzen, inwieweit eine kollektive Schutzeinrichtung gegen die Gefahr des Absturzes anzuwenden bzw. möglich ist. Bei der Beurteilung dieses Falles ist auch die TRBS 2121 hilfreich.

Die Forderung nach kollektiven Schutzeinrichtungen wie dem MSG richtet sich in der Praxis eher an den Gerüstersteller, also den Gerüstbauer. Er setzt sich bzw. seine Mitarbeiter während der Phase des Aufbaus den entsprechenden Absturzgefährdungen aus und ist insofern auch der Gefährdete. Ist das Gerüst gemäß den geltenden Normen vollständig ausgebaut und errichtet, kann es in der Regel durch den Benutzer gefahrlos und ohne PSA genutzt werden. Jedoch ist auch hier der Einzelfall zu betrachten.

Auf die weiteren Informationen unter  http://www.dguv.de/fb-psa/Sachgebiete/Sachgebiet-PSA-gegen-Absturz-Rettungsausrüstungen/index.jsp weisen wir hin.