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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen Rohrleitungen entsprechend der neuen Kennzeichnung von Druckgasbehältern umgefärbt werden?

KomNet Dialog 7171

Stand: 16.03.2009

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Leitungen unter innerem Überdruck

Dialog
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Frage:

Gasflaschen haben eine neue Farbkennzeichnung erhalten. Müssen alle weiterführenden Rohrleitungen auch umgehend umgefärbt werden? Ist z.B. die gelbe Acetylenleitung nun braun gestrichen werden? Wenn ja, bis wann?

Antwort:

Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) fordert unter § 8 Abs. 4 , dass "der Arbeitgeber sicherzustellen hat, dass alle bei Tätigkeiten verwendeten Stoffe und Zubereitungen identifizierbar sind. Gefährliche Stoffe und Zubereitungen sind innerbetrieblich mit einer Kennzeichnung zu versehen, die wesentliche Informationen zu ihrer Einstufung, den mit ihrer Handhabung verbundenen Gefahren und den zu beachtenden Sicherheitsmaßnahmen enthält. Vorzugsweise ist die Kennzeichnung zu wählen, die den Vorgaben der Richtlinie 67/548/EWG oder 1999/45/EG entspricht. Der Arbeitgeber stellt ferner sicher, dass Apparaturen und Rohrleitungen, die Gefahrstoffe enthalten, so gekennzeichnet sind, dass mindestens die enthaltenen Gefahrstoffe sowie die davon ausgehenden Gefahren eindeutig identifizierbar sind. Kennzeichnungspflichten nach anderen Rechtsvorschriften bleiben unberührt."
Diese Forderung wird in der TRGS 220, http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/TRGS.html?__nnn=true&__nnn=true unter Abschnitt 7.4 "Kennzeichnung bei Tätigkeiten" sowie der Arbeitsstättenregel ASR A 1.3 Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung, http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Arbeitsstaetten/ASR/ASR-A1-3.html?__nnn=true&__nnn=true Abschnitt 7. "Kennzeichnung von Behältern und Rohrleitungen mit
Gefahrstoffen" konkretisiert:
TRGS 220: "(4) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass Apparaturen und Rohrleitungen, die Gefahrstoffe enthalten, so gekennzeichnet sind, dass mindestens die enthaltenen Gefahrstoffe sowie die davon ausgehenden Gefahren eindeutig identifizierbar sind. Kennzeichnungspflichten nach anderen Rechtsvorschriften bleiben unberührt. Unter Apparaturen und Rohrleitungen fallen alle Teile einer Anlage zur Produktion oder Verarbeitung, wie z. B. Reaktoren, Rührkessel, Kolonnen, Wärmetauscher, Ansatz- und Zwischenbehälter sowie Verbindungsleitungen. Bezüglich der Ausführung der Kennzeichnung wird auf die Arbeitsstättenregel ASR A 1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ verwiesen. ......
(7) Ortsfeste Behälter, wie Lagertanks und –silos und Rohrleitungen, die nicht Stoffe im Produktionsgang enthalten, sind mit dem Namen des Stoffes bzw. der Zubereitung, mit dem Gefahrensymbol und der Gefahrenbezeichnung zu kennzeichnen. An Stelle der Gefahrensymbole können gemäß Anhang III der EU-Sicherheitskennzeichnungsrichtlinie 92/58/EWG auch die Warnzeichen nach Anhang II derselben Richtlinie verwendet werden."

ASR A 1.3: (1) Behälter und Rohrleitungen, in denen gefährliche Stoffe, Zubereitungen oder Biozid-Produkte nach der Gefahrstoffverordnung verwendet werden, sind gemäß Gefahrstoff-Verordnung § 8 Abs. 4 in Verbindung mit den Richtlinien 67/548/EWG und 1999/45/EG zu kennzeichnen. Bezüglich der Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen sind die Regelungen der Gefahrstoffverordnung, insbesondere die TRGS 200 „Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen“, zu beachten. ...
(5) Rohrleitungen, in denen kennzeichnungspflichtige Stoffe und Zubereitungen transportiert werden, sind in ausreichender Häufigkeit (z. B. Anfang, Ende, Wanddurchführungen) und in unmittelbarer Nähe der gefahrenträchtigen Stellen, wie Armaturen, Schiebern, Anschluss- und Abfüllstellen, zumindest mit der Stoffbezeichnung und dem Gefahrensymbol nach Anlage 4 zu versehen.
(7) Durchflussstoffe in Rohrleitungen sind nach ihren Eigenschaften in Gruppen eingeteilt, deren Farben in Tabelle 3 festgelegt sind.

Wie die vorgenannte Forderungen bezüglich der Kennzeichnung von Rohrleitungen im Detail umzusetzen sind, muss der Arbeitgeber grundsätzlich im Rahmen  der Gefährdungsbeurteilung ermitteln und festlegen. Dabei ist neben den v.g. Technischen Regeln die DIN 2403"Kennzeichnung von Rohrleitungen nach dem Durchflussstoff" als anerkannte Regel der Technik zu berücksichtigen.

Rohrleitungen für Acethylen sind demzufolge weiterhin mit der Gruppenfarbe gelb für brennbare Gase zu kennzeichnen.

Auf den Bericht der BG-Chemie: "Lieber zweimal hinschauen, Geänderte Farbkennzeichnung bei Druckgasflaschen sorgt für Verwechslungsgefahr" weisen wir hin, http://www.bgrci.de/praevention/fachwissen/gefahrstoffe/gefahrstoffinformationen/inhalte-gefahrstoffinformationen/verwechslungsgefahr-bei-druckgasflaschen-durch-geaenderte-farbkennzeichnung/ .