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Welche Maßnahmen sind zu treffen, wenn im Betrieb Stähle festgestellt werden, die mit radioaktiven Isotopen kontaminiert sind?

KomNet Dialog 7161

Stand: 01.08.2019

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Umgang mit radioaktiven Stoffen

Dialog
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Frage:

In unserem Betrieb werden in großem Umfang rostfreie Stähle unterschiedlicher Herkunft verarbeitet. Nachdem jetzt Stähle aufgetaucht sind, die mit radioaktiven Isotopen kontaminiert sind, ergeben sich Unsicherheiten, auch von Seiten unserer Kunden. a.) Ist die Überprufung von Stahl-Lieferungen mittels eines handelsüblichen Geiger-Müller-Zählers ausreichend? b.) Ab welchen Werten ist eine Lieferung als belastet anzusehen, und ab wann sind weiterführende Maßnahmen (z.B. Sperrung, Sicherstellung) erforderlich.

Antwort:

Grundsätzlich regelt das Strahlenschutzrecht (Strahlenschutzgesetz -StrlSchG- und Strahlenschutzverordnung -StrlSchV-) den Umgang mit sonstigen radioaktiven Stoffen. Die Strahlenschutzverordnung hält für alle radioaktiven Isotope Freigrenzen vor, bei dessen Überschreitung die radioaktiven Stoffe rechtlich nicht mehr außer Acht gelassen werden dürfen und Strahlenschutzmaßnahmen (z. B. eine Genehmigung zum Umgang mit radioaktiven Stoffen) erforderlich sind.

Sind Stähle radioaktiv kontaminiert, bedeutet das jedoch nicht, dass die Aktivität der Kontaminationen zwingend über den Freigrenzen liegen muss. Dennoch sollte ab dem Zeitpunkt der Feststellung das primäre Ziel sein, in Erfahrung zu bringen, um welche radioaktiven Stoffe es sich bei den Kontaminationen handelt und welche tatsächliche Aktivität vorhanden ist. Daraus lassen sich dann weitere erforderliche Maßnahmen ableiten.


Zu Ihren Fragen:


zu a) Geiger-Müller-Zähler sind nicht mehr zeitgemäß und hier nicht die beste Wahl, da sie in erster Linie überprüfen, ob Gammaaktivität vorhanden ist. Besser ist hier ein Kontaminationsmonitor. Sollten Sie regelmäßig viele Stähle oder viel Stahlschrott angeliefert bekommen, könnten Sie auch in Erwägung ziehen, eine radiologische Portalmessanlage zu installieren. Potentiell kontaminierte Stähle könnten Sie somit bereits vor dem Abladen identifizieren und müssten die Ladung ggfs. erst gar nicht annehmen.


zu b)

Stellen Sie mit Ihrem Messgerät einen um den doppelten Nulleffekt steigenden Wert fest, kann davon ausgegangen werden, dass Radioaktivität vorhanden ist. Weitere Maßnahmen müssen daraufhin eingeleitet werden. Die örtlichen Ordnungsbehörden sind in diesem Fall unverzüglich zu informieren. Eine Lagerung der Stähle in einem gesicherten Bereich des Betriebsgeländes wäre von Vorteil.

Im Anschluss sollte zügig ein Sachverständiger mit entsprechenden Messgeräten hinzugezogen werden, da dieser in der Lage ist, die tatsächlich vorhandenen radioaktiven Stoffe und deren Aktivitäten zu bestimmen. Alles weitere leitet sich dann aus den ermittelten Ergebnissen ab.


Gute Ansprechpartner sind auch die atomrechtlichen Aufsichtsbehörden. In Nordrhein-Westfalen sind dies die Bezirksregierungen (Dezernat 55 - Strahlenschutz.)


Generell ist man sich einig, dass kontaminierte Stähle, auch wenn die Kontamination deutlich unterhalb der zulässigen Freigrenzen liegt, nicht mehr auf den Markt gelangen sollen.