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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen Kreislaufprobleme am Arbeitsplatz in das Verbandbuch eingetragen werden?

KomNet Dialog 6906

Stand: 06.02.2009

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Erste Hilfe

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Frage:

Muss eine Eintragung ins Verbandbuch erfolgen, wenn z.B. eine Mitarbeiterin mit Kreislaufproblemen die Arbeit unterbrechen und sich ausruhen muss, oder ein Mitarbeiter mit grippalem Infekt den Arbeitsplatz verlassen muss?

Antwort:

In einem Verbandbuch werden in Betrieben, Behörden und Schulen die geleisteten Erste-Hilfe-Maßnahmen schriftlich aufgezeichnet. Sie dienen als Nachweis, dass ein Gesundheitsschaden bei einer versicherten Tätigkeit eingetreten ist. Die Eintragung hat unabhängig von der vermeintlichen Schwere der Verletzung zu erfolgen. Grundlage ist u.a. § 24 Abs. 6 der Unfallverhütungsvorschrift BGV A 1 (http://publikationen.dguv.de).
Unter der Ersten Hilfe sind Leistungen zu verstehen, "durch die Verletzte, Vergiftete und Erkrankte zur Abwendung akuter Gesundheits- und Lebensgefahren durch eigens dazu ausgebildete Helfer vorläufig medizinisch versorgt und der Heilbehandlung zugeleitet werden. Für den Begriff der Ersten Hilfe ist es gleichgültig, welchen Grad der Qualifikation der Helfer hat, so er nur ausgebildet ist. Soll diese betont werden, lässt sich unterscheiden zwischen der Ersten Hilfe des ausgebildeten „medizinischen Laien“, z.B. des Ersthelfers, des Sanitäters, sowie der ärztlichen Ersten Hilfe insbesondere des notfallmedizinisch weitergebildeten Arztes, des Notarztes.
Zum Gebiet der Ersten Hilfe zählen nicht nur die im konkreten Fall durchzuführenden Maßnahmen, sondern auch alle organisatorischen Maßnahmen, Vorkehrungen, Einrichtungen, Hilfsmittel, die sie vorbereiten, ermöglichen, verbessern und der Aufzeichnung dienen." (vgl. BGI/GUV-I 509 Dezember 2009).
Zu Unterscheiden ist die Eintragung einer Ersten Hilfe Leistung in einem Verbandbuch von einer erforderlichen Unfallanzeige eines Arbeitsunfalls eines Beschäftigten. Hinweis: Bei Unfällen, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Tagen zur Folge haben oder den Tod des Beschäftigten, müssen diese durch eine Unfallanzeige der für den Betrieb zuständigen Unfallversicherungsträger und in Kopie der staatlichen Arbeitsschutzbehörde angezeigt werden.

Ein Arbeitsunfall im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung ist ein Unfall eines Versicherten, der rechtlich wesentlich durch eine versicherte Tätigkeit verursacht und nicht absichtlich herbeigeführt ist (§ 8 Sozialgesetzbuch VII - SGB VII) Dabei muss:
- zunächst eine versicherte Tätigkeit vorliegen.
- Es muss zu einem Unfall gekommen sein: Ein zeitlich begrenztes (innerhalb einer Arbeitsschicht), von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führt.
- Zwischen der versicherten Tätigkeit und dem Unfall muss ein innerer Zusammenhang bestehen.
- Die versicherte Tätigkeit muss für den Unfall ursächlich gewesen sein und der Unfall muss eine Ursache für den Schaden sein.
Im Zweifel sollte lieber eine Eintragung im Verbandbuch gemacht werden, da zum Zeitpunkt der Eintragung die Ursache oder der Auslöser der Beschwerden/Erkrankung nicht bekannt sind. Denkbar ist z.B. das Auftreten von Kreislaufproblemen nach Einwirkung von Gefahrstoffen.
Weitergehende Konkretisierung sollte mit dem zuständigen Unfallversicherungsträger abgeklärt werden (http://www.dguv.de/inhalt/BGuUK/index.jsp). Zur Abgrenzung von medizinischen Fragen sollte der Betriebsarzt beteiligt werden.