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KomNet-Wissensdatenbank

Darf ein 14 Jahre alter Abzug im Laborbereich nach Umzug noch verwendet werden?

KomNet Dialog 6843

Stand: 30.07.2012

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Wir nutzen in einem Laborbereich derzeit einen Abzug für Gefahrstoffarbeiten. Dieser Abzug ist ca. 14 Jahre alt und wurde nach der damaligen DIN 12924 hergestellt. Das Labor soll nun umziehen, d.h. der Abzug müßte seinen örtlichen Stellplatz verändern. Bauliche Änderungen am Abzug selber oder an seiner Lüftungssituation sind dabei nicht geplant. Meine Frage ist nun, ob wir diesen Abzug auch nach dem Umzug 1:1 weiter betreiben dürfen. Der Abzugshersteller hat uns auf Anfrage mitgeteilt, daß heute nur noch Abzüge nach DIN EN 14175 neu eingebaut werden dürfen und ein Umzug den Verlust des Bestandschutzes für den alten Abzug mit sich bringen würde, wir den Abzug damit nach einem Umzug nicht mehr verwenden dürften. Ist das korrekt? Bei einem Abzug handelt es sich nicht um eine Maschine im Sinne der Maschinenrichtlinie, dessen bin ich mir bewußt, allerdings dürfen Altmaschinen, die vor Inkrafttreten der Maschinenrichtlinie in Verkehr gebracht worden sind ja auch nach Umzügen noch betrieben werden, wenn sie den Anforderungen der Betriebssicherheitsverordnung entsprechen und die Sicherheitsbestimmungen zum Herstellungszeitpunkt einhalten. Bei einem Umzug handelt es sich noch nicht automatisch um eine wesentliche Veränderung, oder?

Antwort:

Im Arbeitsschutzgesetz ist unter § 4 Ziffer 3 festgelegt, dass bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes der Stand der Technik zu berücksichtigen ist. Gemäß § 8 Gefahrstoffverordnung hat der Arbeitgeber vorrangig die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales nach § 21 Abs. 4 GefStoffV bekannt gemachten Regeln und Erkenntnisse des Ausschusses für Gefahrstoffe zu beachten.

In der für Laboratorien veröffentlichten Technischen Regel für Gefahrstoffe - TRGS 526 ist ebenfalls festgelegt, dass Laboratorien  nach den Bestimmungen dieser TRGS und im übrigen den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechend beschaffen sein und betrieben werden müssen. Bezüglich der Anwendbarkeit dieser TRGS weisen wir auf die Bekanntmachung des BMWA vom 31. Dezember 2004 hin.

Da DIN - Normen, in diesem Fall die europäische Norm DIN EN 14175, den Stand der Technik wiedergibt, hat ein Laborabzug zurzeit grundsätzlich den Anforderungen dieser DIN zu entsprechen.

Ob ein Abzug, der nicht der DIN entspricht, weiter betrieben werden darf, kann nur im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung geklärt werden. Einen Bestandsschutz sieht die Gefahrstoffverordnung jedenfalls nicht vor. Dieses gilt im Übrigen grundsätzlich auch unabhängig davon, ob ein räumliches Umsetzen einer Anlage vorgesehen ist oder nicht.

Soll ein Abzug, der nicht der  DIN EN 14175 entspricht, weiter betrieben werden, muss aus der Gefährdungsbeurteilung hervorgehen, dass gleichwohl die in der Gefahrstoffverordnung festgelegten Schutzmaßnahmen erfüllt sind. Wegen der besonderen Bedeutung der DIN EN 14175 für Laborabzüge  wird der Arbeitgeber in der Regel eine solche Begründung nur in Ausnahmefällen führen können. In jedem Fall ist für die Gefährdungsbeurteilung die Stellungnahme des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit einzuholen.

Zur Klärung des Einzelfalls sollte ggf. die zuständige Arbeitsschutzbehörde (in NRW: Arbeitsschutzdezernat der Bezirksregierung) und/oder der die Berufsgenossenschaft/Unfallkasse vor Ort hinzugezogen werden.

Auf die Informationen unter http://www.bgrci.de/praevention/fachwissen/laboratorien/abzuege/  weisen wir hin.