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KomNet-Wissensdatenbank

Darf das beim Freistrahlen bleihaltiger Beschichtungen genutzte Strahlmittel wieder verwendet werden?

KomNet Dialog 6749

Stand: 04.12.2008

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Sonstige Verwendungsverbote

Dialog
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Frage:

Beim Freistrahlen bleihaltiger Beschichtungen (`Bleimennige`) reichert sich der bleihaltige Staub im Strahlmittel an. Das Strahlmittel wird recycelt, d.h. über ein Becherwerk einer Siebanlage zugeführt und wieder zum Strahlen verwendet. Ist das so zulässig oder muss das Strahlmittel entsorgt werden ?

Antwort:

Das Inverkehrbringungsverbot der Chemikalienverbotsverordnung für bestimmte Bleiverbindungen (vgl. Abschnitt 8 ChemVerbotsV) und analog REACH Verordnung Anhang XVII (Seite 12) bezieht sich ausschließlich auf die Verwendung als oder in Zubereitungen für Farben.
Das Recycling bleihaltiger Strahlmittel und ihre Wiederverwendung zum Zwecke des Freistrahlens bleihaltiger Beschichtungen sind von daher prinzipiell zulässig.
Allerdings bleibt die Tatsache unberührt, dass es sich bei solchen Strahlmitteln ggf. um gefährliche Arbeitsstoffe handelt, deren Gefährdungspotential bei der Handhabung sich signifikant von unbelasteten (neuen) Strahlmitteln unterscheiden dürfte. Damit greift die Substitutionspflicht des § 9 Abs. GefStoffV, nach der der Arbeitgeber gefährliche Stoffe durch weniger gefährliche ersetzen muss, wenn dies technisch möglich ist.
Von daher ist die Verwendung recycelter, bleibelasteter Strahlmittel vor dem Substitutionsgebot zumindest fragwürdig, da in Form von neuen Strahlmitteln weniger gefährliche Alternativen zur Verfügung stehen. Allerdings kann in Bezug auf die höheren Kosten einer solchen Alternativlösung eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit im Einzelfall als Begründung stichhaltig sein.
Eine solche Begründung zum Substitutionsverzicht ist dann jedoch zwingend als Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung gem. § 7 Gefahrstoffverordnung für die entsprechenden Tätigkeiten durch den Arbeitgeber nachvollziehbar zu belegen. Weiterhin ist die Gefährdung durch die vorbelasteten Strahlmittel abzuschätzen und durch geeignete (ggf. zusätzliche) Schutzmaßnahmen sicherzustellen, dass im Vergleich zu unbelasteten Strahlmitteln keine zusätzliche Gefährdung der Arbeitnehmer erfolgt. (vgl. § 9 Abs. 2-7 GefStoffV) .
Hinweis: Hinsichtlich der Strahlarbeiten wird auf die BGR 500„Betreiben von Arbeitsmitteln“  verwiesen. Ab Seite 254 (Kapitel 2.24) sind die grundsätzlichen Arbeitsschutzmaßnahmen für Strahlarbeiten (Inhalte der vorherigen VBG 48) beschrieben.