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KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen Sichtfenster in Türen von Laboren trotz gegenteiliger Vorschrift der TRGS 526 zeitweilig verdunkelt werden?

KomNet Dialog 6733

Stand: 12.12.2008

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (5.)

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Frage:

Dürfen Sichtfenster in Türen von Laboren trotz gegenteiliger Vorschrift TRGS 526 zeitweilig verdunkelt werden, wenn in diesem Raum Filmentwicklungen oder Mikroskopierarbeiten nur abgedunkelt durchgeführt werden können? Es soll für die Verdunkelung eine abklappbare Blende installiert werden.

Antwort:

Grundlage für die Durchführung erforderlicher Arbeitsschutzmaßnahmen ist die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Gefahrstoffverordnung, welche der Arbeitgeber für die einzelnen Arbeitsplätze zu erstellen hat. Auf Laboratorien, in denen nach chemischen, physikalischen oder physikalisch-chemischen Methoden präparativ, analytisch oder anwendungstechnisch gearbeitet wird, findet die TRGS 526 - Laboratorien Anwendung.

Bei den von Ihnen beschriebenen Arbeiten ist zu klären, ob es sich um Arbeiten handelt, die unmittelbar mit der Labortätigkeit im Zusammenhang stehen und deshalb in diesem ausgeführt werden müssen, oder ob diese an einem separaten Büroarbeitsplatz durchgeführt werden können? Sofern die Arbeiten im Labor durchgeführt werden müssen sind zwei Probleme zu beurteilen:

1) Die TRGS 526 fordert ,dass Türen von Laboratorien in Fluchtrichtung aufschlagen müssen und mit einem Sichtfenster ausgerüstet sein. Labortüren sind geschlossen zu halten. Das Sichtfenster soll eine ungehinderte Sicht von innen nach außen und umgekehrt ermöglichen. Dies wird damit begründet, dass Personen die an dieser Tür vorbeigehen (Flur) nicht durch eine plötzlich aufgestoßene Tür verletzt werden sollen. 
2) Die Beleuchtung von Laborarbeitsplätzen muss so bemessen sein, dass ein sicheres Arbeiten und ein rechtzeitiges Erkennen von Gefahren jederzeit möglich ist. Als Mindestbeleuchtungsstärke im Labor sind 300 lx, für die Arbeitplätze 500 lx vorzusehen. In jedem Fall ist auf eine gleichmäßige, schlagschattenfreie Beleuchtung zu achten.

Vergleiche auch die Anforderungen der BGR 120 "Laboratorien" und die aktuellen Informationen des Arbeitskreises Laboratorien unter http://www.bgrci.de/praevention/fachwissen/laboratorien/aktuelle-informationen/ . 

Fazit: Für Entwicklungsarbeiten und Mikroskopierarbeiten sollte ein gesonderter Raum genutzt werden, der für solche Arbeiten entsprechend ausgestattet und gekennzeichnet ist. In einem normalen Labor, in dem Chemikalien in Standflaschen für den täglichen Gebrauch stehen und auch benutzt werden, müssen die Anforderungen der TRGS 526 vorzugsweise beachtet werden. Ein Abweichen von den technischen Regeln ist allerdings möglich. Dabei hat der Arbeitgeber durch andere Maßnahmen in vergleichbarer Weise den Schutz und die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Das Abweichen ist in der Gefährdungsbeurteilung zu begründen.

Da nicht alle Parameter bekannt sind, sollte die Frage durch eine Vor-Ort Begehung mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde oder dem Unfallversicherungsträger geklärt werden.