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Ist es möglich, anhand von DME-Messungen und einem Nachmessplan auf die Nachrüstung von Dieselstaplern zu verzichten?

KomNet Dialog 6717

Stand: 28.02.2013

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

In einem Gießereibetrieb werden ca. 10 Gabelstapler mit Dieselantrieb eingesetzt. Einige fahren nur zum Auf-und Abladen in die Hallen hinein, während andere den gesamten Tag innerhalb der Halle verbringen. Ist es möglich, anhand von DME-Messungen und einem Nachmessplan (TRGS 402) auf die Nachrüstung von Dieselstaplern zu verzichten? Aussage der Messfirma: Nach der Rechtsprechung gelten die alten TRK-Werte nicht mehr und ein Nachmessplan ist auch nicht mehr rechtlich geltend. Da die Nachrüstung sehr kostenaufwendig ist - wäre eine rechtlich konforme Kompromisslösung anzustreben.

Antwort:

Für Belastungen durch Dieselrusspartikel - vor allem in Kfz-Werkstätten, Hochregallagern mit Dieselstaplern und anderen Arbeitsbereichen mit Dieselmotorbetrieb war bis zum Inkrafttreten der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) vom 23. Dezember 2004 eine Technische Richtkonzentration (TRK) für Dieselmotoremissionen (DME) als gesetzlicher Grenzwert von 0,1 mg/m³ (100 µg/m³) im alveolengängigen Feinstaub (A-Staub) festgelegt und in der damaligen Version der TRGS 900 veröffentlicht. Seit dem Inkrafttreten der GefStoffV, 2004 sind allerdings nur noch gesundheitsbasierte Grenzwerte - das heißt Grenzwerte, die auf der Grundlage toxikologischer Dosis-Wirkungs-Untersuchungen abgeleitet werden können - zulässig, sodass der TRK von DME ausgesetzt ist. Eine Bewertung der Exposition mit Dieselmotoremissionen und Maßnahmen zur Verminderung der Exposition sind daher bis zur Festsetzung eines gesundheitsbasierten Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) unabhängig von Grenzwerten entsprechend den Vorgaben der Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 554 „Dieselmotoremissionen“ vorzunehmen. Arbeitsplatzmessungen sind durch Probenahme mit Pumpe, Abscheidung auf einem Partikelfilter und coulometrischer Bestimmung des Kohlenstoffs entsprechend dem von den Berufsgenossenschaften anerkannten Analysenverfahren für krebserzeugende Stoffe nach BGI 505.44 "Verfahren zur Bestimmung von Kohlenstoff im Feinstaub – anwendbar für partikelförmige Dieselmotor- Emissionen in Arbeitsbereichen –" durchzuführen.

Dieselmotoremissionen (DME) sind krebserzeugende Gefahrstoffe. Beim Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen sind nach der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) 2010  grundsätzlich neben den §§ 8 und 9 auch die Schutzmaßnahmen des § 10 "Besondere Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen" zu treffen. Dem Minimierungsgebot (§ 7 "Grundpflichten" Absatz 4 der GefStoffV) entsprechend, sind die Gefährdungen der Beschäftigten durch DME so gering wie möglich zu halten.

Im Artikel "Praktische Hinweise für Verkehrsunternehmen" der BG-Bahn von 2005 wurde das damalige Verhältnis der AGW zu den alten TRK gut dargestellt:

"Die zur Bewertung nach der neuen Gefahrstoffverordnung heranzuziehenden Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) sind ausschließlich risikobasiert. Die bisher nur technisch definierten TRK-Werte sind damit nicht mehr anwendbar. Für krebserzeugende Stoffe werden daher sukzessiv neue AGW, die deutlich niedriger liegen als die bisherigen TRK-Werte, erarbeitet werden. Auch ohne Arbeitsplatzgrenzwerte für krebserzeugende Stoffe kann der Arbeitsplatz durch das Schutzstufenkonzept sinnvoll beurteilt werden. Grundsätzlich ist bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen die Gefährdung nach dem Stand der Technik zu minimieren, der in Technischen Regeln festgelegt ist"

D. h. im Ergebnis hat sich mit den Anpassungen das Schutzniveau und dadurch die Anforderungen durch Wegfall der TRK faktisch erhöht. Auf Grund des Minimierungsgebots sind technische Maßnahmen (Partikelfilter, Absaugung, ggf. technische Lüftung) zur Reduzierung der DME in Hallen Stand der Technik. Vergleiche insbesondere die FAQ Nrn. 6.4.2 der LASI-Leitlinien zur Gefahrstoffverordnung.

Hinweis: Link zu den aktuellen Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS)

Informationen zur angefragten Thematik können auch die Staatlichen Aufsichtsbehörden zur Verfügung stellen. In Nordrhein-Westfalen sind das die Dezernate „Arbeitsschutz“ der Bezirksregierungen, die über das Arbeitsschutzportal NRW aufgerufen werden können. Als weitere Ansprechpartner können die zuständigen Unfallversicherungsträger in die Fragestellung eingebunden werden.