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KomNet-Wissensdatenbank

Muss auch für betrieblich Notfallsituationen Atemschutz zur Verfügung gestellt werden?

KomNet Dialog 6709

Stand: 12.12.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Beschaffung und Bereitstellung von PSA

Dialog
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Frage:

Muss der Arbeitgeber Atemschutz oder andere PSA zur Verfügung stellen, damit Betriebsangehörige kleinere Brände im Betrieb eingenhändig löschen können? Hintergrund: Vor einigen Tagen kam es in der Nachtschicht vermutlich durch einen Erdschluss zu einer Flammenbildung am Fussboden (Größe etwa 0,5 m2. Nach Ausschalten der Heizung wurde der Brand vom Mitarbeiter selbst gelöscht und die Anlage problemlos wieder in Betrieb genommen. Jedoch traten insbesondere nach dem Löschen sehr beissende, strenge und unangenehme Gerüche auf und das Bedienungspersonal musste diesen gekapselten Raum mit Klimaanlage verlassen. Begehbar dauerhaft erst in etwa 1 Stunde und ansonsten nur zur Kontrolle.Gefährdungsanalyse und Gefährdungsbeurteilung sind mir schon klar , aber wenn ich die Möglichkeit eines Löschversuches habe, muss mir doch auch die notwendige PSA zur Verfügung gestellt werden und sei es nur als Flucht- und Rettungsmittel, denn das ganze hätte auch im dritten Stock passieren können mit Fluchtmöglichkeit über das Treppenhaus. Es gibt doch mit Sicherheit Masken mit Kombifilter, die ein breites Spektrum abdecken. Der Arbeitgeber lehnt das ab mit dem Argument, dann will jeder eine, auch in anderen Abteilungen. Wer übernimmt die Reinigung usw.? Die Absage ist mir unverständlich, da es nur um eine bestimmte Anzahl von Masken für den Notfall ging. Bis jetzt bin ich der Meinung, in dem Falle war das nicht notwendig, die Feuerwehr einzuschalten. Als höchsten Vorgesetzten in der Nacht haben wir ebenfalls nur einen Vorarbeiter, ob ein Vorgesetzter meiner Abteilung oder einer anderen erreichbar gewesen wäre kann ich nicht sagen, denn auf dem Schichtplan steht keine Notrufnummer. Auch die unmenschliche Zeit von 1 Uhr morgens. Da bliebe wirklich nur die Feuerwehr. Was kann man tun oder hätte man tun sollen?

Antwort:

Grundsätzlich gilt, dass Löschversuche nur ohne Eigengefährdung durchzuführen sind. Die Anordnung der Fluchtwege sowie deren Länge ist so zu wählen, dass sie den Bereich ohne den Einsatz von zusätzlichen Hilfsmitteln gefahrlos verlassen können. Bei einem Brand sollte immer der erste Schritt sein den Brand zu melden, damit die Feuerwehr auf jeden Fall anrückt. Denn sollte der Löschversuch fehlschlagen, ist wertvolle Zeit zur Bekämpfung des Brandes verloren gegangen.
Da bei einem Brand die verschiedensten Produkte / Brandgase entstehen (in Abhängigkeit vom Brandgut) können die von Ihnen beschriebenen Atemschutzmasken nicht genutzt werden, da diese von der Umgebungsluft abhängig sind. Informationen zum Atemschutz liefern die BGR 190"Benutzung von Atemschutzgeräten" und der berufsgenossenschaftliche Fachausschuss "Atemschutz" im Internet: http://www.dguv.de/fb-psa/de/sachgebiet/sg_atemschutz/index.jsp . 
Ob Bereiche, die von einem Brand betroffen waren, wieder für die Mitarbeiter zugänglich sind, kann letztendlich nur die Feuerwehr entscheiden. Rückstände von Bränden können giftig, ätzend etc. sein.
Organisatorisch sollte der Arbeitgeber unter Beteiligung der Sicherheitsfachkraft und des Betriebsarztes ein Notfallsystem aufbauen. Ein wirksames Notfallmanagement im Betrieb behandelt nach unserem Verständnis geeignete Vorsorge zum Brandschutz (inkl. Warn-, Alarm- und Löscheinrichtungen), der Gestaltung der Flucht- und Rettungswege und zur Organisation der Ersten Hilfe. Zu den Bereichen finden sie aussagekräftige Informationen bei den Berufsgenossenschaften, z.B. die berufsgenossenschaftliche Fachinformation BGI 5097 und unter http://www.bgdp.de/pages/arbeitsicherheit/grundinfo/brandschutz.htm und http://www.bgdp.de/pages/arbeitsicherheit/grundinfo/erste-hilfe/tft-2005-03-S-21-22.htm. Für das richtige Verhalten im Notfall können Alarmpläne entsprechend den nachfolgenden Muster (Muster 1; Muster 2, Muster 3) im Betrieb verwendet werden (inkl. Unterweisung, Aushang und Notfallübung).
Hinweis: Personen, die Atemschutzgeräte für Flucht- und Selbstrettung tragen, müssen nicht nach der arbeitsmedizinschen Vorsorgeuntersuchung G 26 „Atemschutz“ (BGI 504-26) untersucht werden.