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KomNet-Wissensdatenbank

Was ist in die Gefährdungsbeurteilung beim Umgang mit Prüfstrahlern einzubeziehen?

KomNet Dialog 6701

Stand: 04.11.2008

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Umgang mit radioaktiven Stoffen

Dialog
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Frage:

Im Zuge der Wartung von Kernreaktor-Fernüberwachungs-Systemen (KFÜ) zur Überwachung radioaktiver Emissionen sollen Prüfstrahler verwendet werden. Deren Strahlungsdosis ist so gering, dass eine Gefährdung auszuschließen ist. Jedoch können bei der Kontrollmessung Gefährdungen entstehen, indem beispielsweise auf Dächern von Gebäuden geklettert werden muss, um zum jeweiligen KFÜ zu gelangen. Wie sieht es in diesem Fall mit der Gefährdungsbeurteilung aus? * Gefährdungsbeurteilung für Prüfstrahler: ergibt kein Risioko * Gefährdungsbeurteilung im Rahmen der Verwendung: Risiko durch bpsw. Absturz von Dächern, Fall von Leitern etc. Muss demzufolge: A) Ein Gefahrstoffverzeichnis angelegt werden? B) Eine Betriebsanweisung erstellt werden? Die Gefährdung geht schließlich nicht von dem Stoff aus sondern resultiert aus der Tätigkeit mit dem Strahler. Zudem existiert kein Sicherheitsdatenblatt, auf dass im Gefahrstoffverzeichnis verwiesen werden könnte? Kann die Betreibsanweisung in diesem Fall durch die Strahlenschutzanweisung ersetzt werden?

Antwort:

Bei den handelsüblichen Prüfstrahlern gibt es solche, die die Freigrenze des jeweiligen Nuklids nach  Anlage III der Strahlenschutzverordnung - StrlSchV  überschreiten. Für die Verwendung dieser Prüfstrahler ist eine Anzeige nach § 117 Abs. 7 StrlSchV erforderlich, wenn Sie eine gültige Bauartzulassung haben, ansonsten eine Genehmigung nach § 7 StrlSchV.
In diesem Zusammenhang ist nach § 34 StrlSchV eine Strahlenschutzanweisung (Betriebsanweisung) zu erstellen, die auch Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung sein kann. Die Strahlenschutzanweisung ersetzt nicht die Gefährdungsbeurteilung.
Ein Gefahrstoffverzeichnis ist für die Verwendung von radioaktiven Prüfstrahlern nicht anzulegen, da deren Verwendung unter die Bestimmungen der Strahlenschutzverordnung (lex specialis) fällt und nicht unter die Gefahrstoffverordnung.

Fragestellungen, die in der Gefährdungsbeurteilung beim Umgang mit radioaktiven Prüfstrahlern zu klären wären könnten z.B. sein:

1. Wird beim Umgang mit dem radioaktiven Prüfstrahler jede unnötige Strahlenexposition vermieden? (richtige Lagerung, Abstand, Handhabung)

2. Sind bei der Verwendung von Prüfstrahlern oberhalb der Freigrenze Strahlenschutzbeauftragte bestellt?

3. Ist die Fachkunde der Strahlenschutzbeauftragten innerhalb der Fristen aktualisiert worden?

4. Ist die Bestellung oder Entpflichtung zum Strahlenschutzbeauftragten der zuständigen Behörde mitgeteilt worden?

5. Sind die Prüfstrahler listenmäßig erfasst (Buchführung) und werden die Änderungen fortgeschrieben?

6. Sind die erforderlichen Anzeigen des Bestandes (§ 70 StrlSchV) (Verlust, Beschädigung, Abgabe) bei der zuständigen Behörde erstattet?

7. Stehen zur Aufbewahrung geeignete Räume oder Schutzvorrichtungen zur Verfügung?

8. Sind die Prüfstrahler und Aufbewahrungsbehältnisse mit dem Strahlenzeichen gekennzeichnet?

9. Werden Verlust, Stör- oder Unglücksfälle über den Strahlenschutzverantwortlichen unverzüglich der zuständigen Behörde mitgeteilt?

10. Werden radioaktive Prüfstrahler, die infolge Abnutzung, Beschädigung oder Zerstörung nicht mehr dem Originalzustand (StrlSchV) entsprechen, aus dem Verkehr gezogen?

11. Wird der Strahlenschutzverantwortliche -SSV- über Mängel, die den Strahlenschutz beeinträchtigen, unverzüglich informiert?

12. Wurden bauartzugelassene Prüfstrahler fristgerecht einer Dichtheitsprüfung durch den Sachverständigen unterzogen? (Vermerk im Zulassungsschein)

13. Liegt beim genehmigungs- oder anzeigebedürftigen Umgang eine Strahlenschutzanweisung nach § 34 StrlSchV vor?

Die Gefährdungen, die durch das Besteigen auf Dächer von Gebäuden entstehen sind ebenfalls zu ermitteln und zu beurteilen.

Hinweis: Bei Verkehrswegen zu Anlagen, die erfahrungsgemäß mehrmals in Jahr begangen werden müssen, sind fest installierte Absturzsicherungsmaßnahmen wie Geländer und Umwehrungen Standard. Grundlagen sind neben der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) im Anhang unter Nr. 2.1, die Anforderungen zum Schutz gegen Absturz in der Unfallverhütungsvorschrift BGV C 22 - Bauarbeiten - (§ 12 ff.). Weitere wichtige Regelwerke:
BGR 203 - Dacharbeiten
PSA-Benutzungsverordnung
BGR 198 - Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz
BGG 906 - BG-Grundsatz "Auswahl, Ausbildung und Befähigungsnachweis von Sachkundigen für persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz" 

Als Hilfestellung können sie die Broschüre „Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz“ nutzen (http://www.callnrw.de/broschuerenservice/download/1482/gefaehrdungsbeurteilung_barr.pdf).