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KomNet-Wissensdatenbank

Fragen zu Kennzeichnung von eigengefertigten Transport-Gestellen und des Standsicherheitsfaktors gemäß BGR 234

KomNet Dialog 6631

Stand: 04.11.2008

Kategorie: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Allgemeine Beschaffenheitsanforderungen

Dialog
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Frage:

Wir haben mit eigengefertigten Transport-Gestellen eine Prüfung nach BGR 234 mit doppelter Last durchgeführt. Das Gestell hat den Test ohne plastische Verformung überstanden. Auch die Stapelbarkeit haben wir mittels eines Testes überprüft. Bevor wir jedoch die Kennzeichnung anbringen, führen wir noch die Berechung der Standsicherheit nach Anhang 1 BGR 234 bei vollen und leeren Gebinden durch. Dabei steht einer 4-fachen Stapelung bei vollen Behältern nichts im Wege (Standsicherheitsfaktor 14), bei leeren Behältern ergab die Rechnung einen Standsicherheitsfaktor von 1,2 (Soll mind. 2). Habe ich bei der Kennzeichnung nach BGR 234 für Transportgestelle die Standsicherheit für leere Behälter getrennt anzugeben und wenn ja in welcher Form, oder ist generell nur eine zweifache Stapelung erlaubt (für volle sowie für leere Behälter) und ist die Kennzeichnung entsprechend anzupassen?

Antwort:

Regelungen zum Inverkehrbringen von Produkten sind unter Abschnitt 2 des Produktsicherheitsgesetzes – ProdSG getroffen. Nach § 4 Abs. 2 GPSG darf ein Produkt, soweit es nicht einer Rechtsverordnung § 4 Abs. 1 unterliegt, nur in den Verkehr gebracht werden, wenn es so beschaffen ist, dass bei bestimmungsgemäßer Verwendung oder vorhersehbarer Fehlanwendung Sicherheit und Gesundheit von Verwendern oder Dritten nicht gefährdet werden. ... Bei der Beurteilung, ob ein Produkt den Anforderungen nach Satz 1 entspricht, können Normen und andere technische Spezifikationen zugrunde gelegt werden. Das bedeutet, dass ein Hersteller eines Produktes stets sicherstellen muss, dass die Schutzziele erreicht werden.

Im Rahmen der Konstruktion derartiger Lagergeräte wird daher empfohlen, eine Gefahrenanalyse durchzuführen. Sofern dann alle ermittelten Randbedingungen (z.B. ausreichende Traglast (inklusive Sicherheitsfaktor), ggf. Anfahrschutz, Montagequalität und Statik, Warnhinweise zur zulässigen Belastung,...) geeignet beachtet werden, ist der Eigenbau möglich. Ggf. können entsprechende Dokumente / Normen herangezogen werden oder diverse Vorschriften und Informationen der BG (siehe z.B. BGI 869"Betriebliches Transportieren und Lagern" und BGR 234"Lagereinrichtungen und -geräte").

Die BGR 234 bestimmt u.a. dass der Standsicherheitsfaktor gegen das Kippen von Lagereinrichtungen und -geräten mindestens 2,0 betragen muss. Die zulässige Belastung von Lagereinrichtungen und -geräten darf nicht überschritten und ihre Standsicherheit nicht beeinträchtigt werden. Für Lagergeräte muss eine Betriebsanleitung des Herstellers vorliegen, die die für Aufstellung und Betrieb notwendigen Kenndaten und Sicherheitsmaßnahmen enthält.Dazu gehören insbesondere Angaben über die zulässige Nutzlast, Auflast und Stapelhöhe sowie Hinweise auf besondere Gefahren bei der Stapelung. Auflast ist das Gewicht aller auf die unterste Stapeleinheit aufgesetzten Stapeleinheiten. Die Stapelbehälter sind bezüglich ihrer Tragfähigkeit (getrennt nach Nutzlast und Auflast) zu kennzeichnen. Weiter ist der Hersteller, Einführer oder Betreiber und das Baujahr auf dem Lagergerät anzugeben. Stapelbehälter müssen so gestaltet sein, dass sie formschlüssig übereinander gestapelt werden können.

Bei der Betrachtung ist auch, wie zuvor erwähnt, die vorhersehbare Fehlanwendung zu berücksichtigen. Dies könnte z.B. dazu führen, dass leere Behälter unzulässigerweise höher als zweifach gestapelt werden. Sofern dies nicht technisch ausgeschlossen ist, wird eine Kennzeichnung als nicht ausreichend angesehen. Hier muss geprüft werden, wie die Sicherheit auf andere Weise gewährleistet wird. Wir empfehlen die Anforderungen an die Lagergeräte mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde oder dem Fachausschuss "Förder- und Lagertechnik" der BG zu erörtern.