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KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen in einem Büro Altbatterien und Altöl gelagert werden?

KomNet Dialog 6630

Stand: 04.11.2008

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

Dialog
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Frage:

Ich arbeite in einem SB-Warenhaus im Verkauf. In mein Büro (ca. 2 x 2 m) passt nur ganz knapp ein Schreibtisch hinein. Unter diesem Schreibtisch, der offen ist auf allen Seiten, hat man mir in einer Wanne alte Autobatterien, Altöl (in Kanistern) und die Kartuschen für die Wasserfilterkannen hingestellt. In diesem Büro brennt permanent das Licht, da dieses manuell nicht auszuschalten ist. Ich habe Bedenken wegen möglicher Explosionsgefahren und habe mein Anliegen dem Sicherheitsbeauftragten mitgeteilt, der dann meinte, dass er jedem Tag dies Wanne leeren wird, was aber nicht geschieht. Ich wollte nur mal wissen, ob meine Angst bzgl. Explosionsgefahr begründet ist, oder ob ich mich da zu verrückt mache?

Antwort:

Altöle unbekannter Herkunft sind grundsätzlich als brennbare Flüssigkeit eingestuft. Altöle dürfen nicht in einem Arbeitsraum gelagert und schon gar nicht unter den Schreibtisch eines Beschäftigten gestellt oder in einem Büroraum gelagert werden. Die Lagerung muss grundsätzlich in einem Lagerraum in geeigneten Behältnissen erfolgen.
Auch für die Lagerung von Altbatterien ist ein Büro ein ungeeigneter Ort. Batterien enthalten gefährliche Stoffe wie Schwefelsäure, die insbesondere bei Beschädigungen oder beim Umstürzen der Batterien zu Gefährdungen führen.
Auch enthalten die Altbatterien zumeist noch Restspannungen, welche bei einem versehentlichen Kurzschließen der Pole zu Gefährdungen führen. Ein Kurzschluss kann bereits durch einen metallischen Kugelschreiber ausgelöst werden.

Grundsätzlich muss der Arbeitgeber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung die möglichen Gefährdungen ermitteln und die nötigen Schutzmaßnahmen festlegen. Dabei soll er sich von der Sicherheitsfachkraft und dem Betriebsarzt beraten und unterstützen lassen.
Informationen bezüglich des Umgangs mit und des Lagerns von Gefahrstoffen im Handel bieten die von der Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution www.bghw.de (vormals BG Einzelhandel) angebotenen Merkblätter M1 Brennbare Flüssigkeiten und M2 Gefahrstoffe an.

Noch einige Hinweise zum Büroraum:

Mindestanforderungen an Arbeitsstätten, und dazu zählen auch Büroräume, sind in der Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV festgelegt. Danach hat der Arbeitgeber u.a. solche Arbeitsräume bereitzustellen, die eine ausreichende Grundfläche und Höhe sowie einen ausreichenden Luftraum aufweisen (§ 6 ArbStättV i.V.m. Ziffer 1.2 des Anhangs)
Des Weiteren muss die freie unverstellte Fläche am Arbeitsplatz so bemessen sein, dass sich die Beschäftigten bei ihrer Tätigkeit ungehindert bewegen können (Ziffer 3.1 Anhang ArbStättV) und Arbeitsplätze sind in der Arbeitsstätte so anzuordnen, dass Beschäftigte
a. sie sicher erreichen und verlassen können,
b. sich bei Gefahr schnell in Sicherheit bringen können,
c. durch benachbarte Arbeitsplätze, Transporte oder Einwirkungen von außerhalb nicht gefährdet werden.
Für eine Bewertung bezüglich der Mindestraumgröße ist die BGI 650 Bildschirm- und Büroarbeitsplätze - Leitfaden für die Gestaltung heranzuziehen. Dort wird unter Ziffer 7.4.1 ausgeführt: Bei der Planung von Arbeitsplätzen im Sinne dieser Informationen kann davon ausgegangen werden, dass die Fläche je Arbeitsplatz einschließlich allgemein üblicher Möblierung und anteiliger Verkehrsflächen im Mittel nicht weniger als 8 m2 bis 10 m2 betragen wird.

Ein Büroraum mit den Abmaßen 2 m x 2 m entspricht nicht den Mindestanforderungen der ArbStättV.  Ist ein Betriebsrat vorhanden, sollte dieser eingeschaltet werden. Aufgabe des Betriebsrates ist es u.a. darüber zu wachen, dass die zugunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen durchgeführt werden (§ 80 Betriebsverfassungsgesetz).
Ein geeignetes Forum, Probleme des Arbeitsschutzes anzusprechen, ist der Arbeitsschutzausschuss. Die Arbeitnehmer können gegenüber den Mitgliedern des Arbeitsschutzauschusses (Arbeitgebervertreter, Betriebsrat, Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsbeaufragte) anregen, bestimmte Themen im Arbeitsschutzausschuss zu erörtern und das Ergebnis nachfragen. Hinweis auf § 17 Rechte der Beschäftigten des Arbeitsschutzgesetzes:

(1) Die Beschäftigten sind berechtigt, dem Arbeitgeber Vorschläge zu allen Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit zu machen. ...
(2) Sind Beschäftigte auf Grund konkreter Anhaltspunkte der Auffassung, daß die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen und bereitgestellten Mittel nicht ausreichen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten, und hilft der Arbeitgeber darauf gerichteten Beschwerden von Beschäftigten nicht ab, können sich diese an die zuständige Behörde wenden. Hierdurch dürfen dem Beschäftigten keine Nachteile entstehen.