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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen LKW mit fernbedienbaren LKW-Ladekränen mit einer Anlaufsperre ausgerüstet sein?

KomNet Dialog 6547

Stand: 01.04.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Einrichtungen

Dialog
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Frage:

Ein Arbeitsunfall mit einem LKW mit Ladekran veranlasst mich zu folgender Frage: Müssen LKW mit fernbedienbaren LKW-Ladekränen mit einer Anlaufsperre ausgerüstet sein? Der Unfall ereignete sich mit einem LKW, bei dem der hydraulische Antrieb des Ladekrans (Baujahr 1997, Konformitätserklärung vorhanden) im Nebenantrieb des Fahrzeugmotors zugeschaltet ist. Der Ladekran ist mit einer Funk-Fernbedienung ausgestattet, über die sich u. a. der Fahrzeugmotor starten und in seiner Drehzahl regeln lässt. In der Bedienungsanleitung ist ausgeführt, dass bei Kranarbeiten u. a. die Feststellbremse angezogen werden und sich das Fahrgetriebe in Leerlaufstellung befinden muss. Der LKW war mit ausgestelltem Motor und eingelegtem Rückwärtsgang abgestellt. Zur Durchführung von Kranarbeiten startete der Verunfallte per Fernbedienung den Fahrzeugmotor. Daraufhin setzte sich der LKW in Bewegung, fuhr rückwärts und traf auf den Bediener, der leichte Verletzungen erlitt. Der Kraftschluss der Feststellbremse reichte nicht aus, um die Bewegung zu verhindern. Daher zurück zur Eingangsfrage: Gibt es inzwischen Regelungen (z. B. eine harmonisierte Norm), in der eine Anlaufsperre o. ä. gefordert ist, die verhindert, dass der Fahrzeugmotor per Kranfernbedienung gestartet werden kann, wenn sich das Fahrgetriebe nicht in Leerlaufstellung befindet? (Bei vorgenanntem LKW wurde zwischenzeitlich eine solche als Konsequenz des Ereignisses nachgerüstet.)

Antwort:

Anforderungen an kabellose Steuerungen bei Maschinen ergeben sich insbesondere aus der DIN EN 60204-1: 2007-06 Sicherheit von Maschinen - Elektrische Ausrüstung von Maschinen Teil 1: Allgemeine Anforderungen (VDE 0113-1).
Beispielsweise wird hier in Ziffer 9.2.7.2 (Begrenzung der Steuerung) gefordert, dass Maßnahmen getroffen werden müssen, um sicherzustellen, dass die Steuerbefehle nur die beabsichtigten Funktionen bewirken.

Da der geschilderte Fall offensichtlich keine beabsichtigte Funktion darstellt, hätte diese bei der Herstellung bereits durch technische Maßnahmen (z. B. Anlaufsperre) verhindert werden müssen.
Bei der Norm handelt es sich um eine harmonisierte Norm, die auch unter der Maschinerichtlinie gelistet ist.

Zur Erörterung der Thematik im Detail sollte die für die Geräte- und Produktsicherheit zuständige Behörde kontaktiert werden. Für den in der Frage genannten Postleitzahlenbereich ist dies die Bezirksregierung Münster.