Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es für Zytostatika-Kontamination auf Fußböden oder Möbeln etc. Grenzwerte?

KomNet Dialog 6531

Stand: 04.09.2008

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

Dialog
Favorit

Frage:

Gibt es für Zytostatika-Kontamination auf Fußböden oder Möbeln etc. Grenzwerte, die noch akzeptiert werden?

Antwort:

Zytostatika sind Medikamente, die das Wachstum von Krebszellen hemmen und in der Chemotherapie von Tumorerkrankungen eingesetzt werden. Dazu gehört eine Gruppe von Medikamenten, wie z.B. Cyclophosphamid, Melphalan, Methotrexat, 5-Fluoruracil, Vinblastin und Cisplatin. Aufgrund ihrer gentoxischen Eigenschaften werden diese Medikamente gemäß § 4 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 905 in die Gruppe der krebserzeugenden (canzerogenen), erbgutverändernden (mutagenen) und fortpflanzungsgefährdenden (reproduktionstoxischen) Arzneimittel (CMR-Arzneimittel) eingestuft.
Beim Umgang mit Zytostatika in Einrichtungen zur humanmedizinischen Versorgung, wie z.B. in Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken, sind daher umfangreiche technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen, die in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 525 beschrieben sind, zu treffen, um eine Exposition der Beschäftigten mit Zytostatika zu vermeiden bzw. zu begrenzen. Weitere Hinweise können Sie der folgenden Seite entnehmen: http://www.gaa-m-l.bayern.de/aktuelles/zytostatika.htm.
Die Herstellung von Zytostatika-Zubereitungen ist daher an Sicherheitswerkbänken durchzuführen, die bestimmten Mindestanforderungen genügen müssen und neben dem Produktschutz ausreichenden Personenschutz bieten. Von den Beschäftigten sind die dazu bestimmten persönlichen Schutzausrüstungen, wie z.B. Schutzhandschuhe und Arbeitskittel, gegebenenfalls auch Schutzbrille und Atemschutzmaske zu tragen.
Über die trotz des Arbeitens in geschlossenen Systemen und strikten Sicherheitsmaßnahmen immer noch auftretenden Kontaminationen von Räumen, Mobiliar und Fußböden wurden von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) – Internet: http://www.bgw-online.de – umfangreiche Untersuchungen in der „Monitoring-Effekt-Studie für Wischproben in Apotheken“ (MEWIP) durchgeführt (Umgebungsmonitoring). Ergebnisse dieser Studie und weitere Informationen können unter http://www.bgw-online.de/internet/generator/Inhalt/OnlineInhalt/Medientypen/Fachartikel/MEWIP.html abgerufen werden. Unter http://www.bgw-online.de/internet/generator/Inhalt/OnlineInhalt/Medientypen/bgw_20themen/M620__Zytostatika__im__Gesundheitsdienst.html ist auch die aktuelle, neu überarbeitete Arbeitshilfe „Zytostatika im Gesundheitsdienst“ (M620) vom April 2008 erhältlich.
Die Wischproben werden anschließend auf Zytostatika, wie z.B. Cyclophosphamid, Ifosfamid, 5-Fluorouracil und Cisplatin, untersucht. Damit werden Hinweise auf die Freisetzung von Zytostatika im Arbeitsbereich gewonnen, zum Beispiel durch Leckagen, Störungen der Lüftungstechnik oder unpräzise Arbeitsweise. Wird keine Verunreinigung festgestellt, kann eine Gefährdung der Beschäftigten in diesem Bereich ausgeschlossen werden. Grenzwerte bei Tätigkeiten mit Zytostatika gibt es jedoch nicht, wie bei den meisten krebserzeugenden und erbgutverändernden Stoffen. Eine Bewertung der Kontamination kann daher auch keine Auskunft über ein konkretes Risiko für die Beschäftigten geben.
Vielmehr liefert der Vergleich mit anderen Zytostatika-Zubereitung herstellenden Apotheken oder onkologischen Stationen die Erkenntnis, ob die gemessene Verunreinigung über dem Durchschnitt liegt und daher entsprechende Schutzmaßnahmen nötig sind. Ganz im Sinne der nach § 7 GefStoffV durchzuführenden Gefährdungsbeurteilung und der auf Grundlage dieser Gefährdungsbeurteilung festzulegenden Schutzmaßnahmen der §§ 8 bis 11 GefStoffV ist eine Wirksamkeitskontrolle damit auch ohne gesetzlich festgelegte Grenzwerte durchführbar.