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Fallen die Rotorblätter einer Windenergieanlage in den Anwendungsbereich der Richtlinien 98/37/EG bzw. der 2006/42/EG?

KomNet Dialog 6511

Stand: 01.02.2008

Kategorie: Sichere Produkte > Rechts- und Auslegungsfragen (2.) > Fragen zur Maschinenverordnung und MaschRL

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Frage:

Fallen die Rotorblätter einer Windenergieanlage in den Anwendungsbereich der Richtlinien 98/37/EG bzw. der 2006/42/EG? Meines Erachtens ist dies nicht der Fall, da es sich weder um auswechselbare Ausrüstung noch um eine unvollständige Maschine handelt, denn bei dem Blatt selbst bewegt sich ja nichts. Daher wäre eine Herstellererklärung doch überflüssig. Ist diese Auffassung richtig?

Antwort:

Die Richtlinie 2006/42/EG (Maschinenrichtlinie) definiert Maschinen als eine mit einem anderen Antriebssystem als der unmittelbar eingesetzten menschlichen oder tierischen Kraft ausgestattete oder dafür vorgesehene Gesamtheit miteinander verbundenen Teile oder Vorrichtungen, von denen mindestens eines bzw. eine beweglich ist und für eine bestimmte Anwendung zusammengefügt sind.

Dies gilt ebenso für Maschinen, die in andere Maschinen eingebaut oder mit anderen Maschinen zu einer Maschine zusammengefügt werden sollen und für sich genommen keine bestimmte Funktion erfüllen können (unvollständige Maschinen). Erfüllen Rotorblätter diese Bedingungen nicht, so werden sie nicht vom Anwendungsbereich der RL 2006/42/EG erfasst. Die Rotorblätter sind dann weder auswechselbare Ausrüstungen, mit denen die Funktion einer Maschine verändert wird, noch sind sie unvollständige Maschinen. Sie stellen in diesem Fall lediglich Bauteile dar, die für den Zusammenbau der Maschinen „Windenergieanlagen“ vorgesehen sind. Konformitätserklärungen oder Einbauerklärungen sind demnach für derartige Rotorblätter nicht erforderlich.

Anders verhält es sich bei Rotorblättern, die zur Einstellung des optimalen Betriebspunktes einzeln in ihrer Winkelstellung, z. B. elektro-hydraulisch, bewegt werden können (Pitchverstellung). Diese Rotorblätter erfüllen fast die Voraussetzungen einer Maschine. Für sich betrachtet können sie keine Funktion erfüllen. Sie müssen erst in die unvollständige Maschine „Windenergieanlage“ eingebaut werden. Diese Rotorblätter stellen demnach unvollständige Maschinen dar, denen beim Inverkehrbringen Montageanleitungen und Einbauerklärungen beizufügen sind, die anschließend Teil der technischen Unterlagen der vollständigen Maschine „Windenergieanlage“ sind.