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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Farbe muss ein Not-Aus-Knopf an einem portablen Steuergerät haben?

KomNet Dialog 6500

Stand: 12.09.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

Dialog
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Frage:

Im unserem Werkzeugbau werden Pressen mit portablen Steuergeräten betrieben. Die Geräte werden mit einem Systemstecker an der entsprechenden Presse eingesteckt. Auf dem portablen Steuergerät befindet sich ein Nothalt-Knopf entsprechend der DIN 60204-1. Nun kam folgende Fragestellung auf: Ist es erlaubt an einem portablen Gerät die NOT-Aus Funktion mit rotem Knopf auf gelbem Grund auszustatten oder muss der Knopf durch einen blauen Knopf (Fahrschalter) ersetzt werden Begründung: a.) wenn das Gerät nicht angeschlossen ist, ist der NOT-AUS nicht aktiv b.) die `Ortsveränderbarkeit` kann zu Fehlfunktionen, Defekten oder fehlerhaftem Anschliessen führen. Gibt es hierzu eine Bewertung? Gibt es für Umrüstmaßnahmen einen `Bestandschutz` für Geräte, die ca. 15 Jahre alt sind?

Antwort:

1. Grundsätzlich sollte der Begriff NOT-HALT verwendet werden. Dieser beschreibt das Stillsetzen im Notfall. Wenn die Gefährdungen hauptsächlich durch elektrische Energie hervorgerufen werden, kann dann sinngemäß eine Not-Aus Funktion (Ausschalten der Energie im Notfall) verwendet werden.

2. Jede Maschine muss mit dieser Funktion ausgestattet sein (außer Maschinen, bei denen ein Not-Halt das Risiko nicht verringern würde und von Hand tragbare und handgeführte Maschinen). Neue Maschinen aufgrund der Maschinenrichtlinie (ab 1998), und sogenannte Altmaschinen aufgrund der Anforderungen des Anhangs I der Betriebssicherheitsverordnung.

3. Die Befehlsgeräte (Not-Halt Geräte) müssen eine ROTE HANDHABE auf GELBEN HINTERGRUND aufweisen. Andere Farbkombinationen sind nicht normgerecht. Siehe DIN-EN 60204-1 (2007) bzw. Entwurf 2008 sowie DIN-EN-ISO 13850 (2006) Not-Halt Einrichtungen bzw. Entwurf 2008) 
"4.4.5 Das Not-Halt-Stellteil muss rot sein. Soweit ein Hintergrund hinter dem Stellteil vorhanden und soweit es durchführbar ist, muss dieser gelb sein"

4. An jede Bedienstelle, also auch an den angegebenen „Steuergeräte“ sind Not-Halt Befehlsgeräte (Geräte) erforderlich. (Maschinenrichtlinie und DIN-EN-ISO 13850 (2006)) 
" 4.4.2 Ein Not-Halt-Gerät muss an jedem Bedienstand angebracht sein, ausgenommen, wo die Risikobeurteilung ergibt, dass dies nicht notwendig ist. Zusätzlich muss ein Not-Halt-Gerät an Stellen angebracht werden, die sich aus der Risikobeurteilung ergeben. Es muss so angeordnet sein, dass es durch die Bedienperson und andere, für die es notwendig sein kann, es zu betätigen, leicht zu erreichen und gefahrlos zu betätigen ist. Maßnahmen gegen unbeabsichtigtes Betätigen sollten die Zugänglichkeit nicht beeinträchtigen."

5. Weiterhin wird in der DIN-EN-ISO 13850 gefordert:
"Wenn Not-Halt-Geräte getrennt werden können (z. B. tragbare Programmiergeräte), oder wenn Teilbereiche einer Maschine abgeschaltet werden können, sollte dafür gesorgt werden, Verwechslungen zwischen wirksamen und nicht wirksamen Befehlsgeräten zu vermeiden."

Dies kann durch verschiedene Maßnahmen realisiert werden :
- unbenutzte Bedien- oder Zweihandpulte (Steuergeräte in der Anfrage) entfernen und uneinsehbar lagern (abschliessen!)
- Leitungslängen der Bedien- oder Zweihandpulte auf das betrieblich notwendige Mindestmaß beschränken

zusätzlich erforderlich :
- Regelmäßige Unterweisung der Mitarbeiter
- Eventuelle Unterweisung von Fremdpersonal

6. Die Ortsveränderbarkeit darf nicht dazu führen, dass Fehler die Funktion der Not-Halt Einrichtungen beeinträchtigen oder unwirksam machen. (Anforderung der Maschinenrichtlinie, der Betriebssicherheitsverordnung, sowie der anzuwendenden Normen DIN-EN 6024-1 (2007) und DIN-EN-ISO 13850 (2006).
Es müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden wie (beispielsweise):
- Verwendung von unverwechselbaren Steckvorrichtungen
- Verwendung von querschlusserkennende Maßnahmen (2-Kanalige Not-Halt Kreise mit unterschiedlichen Spannungen - Handelsübliche Not-Halt Schaltgeräte)
- Verwendung von geerdeten geschirmten Leitungen zur Querschlusserkennung
- Verwendung von geeigneten Schutzschläuchen um mechanische Beschädigungen zu vermeiden.
- etc.

7. Grundsätzlich gibt es keinen „Bestandschutz“. Diese ist eine weit verbreitete falsche Annahme. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) lässt hierzu keinen Spielraum für Interpretationen zu :

"§ 3 GRUNDPFLICHTEN DES ARBEITGEBERS
(1) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben."  

Ziffer 2.4 Anhang 1 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV):
"2.4 Kraftbetriebene Arbeitsmittel müssen mit mindestens einer Notbefehlseinrichtung versehen sein, mit der gefahrbringende Bewegungen oder Prozesse möglichst schnell stillgesetzt werden, ohne zusätzliche Gefährdungen zu erzeugen.
Ihre Stellteile müssen schnell, leicht und gefahrlos erreichbar und auffällig gekennzeichnet sein.
Dies gilt nicht, wenn durch die Notbefehlseinrichtung die Gefährdung nicht gemindert werden kann, da die Notbefehlseinrichtung entweder die Zeit bis zum normalen Stillsetzen nicht verkürzt oder es nicht ermöglicht, besondere, wegen der Gefährdung erforderliche Maßnahmen zu ergreifen."