Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Welche Tätigkeiten sind für eine schwangere Bauingenieurin im Bereich der Stadtentwässerung noch zulässig?

KomNet Dialog 6487

Stand: 09.09.2014

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
Favorit

Frage:

Ich bin Bauingenieurin und arbeite bei der Stadtentwässerung. Ich würde gerne genau wissen, welche Tätigkeiten bei einer Schwangerschaft für mich noch zulässig sind. Tätigkeiten: Ich plane und betreue Baumaßnahmen (Bauleitung)im Bereich der städtischen Kanalisation. Ich kümmere mich um die Unterhaltung und Instandsetzung der vorhandenen abwassertechnischen (Kanalisation/Pumpstationen) Anlagen. Alle 4-6 Wochen nehme ich am Bereitschaftsdienst für die Stadtentwässerung teil. Der Bereitschaftsdienst geht eine Woche jeden Tag 24 Stunden. Der Bereitschaftsdienst kümmert sich um alle Belange einer ordnungsgemäßen Ableitung der städtischen Abwässer bei Störfällen (Kanaleinbruch, Ausfall von Pumpstationen, Ölunfälle etc) Zu Info: Die abwassertechnischen Anlagen sind laut BioStoffV in Zone 2 eingeteilt.

Antwort:

Die mutterschutzrechtlichen Vorschriften wie das Mutterschutzgesetz (MuSchG) und die Mutterschutzarbeitsplatzverordnung (MuSchArbV) treffen keine Regelungen über erlaubte Tätigkeiten. Vielmehr werden Festlegungen zu Beschäftigungsverboten und Verboten der Mehrarbeit getroffen. 

Diese mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbote und Verbote der Mehrarbeit führen dazu, dass in der Abwasserwirtschaft wegen der Schwere der Arbeit, der Gefährdungen sowie der Unfallgefahr viele Tätigkeiten von Schwangeren nicht mehr ausgeübt werden können. Nach § 1 Absatz 1 MuSchArbV ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine rechtzeitige Beurteilung der Arbeitsbedingungen für jede Tätigkeit der werdenden Mutter durchzuführen. Das ist die sogenannte Gefährdungsbeurteilung. Bei Tätigkeiten in der Abwasserwirtschaft können insbesondere folgende Gefährdungen eine Rolle spielen:
- Mehrarbeit, Nachtarbeit, Sonn- und Feiertagsarbeit
- Heben und Tragen von Lasten
- Hitze, Kälte, Nässe
- Lärm z. B. durch Maschinen
- Gefahrstoffe z. B. beim Umgang mit Chemikalien und Gasen
- Biostoffe - Gefahr von Infektionen z. B. durch: - Hepatitis-A-Viren (Abwasser, Klärschlamm, Rechengut), Leptospiren, Hanta-Virus (Nagetiere,Schimmelpilzsporen, Actinomyceten (organische Stäube, Tetanussporen (Erdreich, Stäube);
Siehe auch die DGUV-Information 203-D63 (bisher: GUV-I 8755) "Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz in der Abwasserentsorgung". Diese sowie weitere von der DGUV herausgegebene Informationen und Regelungen zu abwassertechnischen Anlagen finden Sie unter www.dguv.de/publikationen , Suchwort: "Abwasser"

Bei der Gefährdungsbeurteilung müssen die vorhandenen Gesundheitsgefahren in ihrer Komplexität personen- und tätigkeitsbezogen beurteilt werden und, falls erforderlich, sind notwendige Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Konkret bedeutet dies, dass der Arbeitgeber sofort nach der Mitteilung der Schwangerschaft die konkreten Arbeitsbedingungen und Ihr Tätigkeitsspektrum auf die möglichen Gefährdungen überprüfen muss. Ziel ist es, solche Tätigkeiten zu ermitteln, die ohne unvertretbare Risiken weiterhin ausgübt werden können.

Dazu gehören z. B. administrative und organisatorische Tätigkeiten, aber auch Aufsichtstätigkeiten, Begehungen etc., soweit am Arbeitsplatz keine relevanten Gefahren bestehen. Natürlich müssen diese Tätigkeiten auch auf ihr Gefahrenpotential geprüft werden, bzw. wenn es erforderlich ist, sollen Schutzmaßnahmen angeordnet werden wie z. B. das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (Handschuhe, Kittel, Gummistiefel etc.) beim möglichen Kontakt mit Abwasser. Die Umgestaltung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsplatzes sowie die Änderung von Arbeitsabläufen haben Vorrang vor Beschäftigungsbeschränkungen bzw. Beschäftigungsverboten.

Abschließend möchten wir nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass im konkreten Einzelfall die Ermittlung der auf die Tätigkeit zutreffenden Beschäftigungsverbote bzw. die Bestimmung der einzelnen erlaubten Tätigkeiten und Arbeitsbereiche Aufgabe des Arbeitgebers ist und dieses nicht pauschal beantwortet werden kann. Dabei soll sich der Arbeitgeber vom Betriebsarzt und von der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, werdende oder stillende Mütter sowie die übrigen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen, und wenn ein Betriebs- oder Personalrat vorhanden ist, diesen über die Ergebnisse der Beurteilung nach § 1 MuSchRiV und über die zu ergreifenden Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu unterrichten, sobald das möglich ist (§ 2 MuSchRiV).

Weitere Informationen mit Links zu den entsprechenden Rechtsvorschriften bietet die Arbeitsschutzverwaltung NRW an:
http://www.arbeitsschutz.nrw.de/themenfelder/mutterschutz/index.php