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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen bei Trachealabsaugungen immer Schutzbrille und Mundschutz als PSA getragen werden?

KomNet Dialog 6463

Stand: 01.09.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Benutzung von PSA

Dialog
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Frage:

Müssen bei Trachialabsaugungen von beatmeten Patienten immer Schutzbrille und Mundschutz getragen werden, oder ist dies nur vorgesehen bei Verdacht auf infektiöse Patienten?

Antwort:

Die entsprechenden Anforderungen können der GUV-Regel 250 / TRBA 250 "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege" entnommen werden:
Danach sind gemäß der Biostoffverordnung Tätigkeiten in Abhängigkeit der von ihnen ausgehenden Gefährdungen einer Schutzstufe zuzuordnen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen. Dabei müssen neben den allgemein vorhandenen Infektionsgefährdungen die in bestimmten Bereichen vorhandenen spezifischen Gefährdungen berücksichtigt werden. Zu beachten ist, dass die konkrete Expositionssituation für den einzelnen Versicherten vom Arbeitsbereich und den von ihm ausgeführten Tätigkeiten abhängt.

"Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zum Kontakt mit Körperflüssigkeiten, -ausscheidungen oder -gewebe kommen kann, sodass eine Infektionsgefährdung durch Erreger der Risikogruppe 2 bzw. 3** bestehen kann, sind in der Regel der Schutzstufe 2 zuzuordnen. Tätigkeiten, die der Schutzstufe 2 zugeordnet werden, sind z. B.: Intubation, Extubation, Absaugen respiratorischer Sekrete, usw."

"Bei Tätigkeiten mit Körperflüssigkeiten und -ausscheidungen, die bekanntermaßen Krankheitserreger der Risikogruppe 3** enthalten, ist anhand der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob eine Zuordnung der Tätigkeiten zur Schutzstufe 2 möglich oder ob eine Zuordnung zur Schutzstufe 3 erforderlich ist." (Nr. 3.2 TRBA 250)

Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten der Schutzstufe 2 sind immer die Schutzmaßnahmen der Schutzstufe 1 und zusätzlich folgende persönliche Schutzausrüstungen erforderlich (Nr. 4 TRBA 250):
"– feste, flüssigkeitsdichte und allergenarme Handschuhe zum Desinfizieren und Reinigen benutzter Instrumente, Geräte und Flächen; die Handschuhe müssen beständig gegenüber den eingesetzten Desinfektionsmitteln sein,
– flüssigkeitsdichte und allergenarme Handschuhe mit verlängertem Schaft zum Stulpen für Reinigungsarbeiten, damit das Zurücklaufen der kontaminierten Reinigungsflüssigkeit unter den Handschuh verhindert wird,
– Baumwoll-Unterziehhandschuhe für Tätigkeiten mit längerer Tragezeit,
– flüssigkeitsdichte Schürzen, wenn damit zu rechnen ist, dass die Kleidung durchnässt wird,
– flüssigkeitsdichte Fußbekleidung, wenn mit Durchnässen des Schuhwerks zu rechnen ist,
Augen- oder Gesichtsschutz, wenn mit Verspritzen oder Versprühen infektiöser oder potenziell infektiöser Materialien oder Flüssigkeiten zu rechnen ist und technische Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz darstellen.

Zusätzlich zu den übrigen persönlichen Schutzausrüstungen sind den Versicherten im Fall der Möglichkeit einer aerogenen Übertragung von biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 3 als Atemschutzgeräte mindestens Partikel filtrierende Halbmasken FFP2 zur Verfügung zu stellen. Bei der Benutzung ist auf den korrekten Dichtsitz der Halbmaske zu achten."

"4.3.5 Falls eine aerogene Übertragung von Viren der Risikogruppe 3 nicht ausgeschlossen werden kann, sind Partikel filtrierende Halbmasken FFP3 erforderlich. Dies kann z.B. bei der Behandlung von an Tropenkrankheiten erkrankten Patienten der Fall sein.
4.3.6 Das Tragen von Partikel filtrierenden Halbmasken FFP2 ist z.B. erforderlich beim Behandeln von mit Coxiella burnetii infizierten Tieren (Q-Fieber). Siehe auch Epidemiologisches Bulletin Nr. 26/2001 des Robert-Koch-Institutes. Ein weiteres Beispiel eines Infektionserregers der Risikogruppe 3 in der Veterinärmedizin stellt Chlamydia psittaci dar (Erreger der Ornithose, „Papageienkrankheit“).
Auf den Beschluss 608 des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) „Empfehlung spezieller Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Infektionen durch den Erreger der klassischen Geflügelpest“ wird hingewiesen."

Sofern Patienten abgesaugt werden müssen, bei denen keine besondere Infektionserkrankung vorliegt, ist Atemschutz im Regelfall nicht notwendig. Sollte eine Absaugung aber aufgrund eines Infektes mit einem auch für Gesunde pathogenen Keim der Risikogruppe 3 notwendig sein, dann ist PSA in Form von Atemschutz (Chirurgen-Maske ist nicht ausreichend) erforderlich. Notwendig wären dann mindestens FFP2-Masken.