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KomNet-Wissensdatenbank

Wie kann die Notwendigkeit bodennaher Leitsysteme ermittelt werden?

KomNet Dialog 6452

Stand: 01.08.2008

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Beleuchtung und Kennzeichnung von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

BGR 216 Optische Sicherheitsleitsysteme. Dort wird gefordert, dass bodennahe Leitsysteme immer dann gefordert werden, wenn mit einer starken Verrauchung zu rechnen ist.Diese Forderung gilt neben der Forderung nach einer Notbeleuchtung. Wie kann die Notwendigkeit ermittelt werden ? Gibt es einfache Hilfen um den Einsatz bodennaher Systeme zu begründen oder muß eine aufwändige (und teure) Rauchausbreitungsberechnung durchgeführt werden ?

Antwort:

Sicherheitsleitsysteme sind durchgehende Leitsysteme, die mit Hilfe optischer Markierungen, Sicherheitszeichen, Richtungsangaben usw. einen sicheren Fluchtweg vorgeben. Grundsätzlich sind dies bodennahe Systeme, welche als Ergänzung zu hoch montierten Sicherheitszeichen und zur Sicherheitsbeleuchtung verwendet werden. Diese Leitsysteme können bodennahe lichtspeichernde oder bodennahe elektrisch betriebene Komponenten haben und im Einzelfall auch richtungsvariabel sein.

Erläuterungen zur Anwendung und Anforderungen zu Sicherheitleitsystemen werden in der Nr. 7.2 der Handlungshilfe zur Beleuchtung von Arbeitsstätten (LASI-LV 41) http://lasi.osha.de/docs/lv41.pdf gegeben:

"Sicherheitsleitsysteme dürfen nur in Verbindung mit einer Sicherheitsbeleuchtung ausgeführt werden. Diese sind im Regelfall bodennah anzubringen, um bei möglicher Rauchentwicklung wirksam zu bleiben.
Der Einsatz von bodennahen Sicherheitsleitsystemen kann z. B. erforderlich sein
- wenn Materialien vorhanden sind, die im Brandfall stark Rauch entwickeln können
- bei unübersichtlicher oder mehrgeschossiger Bauweise mit großer Personenbelegung. Anwendungsfälle können sein: Krankenhäuser, Altenheime, Bahnhofsgebäude, Einkaufszentren, Veranstaltungsstätten ohne Tageslicht, Flughäfen, U-Bahnanlagen, Hotels.
Die Planung eines Sicherheitsleitsystems sollte durch einen Sachkundigen anhand einer Gefährdungsbeurteilung vorgenommen werden.

Sicherheitsleitsysteme können bodennahe lichtspeichernde (2.38) oder bodennahe elektrisch betriebene (2.39) Systeme sein. In der Regel ist die Anwendung von lichtspeichernden Systemen, z. B. langnachleuchtende Systeme, ausreichend.

In Gebäuden mit erhöhter Gefährdung (große zusammenhängende oder mehrgeschossige Gebäudekomplexe, hoher Fremdpersonenanteil oder hoher Personenanteil mit geringer Mobilität) sollten bodennahe elektrisch betriebene Sicherheitsleitsysteme errichtet werden, da diese wegen der höheren Leuchtdichte besser erkennbar sind.

Bei außergewöhnlicher Gefährdung kann zusätzlich ein richtungsvariables Sicherheitsleitsystem (2.40) erforderlich sein, welches bei einem erkannten Brandherd bei Bedarf die vorgegebene Fluchtrichtung ändern kann. Das kann aufgrund der Gefährdungsbeurteilung beispielsweise bei großen Flughafengebäuden, Großkliniken, großen Einkaufscentern erforderlich sein."

Neben der BGR 216werden unter Nr. 7 der Arbeitsstättenregel ASR A 2.3 grundsätzliche Aussagen zu Sicherheitsleitsystemen getroffen. Die Fragenliste des Anhangs 1 der BGR 216 kann zur Ermittlung der Notwendigkeit bodennaher Leitsysteme herangezogen werden. 

Wir empfehlen, für den Einzelfall bei der zuständigen Brandschutzdienststelle und der zuständigen Arbeitsschutzbehörde anzufragen.

Stand: August 2008