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KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen Drahtziehmaschinen in der Pause ohne Aufsicht laufen?

KomNet Dialog 6404

Stand: 01.03.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > angrenzende Bereiche > Sprengstoffe, Pyrotechnik

Dialog
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Frage:

Dürfen Drahtziehmaschinen in den Pausen ohne Aufsicht durchlaufen? Die Coils sind eingezäuhnt und die Maschinen weitgehend auch. Sicherlich wird das von der Gefährdungsbeurteilung abhängen, oder? Der Bereich als solches ist zwar unter anderem als Lärmbereich gezeichnet und auf einer Seite mit einer rot-weissen Absperrkette gezeichnet, dennoch kann hier eigentlich jeder entlang laufen, da sich in etwa 30 m Entfernung der Umkleideraum befindet und ebenfalls der Pausenraum für die Bedienmannschaft von den Drahtziehanlagen. Die beschweren sich jedoch bereits:`Wie können wir in Ruhe Pause machen, wenn draußen die Maschine läuft? Aus Angst, es könnte etwas passieren, ist ein geistiges Abschalten nicht möglich!` Zudem ist es im Pausenraum auch noch etwas laut. so zwischen 54-58 dB. Was könnte man tun, um einerseits dem Wunsch der Firma (Produktionssteigerung) andererseits aber auch dem Wunsch der Belegschaft(Lärm,Angst) nachzukommen? Ist der unbeaufsichtigte Betrieb solcher Anlagen überhaupt erlaubt?

Antwort:

Für das Bedienen bzw. Benutzen von Drahtziehmaschinen ist die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) relevant und es müssen die für die Bereitstellung von Arbeitsmitteln durch den Arbeitgeber sowie für die Benutzung von Arbeitsmitteln durch Beschäftigte bei der Arbeit geltenden Bestimmungen beachtet werden. Im Anhang 2, Nr. 2.2 der BetrSichV ist festgelegt, dass die Arbeitsmittel nicht für Arbeitsgänge und unter Bedingungen eingesetzt werden, für die sie entsprechend der Betriebsanleitung des Herstellers nicht geeignet sind. Weiter muss während der Benutzung (Betrieb) soweit wie möglich Mängelfreiheit gewährleistet werden (Nr. 2.4). Dies wird im Regelfall durch eine ständige Aufsicht gewährleistet.

Sofern die Maschine mit ausreichend großen und stabilen Schutzvor- bzw. einrichtungen versehen sind, die verhindern, dass Werkstücke herausgeschleudert werden (vergleiche Nr. 2 Anhang 1 BetrSichV), der Gefahrenbereich insbesondere für andere anwesende Personen erkennbar und nicht betretbar ist und die Maschine bei einer Störung, die im Regelfall ein sofortiges Eingreifen des Bedieners bedürfen, selbsttätig in einen sicheren Zustand fährt, ist ggf. eine Betrieb ohne Aufsicht gemäß der Herstellerdokumentation möglich. Die entsprechenden Vorgaben sind in einer Maschinenbetriebsanweisung zusammenzufassen und im Rahmen der Unterweisung zu schulen.

Nr. 2.1 der BGR 500 "Betreiben von Arbeitsmitteln" Kapitel 2.1 "Betreiben von Anlagen zur Drahtbe- und -verarbeitung" fordert vom Unternehmer, dass er dafür zu sorgen hat, "dass sich vor Beginn einer jeden Schicht oder, wenn dies aus fertigungstechnischen Gründen nicht möglich ist, mindestens vor jedem Einrichten eine mit den Schutzeinrichtungen vertraute Person von deren ordnungsgemäßer Wirkungsweise überzeugt. Zu den mit den Schutzeinrichtungen vertrauten Personen gehören z. B. die an der Maschine tätigen Personen."

Hinweis: Gemäß den Vorschriften der Unfallversicherungsträger (BGR A1 "Grundsätze der Prävention") werden Arbeiten an Maschinen mit ungeschützten, sich bewegenden Maschinenteilen als sicherheitsrelevante Tätigkeiten eingestuft. Das Arbeiten umfasst auch das Bedienen und Beobachten. 

Grundsätzlich können bessere Maschinenauslastungen durch andere Arbeitszeitmodelle erreicht werden. Neben der Einrichtung von Schichtmodellen können auch zeitversetzte Pausenkorridore vereinbart werden, so dass ein Mitarbeiter während der Pause des zweiten Mitarbeiters die Aufsicht über dessen Anlage mit übernimmt.