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KomNet-Wissensdatenbank

Muss beim Schleifen von Chrom- und Nickellegierungen eine Staubabsaugung angebracht werden?

KomNet Dialog 6324

Stand: 31.01.2008

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

In unserer Zerspanung werden direkt an den Fräszentren vorher bearbeitete Werkstücke aus Edelstählen (ca. 300 verschiedene Legierungen) mit div. Werkzeugen entgratet, u.a. kommen aber auch elektrische Schleifwerkzeuge zum Einsatz. Die Mitarbeiter sind zum Teil die volle Schicht mit diesen Arbeiten beauftragt. Es fallen bei diesen Arbeiten nur geringe Mengen an Staub an. Ist es notwendig, an diesen Arbeitsplätzen aus Gründen des Gesundheitsschutzes wegen der Chrom- und Nickel-Legierungsbestandteile eine Staubabsaugung anzubringen. Wenn ja, sind Anbieter für mobile Absauglösungen am Markt oder müssten wir stationäre Anlagen (Kabinen, Schleifstände) installieren, was uns Logistisch große Probleme bereiten würde? Wo liegen die Grenzwerte bei den Legierungszusätzen von Nickel und Chrom? Ich habe vor kurzem gehört, dass diese Materialien in Verdacht stehen Krebs zu erregen!

Antwort:

Der Arbeitgeber hat die Arbeitsbedingungen nach § 5 "Beurteilung der Arbeitsbedingungen" des Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) i. V. m. § 6 "Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) zu ermitteln und zu beurteilen. Die Arbeitsbedingungen bei der Freisetzung von Gefahrstoffen - hier Metallstäube - hat der Arbeitgeber nach folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen:
1. Gefährliche Eigenschaften der Stoffe und Gemische,
2. Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz und zu Sicherheit insbesondere im Sicherheitsdatenblatt nach § 5 "Sicherheitsdatenblatt und sonstige Informationspflichten" der GefStoffV,
3. Ausmaß, Art und Dauer der Exposition unter Berücksichtigung aller Expositionswege,
4. physikalisch-chemische Wirkungen,
5. Möglichkeiten einer Substitution,
6. Arbeitsbedingungen und Verfahren, einschließlich der Arbeitsmittel und der Gefahrstoffmenge,
7. arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte,
8. Wirksamkeit der getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen,
9. Schlussfolgerungen aus arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen.

ChromIV-Verbindungen sind wie folgt eingestuft: Car. Cat. 2.
Demnach sind grundsätzlich zusätzlich die besonderen Schutzmaßnahmen nach § 10 "Besondere Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen" vom Arbeitgeber zu ergreifen. Bei Chrom(IV)verbindungen in Zubereitungen (Legierungen) ist eine Einstufung nach R 45 „Kann Krebs erzeugen“ ab einer Konzentration >= 1 % gegeben.

Nickel ist wie folgt eingestuft: Car. Cat. 3, "Verdacht auf krebserzeugende Wirkung“.

Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen, nachdem eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen wurden (§ 7 "Grundpflichten" der GefStoffV).