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Muss ein Hallenkran für zukünftige Transporte von flüssigen Massen nach der 2/3 Regelung bzw. mit einer zweiten Bremse nachgerüstet werden?

KomNet Dialog 6212

Stand: 04.10.2011

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Sonstige Anlagen

Dialog
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Frage:

Muss ein Hallenkran (derzeit 11 TOnnen Tragfähigkeit) ohne zweite Bremse für zukünftige Transporte von flüssigen Massen (flüssiges Aluminium in verschlossenen Tiegeln, ca. 6 Tonnen) nach der 2/3 Regelung bzw. mit einer zweiten Bremse umgebaut werden?

Antwort:

Anforderungen an ältere Maschinen (Maschinen vor Inkrafttreten der Maschinenrichtlinie) ergeben sich aus Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV (siehe § 7 (2) BetrsichV). Folgende Ziffern aus Anhang 1 BetrSichV sind relevant:

Ziffer 2.5: Ist beim Arbeitsmittel mit herabfallenden oder herausschleudernden Gegenständen zu rechnen, müssen geeignete Schutzvorrichtungen vorhanden sein. 

Ziffer 3.2.3 : Arbeitsmittel zum Heben von Lasten müssen insbesondere verhindern, dass die Lasten
a) sich ungewollt gefährlich verlagern oder im freien Fall herabstürzen oder
b) unbeabsichtigt ausgehakt werden. 

Nach Anhang 2 Ziffer 4.1.1 der BetrSichV dürfen hängende Lasten nicht über ungeschützte Arbeitsplätze geführt werden und sich keine Beschäftigten unter hängenden Lasten aufhalten. Sofern im Rahmen des reibungslosen Ablaufs der Arbeiten, die Anwesenheit von Beschäftigten unter hängenden Lasten nicht vermieden werden kann, sind geeignete Maßnahmen festzulegen und anzuwenden. Hierbei dürfen kraftschlüssig wirkende Lastaufnahmemittel nicht verwendet werden.

Weiterhin sind die Vorschriften und Regeln der Unfallversicherungsträger zu beachten. Relevant ist hier z.B. die BGV D 6 - Krane. Krane müssen so eingerichtet sein, dass ihre kraftbetriebenen Fahr- und Drehbewegungen abgebremst und ungewollte Kranbewegungen verhindert werden können (§ 14 Abs. 1).  Die Durchführungsanweisung (DA) zu § 14  BGV D 6 ergänzt dazu: "Die Forderung des Abbremsens ist z.B. erfüllt, wenn die Bewegungen durch Bremsen oder Selbstverzögerung zum Stillstand kommen (siehe auch VDI-Richtlinie 2397 "Auswahl der wirtschaftlichen Arbeitsgeschwindigkeiten von Brückenkranen"). Diese Forderung ist z.B. erfüllt, wenn ungewollte Kranbewegungen durch Bremsen, Feststellvorrichtungen oder Schienenzangen verhindert werden, deren Wirksamkeit rechnerisch nachgewiesen ist (siehe DIN 15018, DIN 15019)."

Der Arbeitgeber hat im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz bzw. der Betriebssicherheitsverordnung zu ermitteln, ob die Maschine (Arbeitsmittel) die Anforderungen, die an die Beschaffenheit gestellt werden, entsprechen (siehe § 7 BetrSichV). In wieweit Sicherheitseinrichtungen an Ihrem Kran anzubringen sind, ist im jeweiligen Einzelfall durch den Arbeitgeber zu ermitteln.

Wir empfehlen die aktuell gültigen Anforderungen mit dem zuständigen Fachausschuss abzuklären. Den Fachausschuss "Maschinenbau, Hebezeuge, Hütten- und Walzwerksanlagen"  (FA MHHW) erreichen sie unter http://www.dguv.de/dguv-test/de/adressen/index.jsp oder http://www.bghm.de/arbeitsschuetzer/fachinformationen.html .