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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Explosionsschutzmaßnahemn sind bei der Reinigung von Kleinteilen zu treffen?

KomNet Dialog 6154

Stand: 21.12.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

In einem Arbeitsraum mit 20 Arbeitsplätzen werden Kleinstteile gereinigt. Dazu sind an jedem Arbeitsplatz Weithalsgläser (Laborglas) mit geschliffenem Glasrand und Deckel aufgestellt. In diesen sind jeweils 300 ml leichtentzündliche Flüssigkeiten zur Durchführung der Reinigungsarbeiten enthalten. Die zu reinigenden Teile werden in die Gefäße eingelegt und nach dem Reinigungsvorgang wieder entnommen. Wie ist der beschriebene Sachverhalt (geringe Vorratsmenge von 300 ml pro Arbeitsplatz) im Explosionsschutzdokument zu berücksichtigen? Müssen hier Zonen für den Einzelarbeitplatz festgelegt werden oder kann das wegen der geringen Mengen vernachlässigt werden? Müssen für den Gesamtraum Zonen festgelegt werden?

Antwort:

Bei dem Raum handelt es sich um eine für einen Laborraum typische Situation.

Dies bedeutet im Standardfall:

Der Raum benötigt einen mehrfachen Luftwechsel je Stunde (je nach Bewertung der Belastung zwischen einem fünffachen und zwölffachen Luftwechsel) durch eine mechanische Lüftung mit einer gleichmäßigen Luftdurchströmung des Raumes (Zuluft von oben, da die Dämpfe schwerer sind als Luft).

Ist dieser Luftwechsel dauerhaft zuverlässig gewährleistet, so ist für den Raum kein gesondertes Explosionsschutzdokument erforderlich, weil so gewährleistet werden kann, dass sich an keiner Stelle eine gefahrdrohende Menge an explosionsfähiger Atmosphäre ansammelt, vorausgesetzt, dass die Beschäftigten eingewiesen sind und dass im Falle eines Glasbruchs die entzündlichen Flüssigkeiten sofort mit vorgehaltenem Bindemittel aufgenommen werden können.

Dies ist in der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und zu bewerten.

Wird auf eine wirksame technische Lüftung verzichtet, so ist eine detaillierte Bewertung erforderlich (vergl. Ziffer 2.4.4 der TRGS 722).

Da 50 g (oder 60 cm³) Lösemittel ausreichen, um in 1 m³ Raumluft eine explosionsfähige Atmosphäre zu erzeugen, wird man um jeden Reinigungsplatz in einem Abstand von vielleicht 3 m Zone 1 ausweisen müssen. Dadurch dürfte gleich der ganze Raum als Zone 1 einzustufen sein, verbunden auch mit besonderen baulichen Anforderungen (z.B. F-90-Wände und selbstschließende T-30-Türen). 

Nähere Informationen finden Sie in der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift (BGI/ GUV I 850-0) über Laboratorien. Für Laboratorien mit gefährlichen Stoffen sind die Anforderungen aus der TRGS 526 "Laboratorien" zu beachten.

Auch die aktuellen TRGS 720 bis 722 zum Explosionsschutz sind zu berücksichtigen.