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Melche Mindestbreite muss eine Treppe haben, über die im Notfall ca. 60 Personen flüchten müssten?

KomNet Dialog 6062

Stand: 21.11.2012

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Beschaffenheit von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

Über ein Treppenhaus in einem Bürogebäude würden ca. 60 Personen flüchten. Könnte die lichte Breite zwischen den Handläufen verringet werden (kleiner 1,25 m)? Muß der Handlauf um die im Treppenauge stehende Stütze (30 x 30 cm) gezogen werden oder ist in dem Bereich eine Aussparung möglich?

Antwort:

Gemäß der Arbeitsstättenverordnung (§ 4 Abs. 4 ArbStättV) muss der Arbeitgeber Vorkehrungen treffen, dass die Beschäftigten bei Gefahr sich unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können. Unter Ziffer 2.3 Abs. 1 des Anhangs zur ArbStättV wird näher erläutert, dass Fluchtwege und Notausgänge
a.sich in Anzahl, Anordnung und Abmessung nach der Nutzung, der Einrichtung und den Abmessungen der Arbeitsstätte sowie nach der höchstmöglichen Anzahl der dort anwesenden Personen richten,
b. auf möglichst kurzem Weg ins Freie oder, falls dies nicht möglich ist, in einen gesicherten Bereich führen,
c. in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein.

In der Technischen Regeln für Arbeitsstätten - ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht - und Rettungsplan" wird im Kapitel 5 Absatz 2 bestimmt, dass sich die Mindestbreite der Fluchtwege nach der Höchstzahl der Personen bemisst, die im Bedarfsfall den Fluchtweg benutzen und ergibt sich aus nachfolgender Tabelle (Ziffer 5 Abs. 3):

Anzahl der Personen (Einzugsgebiet)                       Lichte Breite (in m)
bis 5                                                                                      0,875
bis 20                                                                                    1,00
bis 200                                                                                  1,20
bis 300                                                                                  1,80
bis 400                                                                                  2,40

"Bei der Bemessung von Tür-, Flur- und Treppenbreiten sind sämtliche Räume und für die Flucht erforderliche und besonders gekennzeichnete Verkehrswege in Räumen zu berücksichtigen, die in den Fluchtweg münden. Tür-, Flur- und Treppenbreiten sind aufeinander abzustimmen. Die Mindestbreite des Fluchtweges darf durch Einbauten oder Einrichtungen sowie in Richtung des Fluchtweges zu öffnende Türen nicht eingeengt werden. Eine Einschränkung der Mindestbreite der Flure von maximal 0,15 m an Türen kann vernachlässigt werden. Für Einzugsgebiete bis 5 Personen darf die lichte Breite jedoch an keiner Stelle weniger als 0,80 m betragen."

Die Anforderung der neuen ASR A 2.3 unterscheidet sich hinsichtlich der Nr. 5 (Maße der Türen und Tore) der alten Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) 10/1"Türen, Tore"  nur geringfügig.

Ausführungen zu Verkehrswegen ergeben sich aus der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A1.8 Verkehrswege.Nach Nr. 4.5 Ziff. 11 sollen Handläufe dem Treppenbenutzer einen sicheren Halt bieten. Sie müssen so geformt sein, daß sie ein sicheres Umgreifen ermöglichen. An den freien Seiten der Treppen müssen Handläufe ohne Unterbrechung über den gesamten Treppenlauf geführt werden. Die Enden der Handläufe müssen so gestaltet sein, daß man daran nicht hängenbleiben oder abgleiten kann. 

Weitergehende Anforderungen können sich aus den jeweiligen Bauordnungen der Länder ergeben. Insbesondere die Vorschriften zu Sonderbauten enthalten mitunter konkrete Anforderungen an Fluchtwege. Relevant sein könnten die Anforderungen der:

- Versammlungsstättenverordnung (§ 7 und 8)
z.B.: ist die Breite der Rettungswege nach der größtmöglichen Personenzahl zu bemessen. "Die lichte Breite eines jeden Teiles von Rettungswegen muss mindestens 1,20 m betragen. Die lichte Breite notwendiger Treppen darf nicht mehr als 2,40 m betragen. Notwendige Treppen und dem allgemeinen Besucherverkehr dienende Treppen müssen auf beiden Seiten feste und griffsichere Handläufe ohne freie Enden haben. Die Handläufe sind über Treppenabsätze fortzuführen. "

- Verkaufsstättenverordnung (§ 8 und 9)
z.B. sollen notwendige Treppen für Kundinnen oder Kunden mindestens 2 m breit sein und dürfen eine Breite von 2,50 m nicht überschreiten. "Es genügt eine Breite von mindestens 1,25 m, wenn die Treppen für Verkaufsräume bestimmt sind, deren Fläche insgesamt nicht mehr als 500 m2 beträgt. Treppen für Kundinnen oder Kunden müssen auf beiden Seiten Handläufe ohne freie Enden haben. Die Handläufe müssen fest und griffsicher sein und sind über Treppenabsätze fortzuführen." 

- Hochhausverordnung (§ 7 und 8) sein.
z.B. muss die lichte Breite eines jeden Teiles von Rettungswegen, wie allgemein zugängliche Flure, Vorräume, Schleusen, Treppen, Ausgänge, mindestens 1,25 m betragen. Dieses Maß darf durch Türen im Zuge von Rettungswegen bis auf 1,10 m eingeschränkt werden. Treppen dürfen keine Wendelstufen haben.

Hinsichtlich der Anforderungen und der Anwendung der Sonderbauverordnungen sprechen sie diesebezüglich ihre Bauverwaltung an.

Fazit: Handläufe sollten immer in einem Zug ohne Unterbrechung durchgeführt werden. Bei einer Personenanzahl von ca. 60 flüchtenden Personen ist eine Treppenbreite von 1,20 m erforderlich und bei Sonderbauten eine von 1,25 m bzw. 2,0 m für große Verkaufsstätten.