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KomNet-Wissensdatenbank

Diverse Fragen zum Brand- und Umweltschutz in einer Ammoniak-Kälteanlage

KomNet Dialog 5989

Stand: 11.12.2007

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Sonstige Anlagen

Dialog
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Frage:

Wir haben eine Ammoniak-Kälteanlage mit zwei redundanten Kältekreisläufen mit je 25 kg NH3. Der Verflüssiger steht auf dem Flachdach des Gebäudes. Bei einem Leck am Verflüssiger wird Ammoniak austreten. Wie soll dies nach WHG betrachtet werden? NH3 hat WGK 2. Bei einem Austritt von 25 kg NH3 werden etwa 5 kg spontan verdampfen, es bleiben noch etwa 20 kg NH3 flüssig. Wenn nun die Werkfeuerwehr mit Wassernebel niederschlägt würde das bedeuten, dass wir kontaminiertes Löschwasser haben. Auf dem 70 m2 Dach wären nach TRwS 779 mit 3500 Liter kontaminiertem Löschwasser zu rechnen. Dies würde derzeit in die Regenwasserkanalisation fließen. 1. Frage: Muss das Löschwasser aufgefangen werden, sprich eine geeignete Absperrung auf dem Dach installiert werden? 2. Frage: Können wir ggf. die restlichen 20 kg NH3 auf dem Flachdach einfach verdampfen lassen? Also nicht mir Wassernebel niederschlagen? 3. Frage: Im Anlagengebäude selbst kann es ebenfalls zu solch einem Leck kommen. Hier kann das flüssige NH3 nicht in die Umwelt gelangen (dichter Betonboden, Türschwellen). Hier die gleiche Fragen: Alles NH3 verdampfen lassen (Tür auf), oder niederschlagen und Niederschlagswasser entsorgen. Anmerkung: Unsere eigene Feuerwehr ist in etwa 3 Minuten nach Alarm vor Ort. Bei einer kommunalen Feuerwehr mit einer Anfahrtdauer von 10 min. würde sich m. E. die Frage nicht stellen, die hier vorliegende Menge NH3 wäre längst verdampft, oder?

Antwort:

Ausgangslage: Es wird nach Möglichkeiten für die Entsorgung von freigesetztem Ammoniak bzw. nach der Entsorgung von ammoniakbelastetem Löschwasser, das zum Niederschlagen freigesetzter Ammoniakdämpfe eingesetzt wurde, gefragt. Unterstellt werden Freisetzungsszenarien, in denen der gesamte Ammoniakinhalt eines der beiden redundant vorhandenen Kühlkreisläufe freigesetzt wird.

1) Bei den hier genannten Ammoniakmengen von max. 25 kg Ammoniak und einem Einsatz von bis zu 3.500 Litern Wasser ergibt sich im anfallenden Abwasser eine Ammoniakkonzentration von weniger als als 1 %. Wässrige Ammoniaklösungen mit mehr als 25 % Ammoniak werden als umweltgefährlich (und ätzend) eingestuft. Wässrige Ammoniaklösungen mit mehr als 5 % und weniger als 10 % Ammoniak werden nur noch als reizend (Xi; R36, R37, R38) eingestuft. Es wird daher empfohlen, mit dem für die Entsorgung des Abwassers zuständigen Betrieb (Kläranlage) Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, ob das anfallende Löschwasser gegebenenfalls ohne weitere Behandlung über die Regenwasserkanalisation abgegeben werden darf oder ob eine weitere Behandlung erforderlich ist.

2) Sofern sich Flüssiglachen aus kaltflüssigem Ammoniak ausgebildet haben, sind diese mit Schaum oder einer Folie abzudecken und abzusaugen. Grundsätzlich darf kein Wasser auf Ammoniaklachen gesprüht werden, da es hierdurch zu einer beschleunigten Verdampfung von Ammoniak und damit zu einer Gefährdung der Umgebung kommen kann.

3) Bei Leckagen in Innenräumen sind Ammoniaklachen ebenfalls abzudecken und zu beseitgen. Ammoniakdämpfe sollten mit einem Gebläse aus den Räumen ausgetrieben, und die ammoniakhaltige Abluft über eine Tür oder ein Fenster gezielt nach außen geführt werden. Die Abluft ist durch einen Wassernebel/Wasserschleier zu leiten, um den Ammoniakgehalt zu minimieren (z.B. Hydroschild). Der Ammoniakgehalt in der Umgebungsluft ist regelmäßig zu überprüfen.

Die entsprechenden Maßnahmen zu den o.g. Punkten solten mit der von Ihnen erwähnten betriebseigenen Feuerwehr besprochen werden.

Anmerkung: Grundsätzlich halten wir die schnelle Freisetzung des gesamten Ammoniakinhaltes eines Kühlkreislaufes für sehr unwahrscheinlich!

Literaturhinweise:
1) Theoretischer und praktischer Umgang mit Ammoniak-Leckagen; Kälte u. Klimatech., Stuttgart 50 (1997) 11, 924 - 937

2) Fünfter Bericht über industrielle Risiken: Gefahrenpotentiale von Ammoniakkälteanlagen im grenzüberschreitenden Vergleich (Teil 1 Abschlussbericht, 1. Auflage 2002); Deutsch-Französisch-Schweizerische Oberrheinkonferenz (http://www.oberrheinkonferenz.org/de/downloads/berichte-veroffentlichungen/docs17_cat21-umwelt.php)

Hinweis: Konkrete arbeitsschutzrelevante Regelungen zu Kältenalagen werden in der BGR 500, Kapitel 2.35"Kälteanlagen, Wärmepumpen und Kühleinrichtungen“ getroffen.

Informationen zum Betrieb von größeren Kältenanlagen können sie der Technischen Regel zur Druckbehälterverordnung (TRB) - TRB 801 Nr. 14 entnehmen

Weitere Anforderungen können sie der Technischen Regel für Anlagensicherheit (TRAS) "Sicherheitstechnische Anforderungen an Ammoniak-Kälteanlagen" - TRAS 110 und der Leitfaden "Sicherheitstechnische Anforderungen an Ammoniak-Kälteanlagen" des ehemaligen Technischen Ausschuss für Anlagensicherheit (TAA) TAA-GS-12 entnehmen. Diese können unter www.sfk-taa.de und dort unter - > Berichte -> TAA/TRAS eingesehen werden.