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KomNet-Wissensdatenbank

Wo finde ich Informationen darüber, dass das Verwenden von Schleifpapier und Feilen an Drehmaschinen nicht zulässig ist?

KomNet Dialog 5983

Stand: 04.10.2007

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > angrenzende Bereiche > Sprengstoffe, Pyrotechnik

Dialog
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Frage:

In unserem Betrieb wird ein -auf eine Werkbank montierter- Spindelstock verwendet, Baujahr 1999. Das Spannfutter ist mit einer Schutzhaube verkleidet. Die maximale Drehzahl beträgt 2800 1/min. Die Mitarbeiter verwenden diesen, um per Hand kleine Bohrungen, ab 3 mm Durchmesser, nachzuschleifen. Hirbei verwenden sie Schleifpapier, Rundfeilen, und Watte mit Schleifpaste zum polieren. Die Werkstücke bestehen aus gehärtetem Rundstahl mit glatter Oberfläche und haben ein Gewicht von ca. 1-2 kg. Diese werden zur Bearbeitung in das Spannfutter eingespannt. Das Werkstück ist somit bei der Bearbeitung ungeschützt. Frage: Ist eine solche Verwendung zulässig? Wo finde ich Informationen darüber, dass das Verwenden von Schleifpapier und Feilen an Drehmaschinen nicht zulässig ist?

Antwort:

Anforderungen an im Betrieb befindliche Maschinen ergeben sich aus Anhang 1 und 2 der BetrSichV (siehe § 7 BetrsichV). An allen sich drehenden Maschinenteilen besteht die Gefahr des Erfasstwerdens, unabhängig von der Art der drehenden Teile.

"Gefährdungen ergeben sich beim Betrieb von Drehmaschinen insbesondere dadurch, dass Teile mit erheblicher Geschwindigkeit fortgeschleudert werden können, z. B. Spannbacken, Elemente vom Spannfutter, Werkstücke, Werkstückteile, Späne, Werkzeuge, Werkzeugbruchstücke. Besonders gefährlich sind offen laufende Mitnehmer, z. B. Drehherzen oder Spannvorrichtungen mit ihren weit hervorstehenden Spannschrauben oder Mitnehmerdornen. Die Gefahr des Erfassens von Kleidungsstücken oder offenen langen Haaren durch ungeschützt umlaufende, aus der Maschine herausragende Werkstücke ist beim Drehen besonders groß.

Das Polieren mit in der Hand gehaltenem Schleifpapier ist ebenfalls eine Unsitte. Erfasst die Welle das Schleifpapier, gelingt es kaum, das Schleifpapier schnell genug loszulassen, was oft schwer wiegende Handverletzungen mit sich bringt. Deshalb ist es immer zu verbieten. Eine Alternative bietet auf Schleifbretter aufgespanntes Schleifpapier." (Ziffer 2.5.1.2 BGI 5003 "Maschinen der Zerspanung")

Das bedeutet, dass das manuelle Bearbeiten von drehenden Werkstücken mit Schleifpapier oder einer Feile nicht grundsätzlich verboten ist. Vielmehr muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Tätigkeit kritisch hinterfragt werden, ob nicht bessere Arbeitstechniken oder Arbeitsgeräte eingesetzt werden können. Wichtig ist z.B., dass neben eng anliegender Kleidung bei der Bearbeitung nicht über das Spanfutter gegriffen wird. Evtl. können festgespannte Schleif- und Polierdorne das manuelle Halten der Arbeitsgegenstände verhindern. Grundsätzlich ist zu prüfen, ob bei gleichbleibender Qualität des Produktes, die Gefährdung durch eine Herabsetzung der Drehzahl vermindert werden kann.