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KomNet-Wissensdatenbank

Sind Probeflaschen unter Verschluss aufzubewahren, wenn sie mit T oder T+ gekennzeichnet sind?

KomNet Dialog 5918

Stand: 11.12.2009

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

Dialog
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Frage:

Im Rahmen von sicherheitstechnischen Begehungen in Raffinerien und petrochemischen Werken stellte ich fest, dass die vom Anlagenpersonal in Flaschen gezogenen Proben in einem offenen Kasten abgestellt und später vom Laborpersonal abgeholt werden. Die Probenflaschen sind zum Teil als giftig oder sehr giftig eingestuft und sind entsprechend gekennzeichnet. Der Kasten ist aber nicht verschlossen. Ich habe eine derartige Aufbewahrung von giftigen und sehr giftigen Stoffen in einem offenen Kasten als nicht rechtskonform mit der Anforderung nach § 10 Abs. 3 der Gefahrstoffverordnung eingestuft und erwarte eine angemessene Korrekturmaßnahme. Der Betreiber widerpricht meiner Auffassung und argumentiert damit, dass es bei sich dem zeitweiliegen Abstellen nicht um eine Lagerung im Sinne der Gefahrstoffverordnung handelt. Weiterhin wird angeführt, dass die sich auf dem Betriebsgelände befindlichen Personen (Betriebsangehörige und Mitarbeiter von Fremdfirmen) grundsätzlich über die Gefahren im Betrieb geschult, und daher als `fachkundige Personen` einzustufen seien. Die Anforderung nach § 10 Abs, 3 der Gefahrstoffverordnung lautet aber: Mit T+ und T gekennzeichnete Stoffe und Zubereitungen sind unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur fachkundige Personen Zugang haben. In der Begriffsbestimmung der Verordnung ist der Begriff `Aufbewahren` nicht näher definiert. Meine Frage lautet: sind Probeflaschen unter Verschluss aufzubewahren, wenn sie mit T oder T+ gekennzeichnet sind?

Antwort:

Zur näheren Erläuterung dieser Vorschrift können die Richtlinien für Laboratorien – BGR 120 herangezogen werden. Dort heißt es unter Ziffer 4.10.5:
"Sehr giftige und giftige Stoffe sowie Zubereitungen sind unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur sachkundige oder unterwiesene Personen Zugang haben.
Reparatur- und Reinigungspersonal sind vor Arbeiten in entsprechenden Bereichen über die Gefahren und Schutzmaßnahmen zu unterweisen und in angemessener Weise zu beaufsichtigen."

Das in der Frage beschriebene ungesicherte Aufbewahren der gezogenen Proben ist daher wie von Ihnen bereits angeführt unzulässig.

Weitere Gründe sind:
Die unter § 14 Gefahrstoffverordnung geforderte Betriebsanweisung und Unterweisung muss stoff- und arbeitsplatzbezogen sein. Die Lebenserfahrung steht einer Aussage, dass jede/r betriebliche Mitarbeiter/in in erforderlichem Umfang bezüglich des Umgangs mit den gezogenen Proben unterwiesen ist, entgegen. Dieses gilt in besonderem Maße für relativ große Betriebe wie Raffinerien und petrochemische Werke.
Auch befinden sich besonders in großen Betrieben fast täglich Mitarbeiter von Fremdfirmen und Besucher auf dem Betriebsgelände, die keine Zugriffsmöglichkeit auf die Proben haben dürfen oder aber bei Arbeiten in deren Nähe permanent beaufsichtigt werden müssen.

Unabhängig von der arbeitsschutzrechtlichen Bewertung müsste es auch im Eigeninteresse des Betriebes liegen, dass gezogene Proben so unter Verschluss aufbewahrt werden, dass selbst eine versehentliche Verfälschung oder Beschädigung der Proben weitestgehend ausgeschlossen ist.